Diät-Käthe

Käthe hatte sich angestrengt und ganze 28 Kilo abgenommen. Ihr war zwar öfter schwindelig und sie fiel manchmal um, aber was machte das schon, wenn sie jetzt Kleidergröße XXS tragen konnte? Strenggenommen passte ihr XXS gar nicht und sie musste die neue Kleidung, die sie gekauft hatte, zum Schneider bringen, damit die Hosen, T-Shirts und Röcke und sonstiges nicht an ihrem dünnen Körper herumschlackerten. “Kaufen Sie sich doch mal vernünftige Kleidung,“ hatte sie schon die Nachbarin aus dem dritten Stock gerügt. Die, die immer so neugierig war. Käthe wog so wenig – man hätte meinen können, dass sie ein Windstoß umnietet, aber Käthe mochte sich so. Das war ihr neues Ich. Sie liebte ihren neuen “Look“. Sie fühlte sich wohl. Sie aß eine Karotte am Tag, manchmal auch ein Stück Gurke und wenn sie ganz großen Hunger hatte, gab sie Zitronensaft in ihr Wasser. So kam sie auf ganze 50 Kalorien pro Tag. Der Briefträger hatte sie gar nicht mehr wiedererkannt wegen ihrer eingefallenen Wangenknochen.

Der schnieke Detlef war ganz begeistert, als er Käthe sah. Hatte er ihr doch gesagt, dass er nur auf schlanke Frauen steht, als sie sich bei Tinder kennenlernten. Detlef hatte gesagt, dass er eine Aversion gegen “fette Weiber“ hätte und sich “mit so einer“ nicht blicken lassen könnte und nebenbei bemerkt, dass Käthe “ja schon etwas fülliger“ sei. Als Käthe weinte, sagte er, dass er ja nur ehrlich sei und sie an ihrer Figur arbeiten sollte. “Laut BMI habe ich Normalgewicht,“ entgegnete Käthe. “Willst du mir gefallen oder diesem BMI?“ erwiderte Detlef und verzog das Gesicht. “Ist das ein Schatten oder ein Damenbart, du Fettklops?“ sagte er zu ihr sichtlich angewidert, als sie ihm einen Abschiedskuss geben wollte. Mit so einer könnte er nicht ankommen. Was würden die Jungs vom Stammtisch über ihn denken? Für Detlef war sein guter Ruf von großer Bedeutung. Das war schon immer so. Selbst als er mal ein ganz kleiner Detlef gewesen war. Detlef, oh Detlef, du Lebemann.

Käthe fragte: “Detlef, wann treffen wir uns wieder?“ Detlef seufzte laut und sah gar nicht von seinem Handy auf und swipte fleißig nach links und rechts. “Hm, die ist nicht schlecht,“ murmelte er. “Aber die ist mir zu alt. Die ist ja schon 37.“ Detlef war 39. “Detlef,“ schluchzte Käthe, aber er schlug ihr die Tür vor der Nase zu.

Nun war Detlef selbst kein Adonis. Gewiss, die Geheimratsecken und die Speckrollen am Bauch, die Schweißfüße und das Furunkel am After und seine schlecht durchbluteten, dicken, bleichen Beinchen machten ihn zu keiner Attraktion für die Damen- oder Homowelt, wenn er im Vorgarten seiner Mutter herumstolzierte und die Nachbarn lautstark auf ihr Fehlverhalten hinwies (wie den Polizisten Rainer, der im Haus schräg gegenüber wohnte und der immer drei Zentimer zu weit auf dem Bordstein mit seinem Privatauto parkte – Detlef hatte nachgemessen – oder die Friseurin Roswitha, die er beschuldigte ein illegales Bordell zu betreiben, weil sie manchmal Männerbesuch bekam), aber darauf kam es nicht an. Bei einem Mann kam es schließlich auf ganz andere Dinge an. Zum Beispiel darauf, dass Detlef so klug war. Er war so klug, dass andere Menschen gar nicht begriffen, dass er so klug war. Nur die Jungs von seinem Stammtisch begriffen das, aber die begriffen so einiges. Die durchschauten einfach alles und Detlef war ihr Anführer. Natürlich hatte man ihn nicht gewählt oder so etwas, aber er war so eine Art stiller Anführer. Das imponierte Käthe mächtig, dass ihr Detlef – nun, bald würde sie ihn den ihren nennen können, so dachte sie – so klug war und so viel wusste und so einen guten Ruf genoss und so viel begriff. Da hatte ihr das bisschen Hungern gar nichts ausgemacht. Erst hatte sie Almased gemacht und dann eine Fastenkur. So hatte sie in Null Komma Nichts abgespeckt und war jetzt rank und schlank. Detlef pfiff vor Begeisterung bei ihrem zweiten Date. “Käthe,“ sagte er. “Jetzt kannst du dich wahrlich blicken lassen. Du bist ja nur noch Haut und Knochen. Käthe, es ist um mich geschehen.“ Er fiel vor ihr auf die Knie, nahm ihre Hand – seine war schweißnass – und küsste sie. Käthe schmolz dahin. So einen Kavalier hatte sie noch nie kennengelernt. Wie konnte sie nicht verliebt sein? Selbst sein Beruf begeisterte sie. Steuerberater. Etwas Solides. Wie schneidig er aussah mit den Socken und den Sandalen und dem fettigen, schütteren Haar. Sie mochte den würzig-schweißigen Körpergeruch, der ihr in die Nase stieg – Detlef rauchte Kette, aß nur Fleisch und trank literweise Bier. Da können die Ausdünstungen schon mal etwas pikanter riechen. Käthe kam gar nicht mehr aus dem Schwärmen heraus. Das sollte ihr neuer Freund sein? Ihr neuer Freund? Der sah ja fast so gut aus wie Richard Gere in Pretty Woman. Träumte sie oder war ein Rosamunde-Pilcher-Film Realität geworden und sie spielte die Hauptrolle? Es konnte nicht wahr sein. Jemand müsse sie zwicken, dachte Käthe und verdrückte ein paar Freudentränchen. Sie war verliebt, so verliebt.

