Party People

Hamburg

Ich könnte ja mal nach Hamburg ziehen. Berlin-weggezogen. Dann kann ich mich in Hafenkneipen mit Matrosen betrinken und bei Inas Nacht im Publikum sitzen und mich auch mal schön durchregnen lassen bei ”Schietwetter”.

”Party People nicht erwünscht” steht bei einem Wohnungsinserat und der Inserent schreibt, dass er gerne mal einen Tee abends mit dem WG-Mitbewohner oder der WG-Mitbewohnerin in der Küche trinkt, aber es eher eine Zweck-WG ist und dass seine Freundin, die in einer anderen Stadt studiert, am Wochenende zu ihm kommt und dann eben das ”Party people nicht erwünscht” am Ende der Anzeige und ich denke, dass ich dem Inserenten schreiben sollte, dass das natürlich nicht auf mich zutrifft und ich eher ein ruhiger und friedlicher Mensch bin, der einer geregelten Arbeit nachgeht, gerne im Park joggt, Heidegger und Kriminalromane und auch mal voll ”wilde” und ”verwegene” Popliteratur von Kids aus gutem Hause, die nach Berlin gezogen sind, liest, Fencheltee und Bio-Holunder-Limonade trinkt und manchmal etwas im Baumarkt kauft und ich bin gar nicht arbeitslos und ich bin halt ein ganz normaler Typ und meine Sockenpaare passen und ich trage gerne Khaki-Hosen und Funktionssandelen in gedeckten Farben und Rucksäcke und mache mir jeden Morgen Brote, die ich unterwegs esse und ich hänge nicht immer nur trüben Gedanken nach und so und ich bin ganz ruhig und mag keine Party und ich gönne mir halt mal ein Feierabend-Bier, aber mehr auch nicht und ich ziehe dann in die Wohnung in Hamburg ein und ich habe so zwei Boxen und da dröhnt der Techno raus tagein, tagaus, mit ganz viel Bass, und ich habe auch Turntables und da lege ich immer auf. Natürlich Techno. Ich liebe Techno. Ich bin ein Techno-Jünger. Techno Forever. Ich habe ein Techno-Tattoo auf der Brust. Ich bin Techno.

Ich habe auch noch ein Schlagzeug, das in meinem Zimmer steht und ich liebe es und ich lasse da immer meine Aggressionen raus und ich habe viele, das könnt ihr mir glauben, und ich möchte noch mehr Instrumente erlernen. Ich baue momentan an einer Musikmaschine, mit der ich dann mehrere meiner Instrumente zeitgleich, schlecht, spielen kann. Was ist schon schlecht. Das ist doch relativ. Den Mitbewohner stört’s und besonders nachts, aber mich entspannt’s und das ist enorm wichtig in dieser stressigen Zeit.

