”I think I understood something. You see, I’ve never liked my generation. Facebook, texts, all that – it has no romanticism. And then, when I came here, and discovered techno and that whole scene, I felt like I belonged to my generation. And I think you have to be modern, absolutely modern. So, as I’m proud of my generation, I decided to stop running away from modernity. I can’t remember who said this but it’s something like: whoever puts his hands in the wheel of time gets his arm ripped off. I belong to my time; we have our music and our drugs. And I don’t want to be like all the people who talk about all that but I have no choice. I want to abandon myself to modernity.”

Oscar Coop-Phane

Phrasen

U

Wer nichts zu sagen hat, redet am meisten. Über sich, über andere, den Ex-Freund, die Ex-Freundin, Geschichten aus der Schule, schlecht gekleidete Menschen und Kinder in zerrissenen Lumpen, Hartz-IV-Empfänger, Diäten, Avocado-Toast, ”unsere Generation”, Neid, Sex, Reisen, Tinder, Twitter, Whatsapp, Facebook, Brunch. Über einen ”guten” Artikel, den man gelesen hat, der einen ”voll zum Nachdenken angeregt hat”, den Beruf, die Nachbarn, flüchtige Bekannte, Fremde auf der Straße, Tipps, wie man schlank bleibt, Mode-Trends, was man in Frauenzeitschriften gelesen hat, wie es war, als man letztes Wochenende ”feiern war”, welches Buch man sich wegen des Covers gekauft hat, wie fett Nina aus der Parallelklasse von früher geworden ist, dass Luisa geheiratet hat, aber scheiße auf den Hochzeitsfotos auf Facebook aussieht, Cellulite, Anti-Feminismus, wer besser keine Hotpants oder Bikini im Sommer tragen sollte, was man sich Neues für die Wohnung gekauft hat, – man hat ja so einen erlesenen Geschmack und kann es sich leisten. Welche Bücher man liest und vor allem nicht liest. Mit wem man sich auf einer Party unterhalten hat, seit wann man in Berlin wohnt, die Floskeln über die AfD – wie ein auswendig gelernter Text – man kennt sich nicht aus mit Politik und es ist auch nicht von Belang – es geht einem ja gut und wen kümmern schon die Armen und Bedürftigen, aber man muss ja so tun, als ob. Man selbst kommt bei diesen endlosen Ausführungen immer am besten weg. Man selbst ist unfehlbar. Hat die Welt durchschaut. Weiß nicht nur, wo der Hase langläuft – nein, man ist ihm immer ein paar Schritte voraus und so gibt man zu allem ein paar Sprüche ab, Meinungen, Halbsätze. Man hält die Nase hoch. So hoch, man sieht den Boden nie.

Meist bekommt man sogar noch Lob dafür von einigen geistig Verwirrten oder weltfremden Kleingeistern, die auch nichts zu sagen haben, aber ihnen fällt im Gegensatz auch nichts ein, worüber sie reden könnten und deshalb hören sie zu und denken, sie hätten soeben ein gutes Gespräch geführt. Jemand hat auf sie eingeredet, der etwas zu sagen hat. Der ”klug” ist und ”freche” Meinungen hat. Wenn es ganz gut läuft, darf man sogar im Feuilleton einer Zeitung schreiben oder ein Buch schreiben gefüllt mit seinen ”Meinungen”.

”Ein Kluger bemerkt alles. Ein Dummer macht über alles eine Bemerkung.”
Heinrich Heine