Detlef, der Genießer, führte sie zum Rendezvous in ein feines Restaurant. Er aß ein Drei-Gänge-Menü und Käthe aß nichts. Sie musste ja ihre Linie halten. Sie trank nur ein Glas Leitungswasser. Nach Zitrone war ihr heute nicht. Sie hatte – seit sie gar nichts mehr aß – Unmengen an Geld übrig und konnte Detlef zum Essen einladen. Sie war spendabel und konnte es auch sein, da ja keine Kosten mehr für Nahrungsmittel für sie selbst anfielen. Detlef griff zu und bestellte das komplette Menü, das er soeben gegessen hatte, gleich noch mal, so hungrig war er. Er rieb sich den Bauch, als er zu Ende gegessen hatte und ließ sich noch drei Schnaps vom Kellner bringen. “Zur Verdauung,“ sagte er und ließ einen fahren. “Blähungen,“ sagte er. Käthe nickte verständnisvoll. Es gefiel ihr, dass Detlef nicht so vornehm war. Ihr letzter Freund, Daniel, war so etepete gewesen und sie war so froh, dass Schluss war und sie sich neu verliebt hatte. Außerdem hatte sie mal gelesen, dass man die Winde nicht halten sollte, wenn sie doch herausmussten. Sie überlegte, konnte sich aber nicht mehr erinnern, wo sie das gelesen hatte. Der Gedanke, die Erinnerung daran, war wie vom Winde verweht. Sie sah Detlef an. Er war mit offenem Mund eingeschlafen und hatte sich ein bisschen vollgesabbert. Sie war entzückt. Seine schwabbelligen, roten Arme kamen mehr als gut zur Geltung, weil er ein sportlich-elegantes Unterhemd trug. Dazu eine modische Radlerhose. Sie nahm ihr Handy und machte ein Bild von ihm. “Ist er nicht hinreißend?“ schrieb sie ihrer Diät-Whatsapp-Gruppe “Magerwahnsinn“ und fügte 15 Herzchen-in-Augen-Emojis an. Sie bekam hunderte von Herzchen zurück. “Was für ein Bild von einem Mann,“ schrieb Susi. “Du Glückliche, ich bin neidisch,“ schrieb Julia. “Hat der einen Bruder, der Single ist?“ schrieb Almgart. Käthe seufzte. Sie verspürte ein Bauchkribbeln. Es war Liebe, das musste Liebe sein, dachte sie. Die Astrologin bei AstroTV, die sie angerufen hatte, hatte Recht gehabt. Bald würde sie ihren Herzensmann treffen, hatte sie gesagt und nun saß er vor ihr. Das war die 178,91 Euro wert, die sie für den Anruf bei der Hotline bezahlen musste. Sie war verliebt, so verliebt. So unendlich verliebt.

Detlef erwachte. “Hab kurz geschlafen,“ sagte er. “Ich habe von so einer geilen Ollen geträumt mit der ich es getrieben habe. Die war so dünn.“ Detlef machte es mit den Händen nach. “So dünn,“ sagte er. “Ihr Hüftumfang war so dünn, guck so. Die hatte aber Silikon-Dinger. So dünne Weiber haben ja oft nichts in der Bluse, wenn du verstehst, aber die hatte mindestens D oder E. Da konnte man ordentlich kneten. Wie Sauerteig oder so was. Die waren ungefähr so groß, so wie Melonen.“ Er leckte sich über die braunen, trockenen, fleischigen Wurst-Lippen. “Wann willst du dir Silikon reinmachen lassen?“ fragte er. “Ich sag’s dir gleich, ich bezahle dir das nicht, ich hasse das, wenn Weiber immer Geld von einem haben wollen. Das sollen die schön selbst bezahlen und du Käthe, hast es bitter nötig, muss ich dir sagen. Deine Euter sehen aus als hätte man da die Luft rausgelassen, jetzt, wo du abgenommen hast und du solltest so schnell wie möglich, ich sag mal, aufrüsten. Wenn du dir kein Silikon reinmachst, kann ich auch nicht treu sein. Eine Frau muss sich schon ein bisschen Mühe geben für einen Mann. Ich bin nur froh, dass du nicht mehr so fett bist. Wären wir in den Bergen zum Wandern gewesen, hätten die Leute ja gedacht, dass eine Lawine auf sie zurollt, wenn sie dich sehen und beim Spaziergang bei Sonnenuntergang am Strand, würden die ja meinen, es gibt eine Sonnenfinsternis, wenn du fette Wachtel mit mir entlangläufst. Oder die von der NASA oder Esta hätten gemeint, sie hätten einen neuen Planeten entdeckt und dabei wär’s nur dein Hintern. An der Hand hätte ich dich nicht gehalten. Das wäre mir ja peinlich. Ich meine, so einer wie ich kann jede haben. Nur gut, dass du abgenommen hast. Ich hatte mir schon überlegt, wie ich dich abservieren könnte, ohne deine Gefühle zu verletzen. Ich bin ja kein Unmensch, aber was soll ich machen. Ich weiß über meine Wirkung auf Frauen. Ich bin unwiderstehlich und kann es mir erlauben wählerisch zu sein.“ Er rülpste. “Hast du schon mal von Vaginalverjüngung gehört?“ fuhr er fort. “Wenn du mehr als drei Sexualpartner hattest, wird das nötig sein, denke ich,“ sagte er. “Nur zwei,“ sagte Käthe erleichtert. “Gut, ich kann es mir ja mal anschauen,“ meinte Detlef. Käthe nickte. “Du,“ sagte er. “Jetzt will ich aber ein Dessert. Nachdem ich schon die Torte im Traum vernascht habe.“ Er lachte. Er klang wie ein Walross mit Asthma. Er spuckte ein paar Essensreste auf Käthe, die ihm zwischen den Zähnen steckengelieben waren. Seine Zähne waren in BVB-Farben gehalten, dabei war er VfB-Stuttgart-Fan.

