Single-Ratgeber

Als Mädchen oder junge Frau hat man es nicht leicht. Man denkt, man braucht unbedingt einen festen Freund, möchte auch endlich mal verliebt sein wie bei Disney und Hollywood und schnackseln möchte man sowieso, denn das Jungfernhäutchen muss weg wie die Mauer damals in der DDR, falls man es beim Bockspringen nicht schon zerrissen hat oder es bei einer anderen Aktivität verloren gegangen ist. Das kann schon mal passieren. Was soll man auch mit dem Fetzen Haut? Minimalismus ist jetzt in. Es muss endlich weg und da ist es doch gut, wenn sich ein männliches Wesen dazu bereiterklärt es mit seinem fleischigen Liebesstab zu durchbrechen.

Auch als erwachsene Frau hat man es nicht viel leichter, denn auch da wird erwartet, dass man sich einen Mann angelt, weil man sonst eine alte Jungfer ist, eine crazy cat Lady, und bitte nicht die biologische Uhr vergessen, die in unerträglicher Lautstärke tickt und so ab 25 ist man “undatable”, weil man nur noch wie eine Versessene Hochzeitskleider, Hochzeitslocations und Namen für die zukünftigen Kinder nach dem ersten Date aussucht und somit das arme, freiheitsliebende, männliche Geschöpf einengt und vergrault oder die schreckliche Frau denkt nur an ihre Karriere und nicht an Kinder und heiraten. Typisch Frau eben. Von Hormomen, Hysterie und kindlichen Denkbemühugen gelenkt.

Man munkelt unter vorgehaltener Hand, dass es irgendwo weit entfernt Frauen gibt, die das Single-Dasein genießen und behaupten glücklicher als Singles zu sein statt sich mit faulen, bindungsscheuen, pornoverseuchten oder gar gewalttätigen Riesenbabys herumzuärgern. Diese Frauen haben sicherlich ihre Tage oder PMS. Anders kann man sich dieses Phänomen nicht erklären, denn einen Mann an seiner Seite zu haben, ist bekanntermaßen die einzige Erfüllung für ein devotes Weibchen.
Die meisten männliche Wesen haben durchaus ihre Vorteile und gut zum Kuscheln und Filme gucken sind männliche Geschöpfe meistens auch, wenn sie nicht stinken und laut aus dem Mund atmen (ohne eine Atemstörung zu haben, denn dafür kann Mann ja nichts außer er ist Raucher) oder bei Instagram 100 halbnackten Damen und Ex-Freundinnen folgen und meinen das sei gar nicht “trashy” und frau sei eine eifersüchtige Furie, falls sie das stört und sie ist nicht locker drauf wie die Ex-Freundin, die im Übrigen letztes Wochenende zu Besuch war und man hat im selben Bett nackt geschlafen und da sei ja nichts dabei und wenn man deshalb schon wieder eifersüchtig ist, dann soll man eben zur Therapie und ja, falls man keinen Getränkefilter hat und zu vornehm für Leitungswasser ist, ist es auch durchaus angenehm, wenn ein männlicher Mensch frau die Wasserkästen hochschleppt. Von dem Öffnen besonders hartnäckiger Einmachgläser ganz zu schweigen.

Wie kommt man jetzt aber nur an so ein Wesen? Es gibt weltweit Millionen von Singles. Mit diesem Ratgeber wird sich das nun ändern.

 

1.

Tragen Sie keine Unterwäsche. Schneiden Sie sich zwei Löcher in Ihr Shirt in der Brustgegend und ein großes in der Hinterngegend. Stellen Sie sich an ein geöffnetes Fenster in Ihrem Haus oder in Ihrer Wohnung und drehen Sie sich im Minutentakt. So können Sie Männer anlocken, die sowohl Brüste als auch Hintern bevorzugen. Sie haben “innere Werte”? Der Durchschnittsmann sieht nur mit dem Penis gut. Warum nicht gleich nackt? Es ist jetzt Erkältungssaison. Man muss auch ein bisschen vernünftig sein oder denken Sie, dass Sie bei der Partnersuche Ihre Chancen mit roter Schnupfnase und Bazillen steigern? Ich beginne jetzt schon langsam zu verstehen, warum Sie noch Single sind. Mit diesem besserwisserischen Getue kommen Sie jedenfalls nicht weit.