Ich tanze auch immer und schreie dabei ganz laut ”Party.” und ”Wo geht die Party ab? Hier geht die Party ab.” und ”Wo seid ihr Party People.” und ”Best party in town.” und ”Mehr Party geht nicht.” und ich reiße beim Tanzen immer die Fäuste ganz nach oben und auf einem alten Fernseher kommt 24 Hours Party People ohne Ton und ich habe noch einen weiteren und da kommt nur ein Testbild; auf meinem Computer gibt es psychedelische Bewegeltbilder und auf meinen Laptop läuft immer nur eine Dokumentation über Kaninchenzucht und ich habe noch ein Tablet und da schaue ich Pornos aus den 70ern, wo alle behaart sind und die Darstellerinnen grell geschminkt und die Haare sind toupiert, aber nur die Kopfhaare und die sind so 70s eben und das ist gut und bunt und ich stelle selbst LSD her ”nur so” für mich, weil mich die chilligen Pornos dazu inspirieren, ihr versteht, man gönnt sich ja sonst nichts; und ich rede immer über die Love Parade in Berlin und trauere der Zeit nach und in meinem Zimmer gibt es Lavalampen und Neonlichter und wenn ich rausgehe, höre ich natürlich Musik mit Kopfhörern und wie immer Techno und ich schreie im Hinausgehen, weil ich ja Musik höre und da schreit man ja manchmal und da schreie ich: ”Was geht ab, Party People. Ich gehe mal Es und Speed kaufen. Dann geht es weiter mit der Party. Macht ihr weiter Party ohne mich, bis ich wieder da bin. Party on, ihr party people.” und meine den Mitbewohner und seine Freunde, die in der WG-Küche am Ikea-Tisch sitzen und bei Selbstgekochtem mit ganz viel Gemüse, das sie zusammen ”geschnippelt” haben, ”klönen” und ein Glas Wein trinken und über ihre Studien und Reisen reden und so eine eingebildete, dünne Blonde ist an der supertollen Springer-Akademie angenohmen worden und zieht bald nach Berlin und ihre Eltern bezahlen ihr natürlich die Gentrifizierungs-Wohnung und dieser Erfolg muss natürlich gefeiert werden und später holt noch jemand eine Gitarre und spielt etwas von Bright Eyes und wer den Text kann, singt mit und da sitzen die dann in ihrer germanischen Zufriedenheit und reden über ihre letzten Posts bei Instagram und wo es gute Burger gibt und über Mode und Jan Böhmermann und sie denken, dass ich fürchterlich komisch bin und der Mitbewohner tut ihnen wahnsinnig leid, dass er sich so eine unerbittliche Partygranate ins Haus geholt hat und sie tuscheln über mich und der Mitbewohner flüstert in die Runde, dass einer meiner Freunde grüngefärbte Dreads hat und die Springertussi sagt: ”Dreadlocks? Ih, wie eklig. So Menschen stinken doch. Wie kann man sich nur so gehen lassen?” und ich bemerke das gar nicht, weil ich so in meiner Party-Welt bin. Wenn ich wiederkomme, höre ich ”I wanna be a hippie” von Technohead in Endlosschleife.

Wenn ich mir mal in der Küche etwas zu essen koche, irgendein Fertiggericht mit extra viel Glutamat, trage ich ein Sven-Väth-T-Shirt und sonst nichts, lass mal untenrum auslüften wa und höre Musik mit Kopfhörern und tanze wie ein Schranzer und schreie ganz laut ”Party.” und ”Gude Laune.”, aber ich habe ja nicht so viel Hunger wegen der ganzen Drogen. Gute Laune habe ich auch nicht meistens nicht. Auch wegen der vielen Drogen.

Tagsüber sitzt immer so ein US-Amerikaner bei mir, der Steve heißt und Kette raucht. Er ist ein bisschen pummelig, trägt eine altmodische Brille, einen Schnäuzer und hat ungekämmtes, braunes Haar und er ist nicht so ganz da, ein bisschen weggetreten, der Gute. Ich habe ihn am Bahnhof kennengelernt, als ich da zu dem Rhythmus der ein- und abfahrenden U-Bahnen tanzte. Steve dachte, dass sei irgendwie cool und er sagte ”Yeah.” und nickte anerkennend.  Wir sind so ziemlich beste Freunde seit dem, wisst ihr. Steve trägt immer Jeans und eine Jeans-Jacke und ein weißes, fleckiges T-Shirt und Cowboyboots. Er sieht leider ein bisschen so aus wie der Mörder von John Lennon. Steve sagt immer nur ”Yeah.” und lacht. Ich sage ”Steve, guck mal, ich habe ein neues Party-Outfit.” und ich zeige ihm mein Regenbogen-Shirt und meine Gabba-Hose und meine Plateuschuhe und meinen Schlapphut und meine lange Glitzerkette und er nur so ”Yeah.” Ich sage: ”Schönes Wetter heute. Wollen wir in den Park?” und er nur so ”Yeah.” Wir gehen dann aber nie in den Park und sitzen nur in meinem Zimmer rum und rauchen Gras und Steve sagt nur yeah.