Käthe überkam ein Anfall von Eifersucht. Sie schrieb ihrer Diät-Whatsapp-Gruppe. “Das war doch nur ein Traum,“ schrieb Christiane. “Sei froh, dass du einen Mann hast. Ist doch egal, was der träumt,“ schrieb Gamse. “Willst du dir so einen Traummann entgegen lassen? Du eifersüchtige Furie,“ schrieb Ralph mit Ph und nicht mit F. Nein, sie war schon zu verliebt. “Was möchtest du denn zum Nachtisch, Schatz?“ flötete sie. Detlef grunzte wie ein Schwein. Das ließ sein Nasenhaar vibrieren. “Herr Ober,“ rief er und winkte den Kellner heran. “Bringen Sie mir alle Ihre Desserts und das ein bisschen plötzlich. Ich brauche was zu mampfen.“ “Sehr wohl,“ sagte der Kellner. Kurze Zeit später kam er mit unzähligen Desserts zurück. Käthe wusste teilweise gar nicht, was der Kellner da an ihren Tisch brachte. Das hatte sie noch nie zuvor gesehen. Sie ging ja nie in feine Restaurants. Strenggenommen ging sie nie in irgendwelche Restaurants und jetzt, wo sie nichts mehr aß, schon gar nicht.

Detlef begann zu esssen. Er langte ordentlich zu. Er schmatzte fürchterlich laut und ein paar Leute vom Nachbartisch räusperten sich mehrmals. Damit wollten sie zum Ausdruck bringen, dass sie entrüstet waren und sich gestört fühlten. “Das ist unerhört,“ sagte eine vornehm gekleidete Dame, die ein Chanel Twin-Set und teuren Schmuck trug. Ihre Begleitung nickte. Käthe schrieb ihrer Whatsapp-Gruppe: “Leute im Restaurant meinen, ich sei nicht gut genug für Detlef“ gefolgt von 15 Wein-Emojis.“ “Du musst eben noch mehr abnehmen,“ schrieb Lina und Käthe nahm sich fest vor noch schlanker zu werden. Sie müsste mindestens fünf Stunden Sport am Tag machen. Dann würde das schon klappen. Ab sofort würde sie die Karotte, die sie am Tag aß, streichen oder Moment, vielleicht doch besser die Gurke? Was hat weniger Kalorien? Sie wollte googlen oder ihre Whatsapp-Gruppe fragen oder nein, Detlef – der wusste doch so viel. “Du, Schatz,“ sagte sie. “Schatz.“ Aber Detlef reagierte nicht. Er lag mit dem Gesicht im Kuchenteller. “Schläfst du wieder, Schatz?“ fragte sie. “Schahatz?“ Aber Detlef machte keine Regung.

Und das nie wieder. Man stellte bei ihm eine Herzverfettung fest und deshalb hatte er das Zeitliche gesegnet.

Käthe war untröstlich. Wo sollte sie nur wieder so einen tollen Mann herbekommen? Nicht mal ihre Whatsapp-Gruppe wusste Rat.

Männerfreundschaft

“Ich würde das auch so machen, wie’s Felix gesagt hat,“ sagte Daniel. “Man muss es noch ausarbeiten, aber ich find’s gut.“

Er sah zu Felix herüber, der zufrieden nickte.

“Meinungen?“ sagte der Chef fragend in die Runde.

“Es ist gut, aber ich würde es ein bisschen anders machen,“ sagte Lisa. “Ich denke, dass der Kunde eher nach etwas anderem sucht. Ich habe ihn genau beobachtet und denke, dass Felix‘ Einfall gut ist, aber nicht ganz das, was der Kunde möchte.“

Felix fiel die Kinnlade herunter, Daniel riss die Augen und den Mund auf. Er sah aus wie ein Fisch an Land.

“Gut,“ sagte der Chef. “Morgen habe ich Ihre Version auf meinem Schreibtisch, Frau Schwedt. Schönen Tag noch.“
Er stand auf, nahm seine Akten vom Tisch und ging in sein Büro.

“Warum hast du das gemacht?“ sagte Felix, als der Chef außer Sicht- und Hörweite war.

“Was?“ fragte Lisa.