 

2.

Die meisten Männer sehen sich heutzutage ungefähr zehn Stunden lang am Tag Pornos an und denken die Klitoris sei eine griechische Insel. Alles ganz normal. Nehmen Sie einen Karton und legen Sie diesen irgendwo an einer guten Stelle aus. Schreiben Sie in großen Lettern “Pornos” auf besagten Karton und bauen Sie eine Falle. Verstecken Sie sich in unmittelbarer Nähe und nun heißt es nur noch kurz warten bis ein männliches Wesen nach dem Köder schnappt und in Ihre Falle fällt. Schon haben Sie einen Freund und potentiellen Ehemann.

 

3.

Suchen Sie sich eine neue, weibliche Freundin. Warum denn das? Sie suchen doch einen Mann. Dazu komme ich noch. Es reicht es aber so langsam? Üben Sie sich bitte ein bisschen in Geduld. Ihre neue Freundin sollte eine Affäre mit einem verheirateten Mann haben oder der in einer Beziehung ist. Erklären Sie, dass Sie nun auch mit diesem Mann zusammen sind, da er ja ohnehin wie ein Wanderpokal beim Fußball weitergereicht wird und da macht es ja nichts, wenn Sie auch noch von diesem bepenisten Flittchen Gebrauch machen können. Falls man sich weigert, Sie aufzunehmen, weil man auf einmal doch nicht so gerne teilt, können Sie es ja mit Erpressung versuchen, denn die Frau Ihres neuen Schatzes würde sicherlich gerne wissen, was ihr Mann mit Ihrer Freundin so treibt.
Ein kommunaler Mann ist auch durchaus positiv zu betrachten, denn man hat ja viel mehr Zeit für seine Hobbys, da der Mann seine Zeit auf seine Frauen aufteilen muss und Dauerlügen und mangelndes Moralverständnis auch mal müde machen können und Treffen abgesagt werden. So sind Sie Teil einer romantischen Chlamydia Connection und nicht mehr ohne Mann. Wenn Sie süße Pärchen-Fotos beim Fotografen machen, bekommen Sie vielleicht sogar noch einen Rabattcode.

 

4.

Gehen Sie an Orte an welchen es mehr Männer als Frauen gibt. Warum? Da ist die Konkurrenz selbstverständlich kleiner. Gehen Sie nur noch zu einem Männerfriseur. Dieser verpasst Ihnen eine nicht so schöne Frisur? Seien sie nicht so eitel. Weitere gute Orte, um Männer in der Überzahl zu treffen sind Swingerclubs, aber auch der örtliche Schwulenclub. Falls es keinen in Ihrer Stadt gibt, fahren Sie mit der Bahn oder einem Fernbus in die nächstgelegene Stadt, wo Sie fündig werden können. Einfach mal bei den entsprechenden Anbietern nachfragen, wo es den nächsten Club gibt und ob sie eine gute Verkehrsanbindung empfehlen können. Schildern Sie ihre verzweifelte Lage und sagen Sie, dass Sie auf Männersuche sind und falls man ein Herz hat, wird man Ihnen vielleicht eine billigere Fahrkarte zukommen lassen. Desweiteren können Sie es ja auch in einer Chefetage versuchen. Gut, dass die leidigen, behaarten Feministen-Weiber, die gläserne Decke noch nicht gänzlich überwunden haben und dort noch Männer-Überschuss herrscht.

 

5.

