”Selfie-Generation”

Ich poste keine Selfies mehr. Ich mag es nicht. Es hat so etwas Billiges, weil es meist Gepose ist. Halb geöffnete Münder, stark geschminkt, Beine ausstrecken, damit man schlanker wirkt, Brust raus, Bauch rein, Filter und dann möchte man den Ex-Freund vielleicht eifersüchtig machen oder die neue Eroberung an. Es wird geprotzt und versucht gut auszusehen. Nur ”authentisch” sind das Festhalten von schönen Momenten, ein aufrichtiges Lachen.

Wir, die ”Millenials”, sind die ”Selfie-Generation”. Das ist kaum abzustreiten. Das hat aber nicht nur etwas mit ”Generation” zu tun, denn es veröffentlichen Menschen jeden Alters Bilder von sich. Nur die Millenials eben ein bisschen mehr. Das macht die Technik möglich. Dass es mehr junge und noch halbwegs junge Menschen machen, das Posten, ja, das macht die Jugend. Mit mehr Technik hätten die Menschen von früher vermutlich auch ”Selfies” gemacht.

Wie kann man das Posten von Bildern von sich selbst weniger peinlich machen?

Olelele

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”Olelele”, sagt er. ”Das sagt man so bei uns.” Er lacht.

Wir sind zwei Fremde in einer regnerischen Stadt. Es ist Abend. Er verabschiedet sich.

Als der Zug einfährt, setze ich mich ans Fenster und sehe hinaus. Der Bahnhof ist um diese Zeit ziemlich leer. Es ist schon spät. Im Zug sitzen kaum Menschen. Ein Mann und eine Frau steigen ein. Sie sind ungefähr Ende 20.

”Weißt du, wen ich letztens beim Brunch getroffen habe?” sagt der Mann. Er schreit.

”Nein, wen?” sagt die Frau.

Sie setzen sich.

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