“Na, das.“

“Was?“

“Gesagt, dass du es anders machen möchtest?“

“Warum nicht? Warum darf ich nicht meine Meinung sagen?“ fragte sie nüchtern.

“Ich spüre hier zickige Schwingungen,“ sagte Felix.

Daniel lachte.

“Bitte? Eine Frau äußert eine Meinung und ist gleich eine Zicke?“

“Moment mal,“ sagte Felix. “Wer hat dich bitte zickig genannt?“

“Du übertreibst ja maßlos,“ sagte Daniel. “Das hat keiner gesagt. Hast du deine Tage oder was?“

Sie lachten.

“Ich bin mal gespannt, was du aus dem Projekt machst,“ sagte Daniel verächtlich.

“Komm, Felix, wir gehen lieber. Hier ist mir die Stimmung zu geladen.“

“Es kann ja nicht jeder mit dem Chef ficken,“ sagte Felix.

“Bitte?“ sagte Lisa entrüstet. “Was soll das jetzt hier?“

“Oh, da zickt sie wieder,“ sagte Daniel. Beide Männer lachten.

Lisa ging zu ihrem Schreibtisch und arbeitete ihre Version der Kampagne in einer halben Stunde aus und übergab sie dem Chef.

“So schnell, Frau Schwedt?“ sagte der Chef lobend.
Er überflog ihr Konzept. “Gut,“ sagte er. “Sie halten gleich eine Präsentation und dann entscheide ich mich.“

 

Die Mitarbeiter wurden einberufen und saßen wieder am großen Tisch zusammen.

Lisa war ein bisschen aufgeregt. Sie war noch neu in der Agentur, aber sie wusste, dass sie das machte, was ihr lag. Dass sie Talent hatte. Ihre Stimmte zitterte etwas bei der Präsentation, aber schnell verflog die Aufregung und sie erzählte frei. Der Kunde wollte eine Werbe-Kampagne, die den jungen Mann von heute ansprach. Der Mann, der modern ist und weltoffen. Lisa fiel das leicht. Sie dachte an ihren Bruder, ihren besten Freund und ihren Freund und sie dachte auch daran, wie ein Mann ihrer Meinung nach sein und nicht sein sollte.

“Gut,“ sagte der Chef. “Meinungen?“

Felix räusperte sich. “Ja, es ist ja nicht schlecht,“ sagte er. “Aber ich muss schon sagen, dass ich als junger, moderner, weltoffener Mann mich da nicht so angesprochen fühle.“

“Ich auch nicht,“ warf Daniel ein.

“Es klingt schon etwas zu weiblich. So wie Frauen Männer sehen oder so etwas.“

“Ja, so Sex and the City-mäßig so mit Gefühlen und gut angezogen.“

“Das ist ja keine Kampagne für eine Frauenzeitschrift oder Make-up.“

“Was hat das damit zu tun? Das ist keine konstruktive Kritik. Ich sehe mir nicht Sex and the City an, ich lese keine Zeitschriften und ich trage auch kein Make-up,“ sagte Lisa.

“Das solltest du vielleicht mal,“ sagte Daniel. “Würde dir gut stehen.“ Er lachte.

Sie warf ihm einen vernichtenden Blick zu.

“Das ist doch nur ein Witz,“ sagte er. “Du bist immer so sensibel. Was soll das?“

“Wollen wir professionell arbeiten oder Witze machen?“ sagte sie.

“Das ist sie wieder, Lisa, die Zicke,“ sagte Felix.

“Meine Herren, verschieben Sie Ihr Geplänkel auf später. Der Kunde wartet. Wir stimmen ab. Wer ist für Herr Schmidt-Finks Kampagne?“

Felix sah zu Matthias. Matthias hob die Hand. Er sah zu Julian, Murat, Ulf, Ralf und Claudia. Sie hoben die Hände. Auch die anderen hoben nacheinander die Hände. Felix lächtelte zufrieden.

“Wer ist für Frau Schwedts Vorschlag?“

Nur Alex hob die Hand, aber er war ohnehin nicht beliebt und würde bald herausfliegen.

“Gut,“ sagte der Chef. “Ich mochte beide Kampagnen, aber Sie haben mich überzeugt.“

Lisa war noch in der Probezeit und musste die Sprüche und gemeinen Zettel nicht lange aushalten. Lisa, die Zicke. Selbst Claudia, die einzige Frau neben Lisa, hielt sich aus der Sache heraus. Sie wollte nicht als Zicke wie Lisa gelten. Sie war nicht so. Sie war ganz anders. Sie stand gerne bei den Männern und spielte sich nicht so auf wie Lisa. Sie war nicht so wie Lisa. Nicht so eine Zicke wie Lisa.

Der Kunde war nicht zufrieden mit Felix‘ Vorschlag und man bot ihm nachher Lisas Version an, die ihn begeisterte, aber da war Lisa schon nicht mehr in der Agentur. Sie konnte die Kampagne später im Fernsehen und auf Plakaten bewundern. Die Agentur erhielt ein großes Lob in der Branche und gewann sogar einen Preis. Lisa ging wieder auf Jobsuche. Das war gar nicht so leicht, weil sich herumgesprochen hatte, dass sie ein bisschen schwierg war.