Wir freunden uns mit ein paar Gras-Dealern an und die hängen dann auch bei mir im Zimmer rum. Die sitzen da immer nur ganz gemütlich und kiffen und ich tanze und schreie ”Party”. Es kommt auch jeden Tag ein schizophrenes Mädchen vorbei, das über Philosophie und Hedonismus reden möchte und auch mal über Aliens und wer sie verfolgt und Stimmen und so und ihre schizophrenen Freunde kommen auch gleich mit und erzählen über Zeitreisen. Ich fange Menschen vor Clubs ab und frage, ob sie zur besten Party Deutschlands mitkommen wollen und dann haben wir das kleine Zimmer voll mit italienischen Touristen, die eigentlich in einen Club wie das Berghain wollten, aber die dann selbstverständlich zur besten Party Deutschlands zu Steve und mir kommen. Vor den Gefägnissen gehen wir zu den Häftlingen, die entlassen werden und vor dem Gefängnistor mit ihren Habseligkeiten stehen, aber nur zu den Ex-Häftlingen, die gegen das BTM verstoßen haben und die dürfen kommen und die haben noch ein bisschen Hoffnung auf La Dolce Vita, ihr vertsteht, und Polizisten werden auch eingeladen, damit die Gäste denken, dass das Stripper sind und das wird so gemütlich und knorke, aber dann sind das so viele in meinem Zimmer und jemand spielt Psytrance und ich hasse Psytrance und Goa-Leute bah, weil die wie nette Hippies aussehen, aber irgendwie unfreundlich sind und ich möchte ihnen die blöden Goa-Hosen runterreißen und sie verjagen und ich werde voll depressiv und schreie, dass die Party People nach Hause gehen sollen und ich weine und singe ”It’s my party and I cry if I want to.” Dann fange ich mich wieder und schreie ”Kurze Stimmungsschwangung. Kurzer Anfall von Hysterie. Die Party geht weiter, Leute. Party on, party people.” und ich schreie: ”Ich hab’s. Wir machen eine Schaumparty.” und das Zimmer füllt sich mit Schaum und die Party-Meute feiert und tanzt ausgelassen und dann ist da der viele Schaum überall im Zimmer verteilt auf 15qm2 und das ist so schön. Ich fühle mich wie auf Wolken oder wie ein Schaf in einer Schafherde und das ist so toll und das ist Party. Party für Schaumschläger, Schaumküsser, Schäumer statt Träumer, Schaumannkai, Schaumstoff, Schaumkrone, Schaum­ge­bo­re­ne. Oh, ja.

Ich werde von dem Nicht-Party-Mitbewohner nach zwei Tagen rausgeschmissen. Fristlos gekündigt. Das mit der Schaumparty kam eher nicht so gut bei ihm an. Es war, wie er sagt, das, was das Fass hat überlaufen lassen und ich frage, ob er damit sagen will, dass er ein Fass Bier hat und ob ich etwas von dem Bier abbekommen könnte, nur so einen Liter und ich schwärme von Bier und informierte ihn darüber, dass Bier für mich wie Tee mit Alkohol-Komponente ist und sich der Konsum von Bier durchaus positiv auf mein Gemüt, aber nicht auf meinen Bauchumpfang, auswirkt, und er wird nur sauer und faselt irgendetwas von einem Anwalt oder so und ich frage, ob einer seiner coolen Freunde (”cool” hehe) Jura studiert und ich sage: ”So sehen die auch aus haha. Wenn sich Klischees bestätigen, Digga.” und krieg mich gar nicht mehr ein vor Lachen und muss mir den Bauch halten und lasse mich auf den Boden fallen und rolle da hin und her. Der Witz kommt aber nicht so gut bei dem Mitbewohner an, so gut war der vielleicht auch nicht, und alles andere, meine Party-Einstellung betreffend, auch nicht und seine komischen, schnarchigen Spießerfreunde sagten, ich mache ihnen irgendwie Angst.

Was soll ich sagen. Man muss schon für Party gemacht worden sein. Du kannst Party nicht wählen, Party wählt dich. Mache ich eben meine eigene hippe,  illegale Underground-Open-Air-Party. Ihr seid alle eingeladen. Liebe Liebe.

 

Ich mach Money

Ich bekomme mal ausnahmsweise mal etwas aus den deutschen Medien mit. Ich meide diese ja meist. Erst heute erschrak ich ein bisschen beim Lesen der Online-Ausgabe einer ausländischen Zeitung. Was ist das für ein dummer Artikel, dachte ich. Wer schreibt so etwas? Dann lass ich den Namen des Journalisten, der mir leider aus deutschen Medien bekannt ist und ich dachte mir, dass ich diese Zeitung wahrscheinlich nicht mehr lesen kann ohne IQ-Punkte in Mitleidenschaft zu ziehen. Es gibt ja auch gute Journalisten und JournalistInnen in Deutschland. Es gibt nur nicht so viele. Zumindest kommt es mir immer so vor, da es ja ständig irgendwo einen “Shitstorm” und dumme Artikel gibt. Beliebtes Thema hierfür von den Idioten und Idiotinnen: “Der” Feminismus.