Falls Sie eine lebhafte Fantasie haben, können Sie einen Freund erfinden, der in einer selbstgebauten Hütte im Regenwald Südamerikas wohnt und deshalb nicht zum gemeinsamen Kinoabend mit Ihren Freunden kommen kann, endlich sind sie offiziell kein Single mehr und weg vom Markt und niemand wird Sie drängen sich einen Freund zu suchen. Falls man doch noch fragt, wann Sie sich verloben und heiraten, können Sie erzählen, dass Ihr Liebster sich beim Hüttenbau leider versehentlich die Hände mit einer Machete abgehackt hat und deshalb keinen Ehering tragen kann und sie auch nicht heiraten. Sie sind da eher traditionell und ohne Ehering geht es nun mal nicht für Sie. Leider haben Sie auch den Fehler gemacht, dass Sie dem Häuptling seines Stammes und den Freunden Ihres Freundes sowie der Familie Bilder von Ihren Freunden und Liebsten gezeigt haben und Menschen, die Ihrem Freund am nächsten stehen, haben Ihre Freunde und Ihr nörgelndes Umfeld, dass Sie zum Heiraten zwingen möchte, für unfassbar hässlich befunden und nun schämen Sie sich und wissen nicht, wie das erst bei einer Hochzeit wäre. Sie möchten ja nicht, dass sich die Hochzeitsgäste aus Südamerika vor lauter Ekel übergeben müssen bei so viel deutscher/deutsch mit Migrationshintergrund -Hässlichkeit. Als Sie dem Häuptling Ihres Freundes und den übrigen Dorfbewohnern die Fotos zeigten, kam es zu einer Massen-Übelkeit im Dorf und das wollen Sie nicht wieder riskieren. Sie fühlen sich immer noch dafür verantwortlich. Der Bruder Ihres Freundes war so aufgebracht, dass er sogar zu den Krokodilen springen wollte. Man konnte ihn nur noch gerade so davon abhalten.

 

6.

Gehen Sie in einem Club am Wochenende, übergeben Sie dem DJ Geld und fordern Sie ihn dazu auf, dass die Tanzfläche für Sie geräumt wird und ein Scheinwerfer auf Sie zeigt. In Endlosschleife soll nun der DJ von Beyoncé “All the single ladies” spielen, während Sie lasziv dazu tanzen und auf Ihren Ringfinger zeigen. Ein Mann wird schon anspringen.

 

7.

Lesbianismus ist wie hetero sein nur meistens besser. Wussten Sie, dass Frauen, die in einer lesbischen Beziehung sind, viel öfter Orgasmen beim Sex haben als Frauen in einer heterosexuellen Beziehung? Das spricht doch für sich. Falls Sie dem heteronormativen Druck nicht entkommen können, können Sie sich doch einfach eine süße, ausländische Lesbe zulegen, die kein Deutsch spricht und wie ein Tomboy aussieht oder ein Drag King ist und schon haben Sie einen “Freund”, von dem Sie Bilder bei den öffentlichen Netzwerken posten können und niemand wird Sie mehr fragen, wann Sie endlich einen Freund finden.
Die ungefähr zehn Orgasmen am Tag vs. Orgasmen vortäuschen und mehr Hausarbeit ( https://www.ndr.de/themenwoche/gerechtigkeit/Geschlechterrollen-Wer-macht-mehr-im-Haushalt,gerechterhaushalt100.html ) sind auch nicht zu verachten.

 

8.

Hängen Sie Plakate mit Ihrem Bild und Überschrift “Suche Mann” mit Ihrer Telefonnummer überall in Ihrer Stadt auf. Tinder und sowas ist doch alles durchgekaut und außerdem ist ja nicht jeder bei Dating-Apps angemeldet, aber die meisten gehen ab und zu mal vor die Tür und dort wird ihnen sicherlich Ihr liebliches Anlitz auffallen. Das hat auch den Vorteil, dass Sie von einer Modelagentur entdeckt werden können und wenn das Geld fließt, dann läuft es auch mit den Männers, denn dann können Sie sich bei einer kostenpflichtigen Elite-Dating-Seite anmelden, einen Millionär kennenlernen, alle Ihre Freunde neidisch machen und eine Reality-Show wie die Geissens bekommen.

 

9.