Schöner wohnen

5

„Er muss…“, sagt Ella. “süß und locker sein. Und humorvoll. Nicht so ein spießiger Sockenfalter. Zuverlässig und gerne kochen. Und Margaret Cho kennen.“ “Hast du weitere Wünsche?“, frage ich sie, während wir auf ihrem kleinen Balkon sitzen, uns mit einer Flasche Rotwein betrinken und eine Tüte rauchen. “Nein“, sagt sie und nippt an ihrem Glas. Möge das Casting beginnen.

Ella wohnt mit Bernhard, dem Langweiler, Johannes, dem Jung-Anwalt, Janina, der Modetussi und ihrer Mutter in einer geräumigen 5 1/2-Zimmer-Wohnung in der begehrten Stadtmitte. Ihre Mutter Rosanna, Studentin im dritten Semester (Agrartechnologie), wird ein Praktikum im Ausland absolvieren. Eine Miete weniger. Ella hat in Zeitungen und im Netz inseriert, und zahlreiche Bewerber zeigten großes Interesse. Nun sollen sie kommen. Einer nach dem anderen. Schön, wie sich das gehört. Frauen lehnt Ella ab. Die sind kompliziert und anstrengend, sagt sie.

Als am Donnerstag eine Minute nach vier Frank an der Tür klingelt, sitzen wir zu fünft gespannt am Küchentisch. Ich diene als unparteiischer Berater. Frank trägt einen unförmigen Anzug, eine rote Krawatte und hat Blumen mitgebracht. Er druckst herum. “Blumen. Wie aufmerksam.“ Ella ist entzückt. Ihre Mutter zeigt heimlich mit dem Daumen nach unten. Warum? Hm. Es ist Ellas Mutter. Sie ist, wie sie ist. Vielleicht deshalb? Frank ist um die 40, stottert und schwitzt. Seine Stirn ist bedeckt mit Schweißperlen. Als er sich verabschieden möchte, stößt er gegen den kleinen Tisch, auf dem die zickige Janina die Blumen hergerichtet hat. “Macht doch nichts“, faucht Ellas Mutter und schiebt ihn unsanft zur Tür. “Tschüss.“

Der nächste Bewerber ist Tim. Ella errötet. Das ist ihr Partyflirt. Sie hatten Sex im Auto. In Ellas Fiat Panda. Aber sicher ist sich Ella nicht. Sie war sehr betrunken. Es kann auch nur Petting gewesen sein.

Verstehe.

Als Wasif, ihr langjähriger, bester und selbstverständlich rein platonischer Freund, das sah, haben sich Wasif und Tim gleich am Parkplatz geprügelt, und bei diesem wilden Faustkampf schlug Wasif Tim einen Zahn aus. Anzeigen wollte ihn Tim jedoch nicht. Da war noch diese Sache mit dem illegalem Waffenbesitz. Tim ist vorbestraft. Keine Bullen und so. Das war Wasif recht, denn er hat gar keine Aufenthaltserlaubnis für Deutschland. Zähneknirschend gingen die beiden Streithähne auseinander, nicht sich noch ein paar Beleidigungen zuzuwerfen. Ella kann ihrer Mutter nun natürlich nicht mitteilen, warum sie sich gegen einen Einzug Tims ausspricht. Sie ist 21, aber ihre Mutter möchte nicht, dass sie raucht, trinkt oder herumhurt. Nur Drogen sind ok. Wenn Besuch im Hause ist und ein Gläschen Wein oder Bier trinkt, sagt Ellas Mutter: “Du nicht.“ Und stellt ihr ein Glas Hohes C auf den Tisch.

Tim sieht sie irritiert an. Auf einer Skala von null bis Schnaps kann er sich neun an Ella erinnern – und sie? Sie bringt die Führung und den Small-Talk rasch über die Bühne. Als Tim aus der Wohnung ist, sagt Ellas Mutter: “Nett, aber so ’n bisschen ungepflegt. Dem fehlt ja sogar ein Zahn.“

Keine Frauen, sagte Ella, aber dagegen legte Johannes ein Veto ein. Nun steht Roxy in der Tür. Sie sieht aus wie die Frontfrau von Garbage nur in Gegenteil von gutaussehend. Sie trägt schwarz-weiß-gestreifte Armstulpen, ein schwarzes Top, einen kurzen schwarzen Rock, eine Netzstrumpfhose und schwarze Stiefel. Sie beendet jeden Satz mit “und so“. “Ich mein, ey. Ich bin keine Satanistin, weil ich schwarzgefärbte Haare habe und manchmal gelbe Kontaktlinsen einsetze und so. Ich höre Musik von der Band von meinem Freund ‚Schmerz deiner kranken Seele‘, weißt du, und die Leute denken, ich wär‘ scheiße und so. Ich bin voll gegen die konforme Gesellschaft und so. Voll Anti-Mainstream, weil ich anders bin und so.“

Roxy ist Studentin der Sozialpädagogik und fängt mit Janina an einen Streit an. Ihr gefällt Janinas aprilfrische Pastell-Pferdemädchen-Kleidung nicht. Bernhard hat ein Foto von seiner verstorbenen Großmutter in seinem Zimmer aufgestellt. Roxy nimmt es in die Hand mit ihren schwarz lackierten Nägeln und sagt: “Ey, jeder ist irgendwann am Sterben und so. Ist doch geil und so.“ Als sie sich im Bad die Rasierklingen zu lange ansieht, wird sie aussortiert.