Was ich aber jetzt gelesen habe, hat mal nichts mit “dem Feminismus” zu tun oder doch und zwar hat die Sängerin und Rapperin Shirin David momentan “Beef” mit dem Rapper Shindy, weil sie ein “Feature” mit ihm gemacht hat und nicht zufrieden war und doch nicht mit Shindy zusammen arbeiten wollte. Shindy hat den “Track” dennoch veröffentlicht und Shirin hat sich dazu öffentlich geäußert und gesagt, dass sie dies für respektlos hält, was widerum Shindys Teenie-Armee dazu veranlasst hat, Shirin zu beleidigen und bedrohen. (Bunte, Gala, Call me. Ich fange gerne bei euch an, aber ihr müsst schon genug Geld herüberwachsen lassen für ein Talent wie mich).

Ich habe mir beide Lieder angehört und die Videos angesehen.
Shirin wird vorgeworfen, dass es bei ihr nur ums Geld und Aussehen geht und sie eine Möchtegern-Nicki Minaj ist und dann selbstverständlich “Slut-Shamimg” und Frauenhass.
Shirins “Ice” zeigt sie leicht bekleidet und sie rappt über ihren Reichtum. Das dominierende Thema im Rap. “Einfallsreich”. Ja, aber der Beat und Text sind gut und Shirins Stimme ist auch gut.

 

Shindys Video. Es geht schnell mit dem Fremdschämen los. Ich merke es. Es ist so unangenehm. Fremdschämen für Shindy und seine Fans. Das kann man doch nicht ernst meinen. Das ist so peinlich. Nummernschild auf dem “Daddy” draufsteht. Dann diese zwei Ischen, die natürlich auf den “heißen” Shindy stehen, der aussieht als würde eine gesamte Floh- Kollonie in seinem verfilzten Bart wohnen und er trägt einen Mantel, der aussieht wie ein Bademantel, den er aus irgendeinem Drei-Sterne-Hotel gestohlen hat, über das er wahrscheinlich bei Instagram behauptet hat, dass es ein 7-Sterne-Hotel ist. Und der Text ist so langweilig und ich muss das Ganze abbrechen, sonst brauche ich einen Platz zur Traumatherapie, weil das Video so peinlich ist. Der Typ ist peinlich. Alles ist peinlich. Ich breche ab und gucke mir seine Wikipedia-Seite an. Michael Schindler heißt er. Wie Michael Wendler. Das ist so witzig. Aus Baden-Württemberg. Was soll dieser peinliche Fake-Street-Soziolekt? Muss Shindy nicht die Kehrwoche einhalten? Was hat er bitte über Bitches und Money zu rappen? Mach mir Spätzle, Shindy-bitch. Michael Schindler ist beinahe so gut als Street-Name wie Felix Blume, aber nur beinahe. Warum hat er sich nicht Schindluder genannt? Oder Schwaben-Schindle.
Und die Kritik an Shirin, dass sie US-Rapperinnen kopiert? Wer kopiert denn nicht in Deutschland? Selbst Schindluder. Es kommt in dem kurzen Ausschnitts, den ich von seinem Video ausgehalten habe, Musik von “DMX” vor und er sagt, dass er wie er sei (nein, bist du nicht, Schindele. Bau mir ein Häusle, bitch).

“Kritik” an Shirin ist nur mal wieder Sexismus. Das kennt man ja. Deutschsprachige, männliche Rapper haben frauenfeindliche, antisemitische Texte und einige sind IS-Sympathisanten? Egal. “Shirin hat aber”. Ihr dummen Idioten solltet alle mal die Klappe halten.

 

 

Ich sollte vielleicht ein Cover zu Shirins Song aufnehmen.

Ich nenne es “718 Euro”

Das ist die Armutsgrenze in Deutschland, falls ihr das nicht wusstet.