Suchen Sie online Bilder von Bodybuildern und zu Gewalt bereit aussehenden Männern und speichern Sie diese in Ihrem Handy.
Ein Mann wagt es mit Ihnen zu reden? Sagen Sie ihm, dass das in Ihrer Religion oder in Ihrem Ursprungsland bedeutet, dass sie heiraten müssen oder Ihre männlichen Religionsbrüder werden nicht zu beigeistert sein. Ihr Großvater sitzt momentan im Gefängnis, aber vor den anderen müsste man schon ein bisschen Angst haben. Erzählen Sie von Ihrem Cousin, der den Spitznamen Mike Tyson hat oder von zwei weiteren Cousins, die momentan zerstritten sind, weil man sich nicht einig darüber wird, wer mehr Gewaltpotential und Testosteron hat. Ihr neuer Ehemann wird sicherlich glücklich darüber sein, dass er bald kostenlosen Kampftraining-Unterricht bekommen kann und in die Gesetze der Straße eingeweiht wird.

 

10.

Kaufen Sie sich einen Stempel und ein Stempelkissen und stempeln Sie munter “Meins” auf die Stirn des Objekts ihrer Begierde. Sie sind ein Bad Girl? Geben Sie sich als Tätowiererin aus. So können Sie ihr Männchen dauerhaft an Sie binden. Vom wegen “Generation beziehungunfähig” und so. Ein gebrandmarktes Männchen ist leichter zu halten.

 

Es kann mit diesen erstklassigen Tipps nur noch gut laufen bei der Partnersuche. Danke, dass Sie diesen Guide gelesen haben, der nur 500 Euro kostet. Sie haben sich mit dem Lesen damit einverstanden erklärt diesen Betrag zu bezahlen. Bitte geben Sie umgehend Ihr Zahlverfahren ein.

Diät-Käthe

Käthe hatte sich angestrengt und ganze 28 Kilo abgenommen. Ihr war zwar öfter schwindelig und sie fiel manchmal um, aber was machte das schon, wenn sie jetzt Kleidergröße XXS tragen konnte? Strenggenommen passte ihr XXS gar nicht und sie musste die neue Kleidung, die sie gekauft hatte, zum Schneider bringen, damit die Hosen, T-Shirts und Röcke und sonstiges nicht an ihrem dünnen Körper herumschlackerten. ”Kaufen Sie sich doch mal vernünftige Kleidung,” hatte sie schon die Nachbarin aus dem dritten Stock gerügt. Die, die immer so neugierig war. Käthe wog so wenig – man hätte meinen können, dass sie ein Windstoß umnietet, aber Käthe mochte sich so. Das war ihr neues Ich. Sie liebte ihren neuen ”Look”. Sie fühlte sich wohl. Sie aß eine Karotte am Tag, manchmal auch ein Stück Gurke und wenn sie ganz großen Hunger hatte, gab sie Zitronensaft in ihr Wasser. So kam sie auf ganze 50 Kalorien pro Tag. Der Briefträger hatte sie gar nicht mehr wiedererkannt wegen ihrer eingefallenen Wangenknochen.

Der schnieke Detlef war ganz begeistert, als er Käthe sah. Hatte er ihr doch gesagt, dass er nur auf schlanke Frauen steht, als sie sich bei Tinder kennenlernten. Detlef hatte gesagt, dass er eine Aversion gegen ”fette Weiber” hätte und sich ”mit so einer” nicht blicken lassen könnte und nebenbei bemerkt, dass Käthe ”ja schon etwas fülliger” sei. Als Käthe weinte, sagte er, dass er ja nur ehrlich sei und sie an ihrer Figur arbeiten sollte. ”Laut BMI habe ich Normalgewicht,” entgegnete Käthe. ”Willst du mir gefallen oder diesem BMI?” erwiderte Detlef und verzog das Gesicht. ”Ist das ein Schatten oder ein Damenbart, du Fettklops?” sagte er zu ihr sichtlich angewidert, als sie ihm einen Abschiedskuss geben wollte. Mit so einer könnte er nicht ankommen. Was würden die Jungs vom Stammtisch über ihn denken? Für Detlef war sein guter Ruf von großer Bedeutung. Das war schon immer so. Selbst als er mal ein ganz kleiner Detlef gewesen war. Detlef, oh Detlef, du Lebemann.