Dann kommt Holger. Holger ist um die 50 und hat eine Halbglatze. Er ist Busfahrer und sehr verschmust. Ohne seine Katze Inge kann und möchte er nicht einziehen. Verständnis. Holger kann kochen und mit flotter Musik im Hintergrund putzt er für sein Leben gern. Noch Fragen? Holger soll einziehen. Als ihn Ella drei Tage später anrufen möchte, erfährt sie von seinem Noch-Mitbewohner Manfred, der eine sehr schöne Telefonierstimme hat, dass Holger im Knast sitzt. Er hat wohl ’n paar Rechnungen nicht bezahlt.

Zurück auf vorher. Eduardo kommt. Er ist homo und tatsächlich Friseur. Er siehr sehr gut aus. Ella und er beschimpfen sich wüst und diskutieren über hungernde Kinder in Afrika, nachdem Eduardo es wagte, sein halbvolles Glas ACE-Saft in die Spüle zu schütten. Hendrik, der Sportlehrer, wird von Johannes abgelehnt. Das ist der Typ, der im Fitnesstudio ununterbrochen das Laufband Turbo Super 3000 blockiert. Niemals. Johannes protestiert. Waldemar, Kandidat Nummer 7, spricht Russisch und circa dreißig Wörter Englisch. Ella wird ungeduldig. Der süße Lukas kommt aus Dresden und ist Rapper. Nebenbei studiert er BWL. Ella ist Feuer und Flamme. Als er zu reden beginnt, hält sich Ellas Mutter die Ohren zu. Er ist ihr zu sächsisch. Dismissed. Disqualifiziert. Game over.

Am Ende bin ich dann eingezogen. Zum Probewohnen. Bernhard sah mich ununterbrochen mit lüsternem, stierendem Blick an und wollte mir seine Überraschungseierfiguren-Sammlung in seinem Zimmer präsentieren. Neben Johannes‘ langbeinigen Amazonenfrauen fühlte ich mich wie Supersize-Me-Aschenputtel. Janina wollte mir andauernd ihre Instagram-Seite zeigen und über Detox Tea reden, und Ella war dauerbekifft und extrem unordentlich. Sie strapazierte mein Nervenkostüm durch Dauergestreite mit ihrem Freund. Als ginge es darum einen internationalen Rekord zu halten, knallten die beiden am frühen Morgen mit den Türen und warfen Tassen und Teller an die Wand.

“Gib doch zu, dass du mit der Sprechstundehilfe beim Kieferorthopäden geflirtet hast“, schrie Ella und zielte mit einem Blumenkübel auf Jason. “Nein, habe ich nicht“, entgegnete dieser. “Aber geil war die schon.“ Der Kübel traf ihn am Kopf. Keine Sorge. Die Platzwunde musste nur mit sechs Stichen genäht werden. Drei Nächte lang hatten die beiden daraufhin lauten, ekstatischen Versöhnungssex. Wer von euch schon mal Katzen beim Akt belauschen durfte, weiß, wovon ich spreche.

Ich zog kurz danach aus. WG oh nee. Zum Glück wurde Holger eine Woche später aus dem Gefängnis entlassen und konnte sein Zimmer freudestrahlend beziehen.