 

Ich kaufe samstags ein vor Ladenschluss,
fahre schwarz in Bahn und Bus
Öffne mein Portemonnaie
leer wie die Wohnung von Marie Kondo
leer ist auch mein Konto
Ich bin die Königin der Hood, die jeder kennt
Finde auf der Straße einen Cent
Bitch, ich bin rich
718 Euro. 718 Euro. 718 Euro. Bitch, ich habe kein Money

Vielleicht sollte ich Bilder von meinem Füßen an Fußfetischisten oder getragene Höschen verkaufen,
dann muss ich auch nicht mehr so viel saufen
Der Drogenabhängige schläft an der Ecke, ich setzte mich dazu und ein Dealer fragt, ob ich für ihn Drogen gegen Geld strecke. Ich lehne ab und das dankend, gehe nach Hause und das schwankend, 718 Euro. 718 Euro. 718 Euro. Bitch, ich habe kein Money

Finde auf der Straße eine leere Packung Diazepam
Da war wohl jemand nicht so sparsam
Habe keine Kreditkarte, wozu auch,
Es knurrt mir der Bauch
Es fällt mir leicht Minimalist ohne Möbel zu sein
habe noch einen 5-Euro-Schein
Werfe Fünfis im Club,
ah, ich komme ja ohne Geld gar nicht hinein
So ist das mit dem Armsein
718 Euro. 718 Euro. 718 Euro. Bitch, ich habe kein Money

Äußerstes Wohlbefinden

Sie hatte ein Frédéric Beigbeder-Zitat als Wandtattoo. ”Ich möchte Teil einer Teilchenbewegung sein,” sagte sie und nahm einen Zug von ihrem Joint. Ich wusste nicht so genau, wie sie das meinte oder warum sie das sagte, aber ich hatte schon viele Bücher gelesen, die ich nicht verstand und war geübt im nicht Verstehen.

”Es ist wie es ist,” sagte sie.

Ich fragte, ob ich auch mal an dem Joint ziehen könnte.

”Sei nicht so gierig,” sagte sie und zog noch zwei Mal daran.

”Ja,” sagte ich. ”Gier ist, was man vermeiden sollte. Das sagt auch der Buddhismus.”

”Glaubst du an so etwas?” sagte sie und wurde wütend. Sie randalierte in der Wohnung.

”Vielleicht solltest du auch mal etwas darüber lesen,” sagte ich.

”Ich schreibe an meinem neuen Berlin-Roman Friedrichshain Blues,” sagte sie.

Es war ein ganz normaler Abend. Draußen explodierte irgendetwas und man hörte ein paar Sirenen. Sie machte Lana del Rey an und begann zu tanzen. Die Welt ging ein bissschen zu Grunde, die Apokalype stand bevor, aber Alice tanzte zu Lana del Rey, die sang ”When the world was at war we kept dancing”. Ich wollte lieber ”The World Was a Mess But His Hair Was Perfect” hören.

”Was wird jetzt?” fragte ich.

”Keine Angst, ich bin bei Scientology,” sagte sie. ”Das Raumschiff kommt gleich.”

Sie flog in die Galaxie, aber für die anderen und mich war leider kein Platz.

Echo Verleihung, Kollegah und Farid Bang

Man echauffiert sich in Deutschland gerne über Trump, Orban, die politischen Verhältnisse in Polen und dergleichen und das zu Recht, aber man kehrt doch eher selten vor der eigenen Tür im so unfehlbaren Deutschland. Wenn man in den Feuilletons liest, was da für unterbelichtete Menschen, weiblich, männlich, ”Meinungen” zum ”Besten” geben und wem man in Deutschland Preise verleiht, da denkt man an Deutschland in der Nacht. Preise in Deutschland gehen an Typen wie Kollegah und Farid Bang. Ist das gut?

Es ist ja nicht so, dass die beiden – wie so viele andere der bekannten deutschen ”Rapper” – nicht schon vorher mit frauenfeindlichen Texten aufgefallen wären, was aber unter ”künstlerische Freiheit” fällt und ”das ist eben so beim Rap”.