Käthe fragte: ”Detlef, wann treffen wir uns wieder?” Detlef seufzte laut und sah gar nicht von seinem Handy auf und swipte fleißig nach links und rechts. ”Hm, die ist nicht schlecht,” murmelte er. ”Aber die ist mir zu alt. Die ist ja schon 37.” Detlef war 39. ”Detlef,” schluchzte Käthe, aber er schlug ihr die Tür vor der Nase zu.

Nun war Detlef selbst kein Adonis. Gewiss, die Geheimratsecken und die Speckrollen am Bauch, die Schweißfüße und das Furunkel am After und seine schlecht durchbluteten, dicken, bleichen Beinchen machten ihn zu keiner Attraktion für die Damen- oder Homowelt, wenn er im Vorgarten seiner Mutter herumstolzierte und die Nachbarn lautstark auf ihr Fehlverhalten hinwies (wie den Polizisten Rainer, der im Haus schräg gegenüber wohnte und der immer drei Zentimer zu weit auf dem Bordstein mit seinem Privatauto parkte – Detlef hatte nachgemessen – oder die Friseurin Roswitha, die er beschuldigte ein illegales Bordell zu betreiben, weil sie manchmal Männerbesuch bekam), aber darauf kam es nicht an. Bei einem Mann kam es schließlich auf ganz andere Dinge an. Zum Beispiel darauf, dass Detlef so klug war. Er war so klug, dass andere Menschen gar nicht begriffen, dass er so klug war. Nur die Jungs von seinem Stammtisch begriffen das, aber die begriffen so einiges. Die durchschauten einfach alles und Detlef war ihr Anführer. Natürlich hatte man ihn nicht gewählt oder so etwas, aber er war so eine Art stiller Anführer. Das imponierte Käthe mächtig, dass ihr Detlef – nun, bald würde sie ihn den ihren nennen können, so dachte sie – so klug war und so viel wusste und so einen guten Ruf genoss und so viel begriff. Da hatte ihr das bisschen Hungern gar nichts ausgemacht. Erst hatte sie Almased gemacht und dann eine Fastenkur. So hatte sie in Null Komma Nichts abgespeckt und war jetzt rank und schlank. Detlef pfiff vor Begeisterung bei ihrem zweiten Date. ”Käthe,” sagte er. ”Jetzt kannst du dich wahrlich blicken lassen. Du bist ja nur noch Haut und Knochen. Käthe, es ist um mich geschehen.” Er fiel vor ihr auf die Knie, nahm ihre Hand – seine war schweißnass – und küsste sie. Käthe schmolz dahin. So einen Kavalier hatte sie noch nie kennengelernt. Wie konnte sie nicht verliebt sein? Selbst sein Beruf begeisterte sie. Steuerberater. Etwas Solides. Wie schneidig er aussah mit den Socken und den Sandalen und dem fettigen, schütteren Haar. Sie mochte den würzig-schweißigen Körpergeruch, der ihr in die Nase stieg – Detlef rauchte Kette, aß nur Fleisch und trank literweise Bier. Da können die Ausdünstungen schon mal etwas pikanter riechen. Käthe kam gar nicht mehr aus dem Schwärmen heraus. Das sollte ihr neuer Freund sein? Ihr neuer Freund? Der sah ja fast so gut aus wie Richard Gere in Pretty Woman. Träumte sie oder war ein Rosamunde-Pilcher-Film Realität geworden und sie spielte die Hauptrolle? Es konnte nicht wahr sein. Jemand müsse sie zwicken, dachte Käthe und verdrückte ein paar Freudentränchen. Sie war verliebt, so verliebt.

