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Ein Traum von einem Mann

Er war so ein Typ, der Harald-Martenstein-Kolumnen las, und teure Funktionskleidung  in Kotfarben trug, die praktisch war, aber grässlich aussah. Manchmal auch T-Shirts und Dreiviertelhosen oder eine ”einfache Jeans” wie er das nannte. Er machte sich nichts aus Mode, er war Denker. Sein blondes, kurzes Haar glänzte fettig. Man hätte darauf Gammelfleisch braten können. Seinen Kommerz-Film- und Musikgeschmack befand er für gut. Sein Geschmack war erlesen. Deutscher Rap und Trap zum Beispiel, der US-Rapper kopierte. Er dachte, dass der Feminismus zu weit ging. Sein Lieblingsgericht war der billige Döner an der Ecke. Er kochte aber auch gerne mal ein nahrhaftes Gericht. Zu seinen Vorlieben gehörte deutsche Hausmannskost oder ein schmackhaftes Fertiggericht. Hauptsache viel Fleisch. Das durfte aber nicht zu teuer sein. Tiere sind Nahrung. Er betonte gerne, dass er politisch links war, aber dachte, dass die Armen sich schon mal ein bisschen zusammenreißen könnten. Irgendwie waren die auch dumm und selbst schuld. Das hatte er in einem Die Welt-Artikel gelesen und sofort zugestimmt, dabei war er keinesfalls jemand, der einfach so anderen zustimmte. Er war kein Mitläufer. Er hatte sich den schwäbischen Dialekt abtrainiert. Nur manchmal sickerte er noch durch. Wenn er mal zu viel Bier getrunken hatte zum Beispiel. Er schimpfte dann gerne auf andere. Irgendetwas stimmte nie mit ihnen. Zu dumm, zu idealistisch, zu verliebt. Meistens kann niemand etwas für seinen Mundgeruch. Es ist gemein, ihn, den Traum von einem Mann, deshalb nicht zu mögen. Es war nur nicht so schön, als er ungefragt seine nasskalte Zunge in meinen Mund steckte, nachdem er eine Packung Zigaretten geraucht und stundenlang über ”verträumte Linke” gelästert hatte, die die Welt verbessern wollten. Freiwilligen-Arbeit in Afrika oder Südamerika, Spenden, Bettlern Geld geben, Müll trennen, Tierschutz, Fair Trade. Er als einzig wahrer Linker hielt davon nichts. Er war ein Traum von einem Mann. Aus Versehen muss ich seine Nummer blockiert haben.

”Feministische” Mode

Aufdrücke wie ”Feminist”, ”Girls support girls” und ”This is what a feminist likes” zieren die T-Shirts und Tops in den Bekleidungsgeschäften westlicher Länder und viele Menschen fragen sich: Ist das feministisch? Ist das feministische Mode?

Zu Recht wird gesagt, dass die Kleidung in ärmeren Ländern wie Bangladesch von Mädchen und Frauen genäht wird, die für einen Hungerlohn arbeiten müssen.

Es war 2014 als Karl Lagerfeld bei der Präsentation der Chanel-Frühlingskollektion mit seinen Models eine feministische Demonstration inszenierte. Ist das Feminismus oder Marketing wurde gefragt. Vermutlich ging es Lagerfeld eher um Geld. Das Auffangen eines Trends. Femnistinnen galten nicht mehr als unmodische lila Latzhosen-Trägerinnen, nein – oftmals jung und aufgeschlossen, kaufkräftig, hip und ”empowered”. Daraus musste Kapital geschlagen werden.

Es geht um Geld in der Mode-Industrie. Die großen Modehäuser möchten verkaufen. Moderne Frauen posten auf sozialen Plattformen wie Instagram über Feminismus. Man ist nicht mehr wie früher die ”behaarte Männerhasserin”. Feminismus ist seit ein paar Jahren ”in”. Der Mainstream-Feminismus ist ein liberaler Feminismus. Die bestimmenden Themen sind sexuelle Freizügigkeit und Unterstützung von Porno-Industrie und Prostitution und ”Identity politics”. Der liberale Feminismus lässt sich gut verkaufen. Man kann ”gut aussehen” und Feministin sein.

Ist es daher gut, wenn meist junge Frauen diese ”feministischer” Mode kaufen?

Ja und nein.

Selbstverständlich ist es nicht gut, dass die so frauenfreundlich-scheinende Kleidung irgendwo in Asien von armen Mädchen und Frauen genäht und dann im Westen verkauft wird, aber zumindest beschäftigen sich die Feministinnen in der westlichen Welt mit Feminismus und stehen dazu, schämen sich nicht mehr, denn auch wenn Feminismus nicht mehr so einen schlechten Ruf  hat – denn den hat er immer noch bei unpolitischen oder konservativen und etwas weltfremden Menschen (wie etwa Jens Jessen) -, und die feministische Bewegung unterstützt wird von aufgeklärten, modernen Menschen, sind noch nicht alle Menschen über Missstände aufgeklärt. Diese sogenannte feministische Mode bietet Berührungsfläche mit dem was Feminismus sein könnte. Es ist oberflächlich, aber es ist eine erste Begegnung und ein Statement: ”Seht her, ich bin Feministin.”

Dass die Tops, Pullover und T-Shirts eben nicht Fair Trade sind- das muss kritisiert werden. Warum nicht jemand unterstützen, der eigene Mode, Mode mit feministischen Aufdrücken, verkauft oder warum nicht selbst machen?