Man müsse sich einmal vorstellen es gäbe einen weiblichen Rapper, der solche Texte darbieten würde. ”Männnerfeindliche” Texte. Das Geschrei – man würde es von Norden bis Süden, Mitte, Osten, Westen, bis in die entferntesten Ecken und kleinsten Winkeln, Großstädte, Kleinstädte, Dörfer, Waldschrat-Hütten hören. Die armen Männer! ”Männerrechtler” würden gleichzeitig weinen und sich bepinkeln und das würde nur mehr Arbeit für die Frau bedeuten, die ihre Wäsche macht. Der Sexismus, der unsägliche Männerhass! Dafür gäbe es sicherlich keine Preise. Es gäbe nur Vergewaltigungsdrohungen, Beleidigungen und Hass, denn die Weibsbilder brauchen keine ”künstlerische Freiheit”. Die sollen lieber halbnackt auf der Motorhaube posieren und sich für Blowjobs hergeben, denn dafür sind sie bekanntermaßen gut. Die ”billigen Bitches” für Sex und die braven können ein paar Kinder herausdrücken und kochen. Leider aber fordern die wenigen weiblichen Rapperinnen nicht ihre künstlerische Freiheit ein und schießen doch eher gegen andere Frauen in ihren Texten und kein Mann muss zur Toxic Masculinity-Entgiftungs-Kur nach Bayern fahren.

Jetzt sind Kollegah und Farid Bang nicht nur für ihre frauenfeindlichen Texte bekannt. Das sind abwechslungsreiche Künstler. Als wäre die Frauenfeindlichkeit nicht genug, aber das wird gerne toleriert. Die Frauen sollen sich mal nicht so anstellen. Das ist doch nicht so gemeint. Das ist nur ein Witz. Das ist Kunst! Man muss auch mal über sich selbst lachen können! Ihr seid braucht mal wieder Sex! Sonst hättet ihr ein bisschen Humor! Haha! Nein, Kollegah und Farid Bang sind zusätzlich auch noch homophob, aber die schwulen Männer sind ja ein bisschen wie Frauen. Sie haben zu viele Emotionen. Streng genommen sind ja schwule Männer keine richtigen Männer und Halb-Frauen (oder umgekehrt) und deshalb fällt die Beleidigung dieser ebenfalls unter die künstlerische Freiheit der großen deutschen Rapper, die so schreiben, als würden sie mit einem Reimebuch auf dem Schoß ihre Textchen zusammenstellen. Die Frauen und homosexuellen Männer sind ja nicht in etwa so von Sexismus und Gewalt bedroht wie der arme heterosexuelle Mann, der seit Neuestem wegen des internationalem Feministinnentums unter Generalverdacht steht! Da kann man sich in der U-Bahn gar nicht mehr entblößen oder am Arbeitsplatz beherzt der Arbeitskollegin an Brust oder Po fassen, ohne dass ein verrückter Feminazi #metoo schreit! Aber Kunstfreiheit geht über den Homo-Mann wie auch über die Frau. Schützenswert ist das Recht des heterosexuellen Mannes auf künstlerische Freiheit.

Wenn jetzt aber dieser heterosexuelle, männliche, große, talentierte, unverzichtbare Künstler auch noch so ein bisschen antisemitisch ist, ja, da weiß man nicht weiter. Es ist vielleicht ein bisschen gemein, aber es ist doch Kunst!

Wenn man aber mal ein bisschen nachdenkt – insofern man nicht zu verblödet dafür ist – fällt einem auf, dass der deutsche Rap meistens nichts weiter als eine schlechte Kopie des US-amerikanischen ist und manchmal – wenn man ein bisschen talentierter und kreativer ist – des franzöischen. Es ist meist unoriginell, peinlich und geschmacklos. Die Texte sind so schlecht, dass man meinen könnte, jemand aus dem deutschen Feuilleton oder Literaturbetrieb hätte sich als Ghostwriter betätigt, nachdem er (oder sie!) zu viele Hollywood-”Gangsta”-Filme gesehen hat und da kommt dann so etwas, das sich deutscher Rap nennt und es ist einfach nur p to the einlich. Warum? Weil da dumme Menschen schreiben. Menschen ohne Stil und Moral. Und es passt so gut ins Zeitgeschehen und zu Deutschland und es ist witzig und traurig zugleich.