Detlef, der Genießer, führte sie zum Rendezvous in ein feines Restaurant. Er aß ein Drei-Gänge-Menü und Käthe aß nichts. Sie musste ja ihre Linie halten. Sie trank nur ein Glas Leitungswasser. Nach Zitrone war ihr heute nicht. Sie hatte – seit sie gar nichts mehr aß – Unmengen an Geld übrig und konnte Detlef zum Essen einladen. Sie war spendabel und konnte es auch sein, da ja keine Kosten mehr für Nahrungsmittel für sie selbst anfielen. Detlef griff zu und bestellte das komplette Menü, das er soeben gegessen hatte, gleich noch mal, so hungrig war er. Er rieb sich den Bauch, als er zu Ende gegessen hatte und ließ sich noch drei Schnaps vom Kellner bringen. ”Zur Verdauung,” sagte er und ließ einen fahren. ”Blähungen,” sagte er. Käthe nickte verständnisvoll. Es gefiel ihr, dass Detlef nicht so vornehm war. Ihr letzter Freund, Daniel, war so etepete gewesen und sie war so froh, dass Schluss war und sie sich neu verliebt hatte. Außerdem hatte sie mal gelesen, dass man die Winde nicht halten sollte, wenn sie doch herausmussten. Sie überlegte, konnte sich aber nicht mehr erinnern, wo sie das gelesen hatte. Der Gedanke, die Erinnerung daran, war wie vom Winde verweht. Sie sah Detlef an. Er war mit offenem Mund eingeschlafen und hatte sich ein bisschen vollgesabbert. Sie war entzückt. Seine schwabbelligen, roten Arme kamen mehr als gut zur Geltung, weil er ein sportlich-elegantes Unterhemd trug. Dazu eine modische Radlerhose. Sie nahm ihr Handy und machte ein Bild von ihm. ”Ist er nicht hinreißend?” schrieb sie ihrer Diät-Whatsapp-Gruppe ”Magerwahnsinn” und fügte 15 Herzchen-in-Augen-Emojis an. Sie bekam hunderte von Herzchen zurück. ”Was für ein Bild von einem Mann,” schrieb Susi. ”Du Glückliche, ich bin neidisch,” schrieb Julia. ”Hat der einen Bruder, der Single ist?” schrieb Almgart. Käthe seufzte. Sie verspürte ein Bauchkribbeln. Es war Liebe, das musste Liebe sein, dachte sie. Die Astrologin bei AstroTV, die sie angerufen hatte, hatte Recht gehabt. Bald würde sie ihren Herzensmann treffen, hatte sie gesagt und nun saß er vor ihr. Das war die 178,91 Euro wert, die sie für den Anruf bei der Hotline bezahlen musste. Sie war verliebt, so verliebt. So unendlich verliebt.

Detlef erwachte. ”Hab kurz geschlafen,” sagte er. ”Ich habe von so einer geilen Ollen geträumt mit der ich es getrieben habe. Die war so dünn.” Detlef machte es mit den Händen nach. ”So dünn,” sagte er. ”Ihr Hüftumfang war so dünn, guck so. Die hatte aber Silikon-Dinger. So dünne Weiber haben ja oft nichts in der Bluse, wenn du verstehst, aber die hatte mindestens D oder E. Da konnte man ordentlich kneten. Wie Sauerteig oder so was. Die waren ungefähr so groß, so wie Melonen.” Er leckte sich über die braunen, trockenen, fleischigen Wurst-Lippen. ”Wann willst du dir Silikon reinmachen lassen?” fragte er. ”Ich sag’s dir gleich, ich bezahle dir das nicht, ich hasse das, wenn Weiber immer Geld von einem haben wollen. Das sollen die schön selbst bezahlen und du Käthe, hast es bitter nötig, muss ich dir sagen. Deine Euter sehen aus als hätte man da die Luft rausgelassen, jetzt, wo du abgenommen hast und du solltest so schnell wie möglich, ich sag mal, aufrüsten. Wenn du dir kein Silikon reinmachst, kann ich auch nicht treu sein. Eine Frau muss sich schon ein bisschen Mühe geben für einen Mann. Ich bin nur froh, dass du nicht mehr so fett bist. Wären wir in den Bergen zum Wandern gewesen, hätten die Leute ja gedacht, dass eine Lawine auf sie zurollt, wenn sie dich sehen und beim Spaziergang bei Sonnenuntergang am Strand, würden die ja meinen, es gibt eine Sonnenfinsternis, wenn du fette Wachtel mit mir entlangläufst. Oder die von der NASA oder Esta hätten gemeint, sie hätten einen neuen Planeten entdeckt und dabei wär’s nur dein Hintern. An der Hand hätte ich dich nicht gehalten. Das wäre mir ja peinlich. Ich meine, so einer wie ich kann jede haben. Nur gut, dass du abgenommen hast. Ich hatte mir schon überlegt, wie ich dich abservieren könnte, ohne deine Gefühle zu verletzen. Ich bin ja kein Unmensch, aber was soll ich machen. Ich weiß über meine Wirkung auf Frauen. Ich bin unwiderstehlich und kann es mir erlauben wählerisch zu sein.” Er rülpste. ”Hast du schon mal von Vaginalverjüngung gehört?” fuhr er fort. ”Wenn du mehr als drei Sexualpartner hattest, wird das nötig sein, denke ich,” sagte er. ”Nur zwei,” sagte Käthe erleichtert. ”Gut, ich kann es mir ja mal anschauen,” meinte Detlef. Käthe nickte. ”Du,” sagte er. ”Jetzt will ich aber ein Dessert. Nachdem ich schon die Torte im Traum vernascht habe.” Er lachte. Er klang wie ein Walross mit Asthma. Er spuckte ein paar Essensreste auf Käthe, die ihm zwischen den Zähnen steckengelieben waren. Seine Zähne waren in BVB-Farben gehalten, dabei war er VfB-Stuttgart-Fan.