Stay gold

Wir sind Künstler, sie stellen her. Sie sind Konsumenten, wir sind Minimalisten. Wir sind Reisende, sie sind Touristen. Wir sind nett, sie sind berechnend. Wir sind verträumt, sie sind immer wach. Wir sind Punks, sie sind Spießer. Sie feiern fein, wir ausgelassen oder gar nicht. Wir sind Dandys, sie sind Neoliberale. Sie gehen ins Kino in den neuesten Film, wir sind Cineasten. Wir sind französische Poesie aus dem 19. Jahrhundert, sie sind Artikel über Selfies, Emojis, Tinder, Whatsapp, Narzissmus, “unsere Generation“ und warum man “den“ Feminismus nicht versteht. Wir sind Max Uthoff, sie sind Jan Böhmermann. Wir sind Weltbürger, sie sind stolze Berlin-Zugezogene. Sie hören Musik, wir sind Musik. Wir sind Rudi Dutschke, sie sind Axel Springer. Wir sind schüchtern, ein bisschen scheu, sie sind laut und eitel. Sie wollen die “richtigen Kontakte“, die sie “nach oben“ führen. Wir wollen die richtigen Kontakte, die uns zu uns selbst führen. Wir wollen die Welt fotografieren, sie wollen sich selbst fotografieren. Wir wollen uns verlieben oder verliebt bleiben, sie sind verliebt in sich selbst. Wir wollen nachdenken. Sie wollen reden. Über sich selbst. Sie sind gierig, wir sind großzügig. Sie wollen im Mittelpunkt stehen, wir sind bescheiden. Wir sind melancholisch, ein bisschen ängstlich, sie sind von sich überzeugt. Sie sind Smartphones, wir sind Bücher. Sie glauben an Geld, wir an Moral. Wir sind die Wahrheit, sie sind Lügen. Wir wollen gut sein, sie wollen gut aussehen. Wir wollen kreieren, weil wir müssen, sie wollen Erfolg. Sie haben nichts zu sagen, aber reden ununterbrochen. Wir haben so viel zu sagen, wir wissen nicht, wo wir anfangen sollen. Sie wollen Ruhm und Geld, wir wollen Liebe, Freundschaft, Wissen, Sehnsucht und Kunst. Sie wollen Trends, wir wollen Gutes und Beständigkeit. Sie wollen Gold, wir wollen glitzern und gold bleiben. Wir sind Freunde, sie sind Namen im Smartphone. Sie sind laut, wir sind äußerlich leise. Wir sind Fair Trade, sie sind corporate. Sie sind Generation Produktiv und individualistisch, aber einer oder eine von vielen. Wir sind unsere eigene Generation, individuell und unabhängig. Wir sind kreativ, sie kopieren. Sie sind Egomane, wir sind hilfsbereit. Sie sind Damien Hirst, wir sind unbekannt, aber avantgarde. Wir sind arm aber sexy, sie sind Gentrifizierer. Wir sind genügsam, sie haben genug und wollen immer mehr. Wir sind die UdK, sie die Axel Springer Akademie. Wir sind Stefanie Sargnagel, sie sind Welt Feuilleton. Wir sind ein Schwarz-Weiß-Film aus den 60ern, sie sind Popcorn-Kino. Wir sind die Bohème, sie sind Neureiche. Wir sind Linke, sie sind Linksliberale und Konservative. Wir haben Geschmack, sie haben Geld. Wir sind billiger Rotwein, sie sind teure Restaurants in Mitte oder Pberg-Cafés. Wir sind sensibel, sie sind hohl. Sie sind altklug, wir sind ein bisschen weise. Wir sind französische Chansons, sie sind Charts. Wir sind philosophische Bücher, sie sind Artikel und Kolumnen in Frauenzeitschriften. Wir sind ein bisschen öko, sie lachen uns dafür aus, aber das ist uns egal. Wir wollen die Welt verändern, verbessern, sie wollen Heuchelei, Anerkennung und Konsumgüter. Wir sind mutig, sie sind platt und selbstgefällig. Wir sind international, sie sind ein kleiner Kreis. Sie sind langweilig und leicht zu durchschauen, wir sind unergründbar. Wir wissen, was Arbeit ist, sie wissen, was Small Talk ist. Wir sind Hippies, sie sind Philister. Wir sind politisch oder sozial engagiert, sie posten nur bei Facebook und Twitter. Sie zählen ihre Follower, wir zählen Muscheln, die wir am Strand gesammelt haben. Wir tanzen barfuß im Regen, sie bei “VIP-Partys“, wo wir kellnern. Sie lesen Bücher mit bunten Covern, wir Bücher mit Inhalt. Wir sind natürlich, sie sind affektiert. Wir sind Spaziergänger, Flanierer. Sie gehen immer geradeaus mit Ziel. Wir sind Künstler, sie sind gekünstelt. Wir sind junge Alte oder alte Junge, sie passen sich an. Wir sind Dichter und Denker, sie sind Besitzer und Macher. Wir tanzen während der Revolution, sie stehen uns im Weg. Auf uns.

Marlies Hübner, Autorin von Verstörungstheorien: Die Memoiren einer Autistin, gefunden in der Badewanne

erschienen bei Schwarzkopf & Schwarzkopf

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                 Danke, Marlies und viel Erfolg mit deinem zweiten Buch.

Man muss auch allein sein können. Man muss, man sollte. Allein nachts spazieren gehen, ein Bier in der Hand, Musik auf den Ohren. Man ist allein bis auf ein paar Nachtschwärmern und die Lichter der Stadt. Man muss auch mal allein in seinem Zimmer sitzen, ohne Freunde, ohne Gespräch, ohne Stimulation. Man muss auch mal ganz allein in einer Bar sitzen und sich der beste Freund sein. Man muss sich auch mal mit den großen Denkern begnügen. Ein Buch zur Hand nehmen und lesen, was die schrieben in einer anderen Zeit. Was dachten sie in den 1930ern oder im 15.Jahrhundert? Fühlten sie so ähnlich wie man selbst? Man muss auch mal allein zu einem Konzert gehen oder auf eine Reise. Allein am Strand sitzen oder im Park oder in einem Club. Man muss sich auch mal selbst ein Gericht kochen, nur für sich selbst oder ins Kino gehen. Auch wenn es ein bisschen sticht, auch wenn man die Einsamkeit spürt.

Man muss nicht, man sollte nicht, man kann. Warum nicht? Probier’s.

Alle reden nur über sich

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Alle reden nur über sich, ich, ich. Alle warten nur darauf, bis sie wieder dran sind mit dem Reden. Eigentlich kann ich nicht alle sagen. Ich kenne sie ja nicht alle. Ich will sie auch nicht kennen. Es hängt wohl auch damit zusammen mit wem man Zeit verbringt, mit wem man im Winter im Park spazieren geht und die Hand hält oder für wen man Playlisten macht oder mit wem man in Bars Whisky und Absinth trinkt und Pläne macht, wo man mal hinfahren könnte und darüber redet, was jetzt der und die macht, die und der und wo der oder die im Urlaub war oder ein Auslandssemsester gemacht und jetzt nach dem Studium hingezogen ist und wie schlecht die Partys sind und wie gut und in welchen Club man nicht mehr gehen kann und wo man vielleicht mal hingehen sollte und was man Leckeres gekocht hat oder wo man gut essen kann und welche neue Band gut ist und welche nicht und warum die neuen deutsche Literatur so schlecht ist und wer jetzt in der Heroin-Entgiftung ist und wer in der Psychiatrie und welche Bio-Limonade die beste ist. Das alles hängt auch immer von einzelnen ab und nicht so sehr von allen. So ist das

Cat Marnell

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Ich wollte mir das Buch von Cat Marnell zunächst nicht kaufen, weil sie Pelz trägt, aber in einem Interview sagte sie, dass sie Pelz als Neujahrsvorsatz aufgegeben hat.