Ich würde gerne mal mit den Dümmlingen, die Campino kritisieren und als ”Moralapostel” beschimpfen an einem psychologischen Experiment teilnehmen. Es ginge bei diesem Experiment zum Beispiel um menschliche Gier. Man sitzt Personen gegenüber. Vor einem ein Hebel. Wenn man denkt, dass jemand zu viel isst, muss man der Person einen elektrischen Schlag verpassen. Das würde dann etwas über mich als Mensch sagen. Ob ich nett oder gemein bin und es ginge gar nicht um Gier. Ich würde allen Campino-Kritikern gewaltige Stromschläge verpassen und der Leiter oder die Leiterin des Experiments wäre verwirrt und würde sagen: ”Aber er hat doch nur ein trockenes Stück Brot gegessen!” und ich würde laut lachen. In etwa so: ”HAHAHA.” Vielleicht sollte ich mit meinen Gewaltfantasien eine Karriere als Rapper in Betracht ziehen. Nur mit dem Frauenhass, der Homophobie und dem Antisemitismus habe ich es noch nicht so.

Zeigt man mit dem Finger auf andere, zeigen immer vier andere auf einen selbst, Deutschland.

Jugend-Idole

Er sagte, dass er damals mit dem Sänger der Band in der Toilette des Ratinger Hofs in Düsseldorf Sex gehabt hätte. Damals in den 80ern. Und dass der Sänger einen krummen Penis hatte.

Mein Jugend-Idol, der Sänger, ist nach Spanien gezogen, hat er in einem Interview gesagt und dass er nicht mehr bisexuell und nur noch heterosexuell ist, weil das mit den Männern so ein bisschen langweilig ist. Es ginge nur um Sex. Über seinen Penis hat er in dem Interview nichts gesagt. Ich weiß nicht, ob er immer noch krumm ist. Vielleicht gibt es für krumme Penisse so etwas wie eine Penis-Zahnspange. Ich möchte hier aber kein krummer-Penis-”Shaming”. Kein Leser mit krummen Penis soll das hier lesen und sich schlecht fühlen und weinen bis salzige Tränen auf euren krummen Penis niederprasseln und dann ist er zwar immer noch krumm, aber nass und es brennt vielleicht ein bisschen. Ein krummer Penis ist genauso schön oder hässlich wie jeder andere Penis auch. Ich sollte vielleicht auf mein Idol hören. Männer aufgeben klingt äußerst vernünftigt. Vielleicht wird jeder mal erwachsen. Vielleicht sollte ich das auch machen. Nur ich weiß nicht, ob ich nach Spanien ziehen möchte. Die Regierung scheint so ein bisschen faschistisch zu sein. Spanisch lernen müsste ich aber nicht. Ich kann alles, was man wissen muss, auf Spanisch sagen. Donde comprar marihuana, caliente, soy una chica loca, adiccion a la heroina arruino su matrimonio. Mehr braucht man nicht, denke ich. Ah, Penis heißt ”pene” auf Spanisch. Das fällt mir ein, weil ich einen kolumbianischen Bekannten, der Felipe heißt, immer Felipene nenne. Ich bin ziemlich gut im Spitzamengeben. Wenn ihr auch möchtet, dass ich euch einen so guten gebe, dann mache ich das gerne, nachdem ich ungefähr 500 Euro von euch erhalten habe. Man sollte sich nicht unter Wert verkaufen.

Alle reden nur über sich

s

Alle reden nur über sich, ich, ich. Alle warten nur darauf, bis sie wieder dran sind mit dem Reden. Eigentlich kann ich nicht alle sagen. Ich kenne sie ja nicht alle. Ich will sie auch nicht kennen. Es hängt wohl auch damit zusammen mit wem man Zeit verbringt, mit wem man im Winter im Park spazieren geht und die Hand hält oder für wen man Playlisten macht oder mit wem man in Bars Whisky und Absinth trinkt und Pläne macht, wo man mal hinfahren könnte und darüber redet, was jetzt der und die macht, die und der und wo der oder die im Urlaub war oder ein Auslandssemsester gemacht und jetzt nach dem Studium hingezogen ist und wie schlecht die Partys sind und wie gut und in welchen Club man nicht mehr gehen kann und wo man vielleicht mal hingehen sollte und was man Leckeres gekocht hat oder wo man gut essen kann und welche neue Band gut ist und welche nicht und warum die neuen deutsche Literatur so schlecht ist und wer jetzt in der Heroin-Entgiftung ist und wer in der Psychiatrie und welche Bio-Limonade die beste ist. Das alles hängt auch immer von einzelnen ab und nicht so sehr von allen. So ist das