Käthe überkam ein Anfall von Eifersucht. Sie schrieb ihrer Diät-Whatsapp-Gruppe. ”Das war doch nur ein Traum,” schrieb Christiane. ”Sei froh, dass du einen Mann hast. Ist doch egal, was der träumt,” schrieb Gamse. ”Willst du dir so einen Traummann entgegen lassen? Du eifersüchtige Furie,” schrieb Ralph mit Ph und nicht mit F. Nein, sie war schon zu verliebt. ”Was möchtest du denn zum Nachtisch, Schatz?” flötete sie. Detlef grunzte wie ein Schwein. Das ließ sein Nasenhaar vibrieren. ”Herr Ober,” rief er und winkte den Kellner heran. ”Bringen Sie mir alle Ihre Desserts und das ein bisschen plötzlich. Ich brauche was zu mampfen.” ”Sehr wohl,” sagte der Kellner. Kurze Zeit später kam er mit unzähligen Desserts zurück. Käthe wusste teilweise gar nicht, was der Kellner da an ihren Tisch brachte. Das hatte sie noch nie zuvor gesehen. Sie ging ja nie in feine Restaurants. Strenggenommen ging sie nie in irgendwelche Restaurants und jetzt, wo sie nichts mehr aß, schon gar nicht.

Detlef begann zu esssen. Er langte ordentlich zu. Er schmatzte fürchterlich laut und ein paar Leute vom Nachbartisch räusperten sich mehrmals. Damit wollten sie zum Ausdruck bringen, dass sie entrüstet waren und sich gestört fühlten. ”Das ist unerhört,” sagte eine vornehm gekleidete Dame, die ein Chanel Twin-Set und teuren Schmuck trug. Ihre Begleitung nickte. Käthe schrieb ihrer Whatsapp-Gruppe: ”Leute im Restaurant meinen, ich sei nicht gut genug für Detlef” gefolgt von 15 Wein-Emojis.” ”Du musst eben noch mehr abnehmen,” schrieb Lina und Käthe nahm sich fest vor noch schlanker zu werden. Sie müsste mindestens fünf Stunden Sport am Tag machen. Dann würde das schon klappen. Ab sofort würde sie die Karotte, die sie am Tag aß, streichen oder Moment, vielleicht doch besser die Gurke? Was hat weniger Kalorien? Sie wollte googlen oder ihre Whatsapp-Gruppe fragen oder nein, Detlef – der wusste doch so viel. ”Du, Schatz,” sagte sie. ”Schatz.” Aber Detlef reagierte nicht. Er lag mit dem Gesicht im Kuchenteller. ”Schläfst du wieder, Schatz?” fragte sie. ”Schahatz?” Aber Detlef machte keine Regung.

Und das nie wieder. Man stellte bei ihm eine Herzverfettung fest und deshalb hatte er das Zeitliche gesegnet.

Käthe war untröstlich. Wo sollte sie nur wieder so einen tollen Mann herbekommen? Nicht mal ihre Whatsapp-Gruppe wusste Rat.