Cats Autobiografie, die sie mit gerade mal 34 veröffentlicht hat, How to Murder Your Life erscheint am 22. April nun auch auf Deutsch bei Rowohlt und wird noch mit dem albernen Zusatz “Selbstporträt eines Hochglanzjunkies“ versehen.

Bekannt wurde Cat durch ihre Artikel auf der US-amerikanischen Seite XoJane. Danach schrieb sie für Vice.

Das Buch ist in einem einfachen, schnellen Ton geschrieben.

Cat erzählt über ihre Kindheit, ihre Arbeit als Beauty-Redakteurin bei Frauenzeitschriften, New York, Ex-Freunde, Bulimie und Drogen. Sie ist aus gutem Hause – eine klassische “Poor little rich girl“-Geschichte.

Man muss nicht hervorragend Englisch sprechen, um das Buch zu lesen. Die Sprache ist nicht kompliziert, aber wer möchte, kann die deutsche Veröffentlichung abwarten.

Das Buch ist allen party girls and gay dudes gewidmet.

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Der Autor

Er wollte den ganz großen Roman schreiben, hatte er sich überlegt. Den Roman auf den alle gewartet hatten. Das heißt, alle Männer und ein paar Frauen, aber selbstverständlich nur die coolen Frauen – er wollte keinen Roman für uncoole Frauen schreiben. Es müssten schon die coolen Frauen sein. Nicht die komplizierten Frauen, die immer zicken. Nein, die Frauen, die gerne Bier trinken und Sex haben und nicht zickig sind. Für solche Frauen wollte er ein Buch schreiben. Natürlich müssten sie politisch links sein. Er war gegen Rechte wie die AfD. Das musste man ja immer wieder betonen wie schrecklich das alles ist mit der AfD. Er als linker Mann war so betroffen davon. Seine Leserinnen müssten aber nichts vom Politik verstehen, dachte er. Er wollte kein politisches Buch schreiben. Er würde es nicht zu kompliziert für sie machen. Es würde vielleicht schon ein bisschen Politik im Buch vorkommen, aber das eher versteckt. Man musste schon ganz ausgefuchst sein, um die tiefere Bedeutung zu verstehen. Er würde vielleicht ein paar Anspielungen machen, die nur die ganz Klugen verstehen oder vielleicht Metaphern? Er überlegte, während er auf seinem Sofa saß. Er ließ das Whisky-Glas kreisen. “Hm,“ machte er und beobachtete das Glas in seiner Hand. Das Braun des Whiskys. Er nahm sein Macbook: “Ihre Haut war so braun wie Single Malt Whisky. Ein sattes Goldbraun,“ schrieb er. Damit wollte er andeuten, dass ein Charakter in seinem Buch vorkam, der nicht ganz weiß war. Er war keinesfalls Rassist – er hatte schließlich Sex mit einer Frau, die nicht ganz weiß war und sie kam gleich im ersten Absatz vor. Er beschrieb die namenlose Frau mit der hellbraunen Haut auf über einer Seite. Er überlegte, ob er ihre Scheide beschreiben sollte, aber das kam ihm dann doch etwas zu frivol vor. Er wollte ja als intellektueller Autor wahrgenommen werden. Sein Alter Ego Fritz – er hatte sich bewusst für einen altmodischen Namen entschieden, weil das die Leser irritieren sollte – sie sollten erst mal nicht erahnen, was für ein Testosteron-Protz Fritz war – war ihm zwar ähnlich und beruhte auf ihm, aber durch ihn konnte er seine geheimen Fantasien, die er hegte, doch ein wenig ausleben. Fritz war er, nur hatte Fritz mehr Sex und kam bei den Frauen noch ein bisschen besser an und ja, Fritz‘ Penis war an die fünf Zentimeter größer als seiner, aber ansonsten gab es einige Parallelen. Sie beide waren gut angezogen, tranken den besten Whisky, hörten die beste Musik.

Er stand auf und legte eine Vinyl auf. Sollte Musik im Buch vorkommen? Natürlich. Damit würde er seinen guten Musikgeschmack in Buchform verewigen. Er seufzte. Ach, was soll’s, dachte er. Er würde ihre Scheide beschreiben. Warum denn nicht? Er wollte nicht prüde sein. Keinesfalls wollte er prüde sein. Er beschrieb ihre Scheide auf noch einer weiteren Seite und beendete die Schilderungen über die Frau mit: “… und sie fragte sehnsüchtig, beinahe ein wenig verzweifelt: “Rufst du mich an?“ Er verachtete sie dafür. Er zuckte mit den Achseln und ließ die Zigarette in seinem Mundwinkel absinken. “Vielleicht, Kleines,“ sagte er, ging durch die Tür und rief nie wieder an. Er war zufrieden. Sein Verlager würde es sicher auch sein. Er schätzte sich glücklich, dass er das Angebot bekommen hatte ein Buch zu schreiben. Dass man sein Talent erkannt hatte. Sein Iphone machte einen Ton. Er seufzte. Er sah, wer ihm geschrieben hatte. Es war Julia. Sie fragte, ob er am Freitag zu ihrer Party kommen würde. Er antworte nicht. Er sah nach, ob Franzi schon geschrieben hatte. Hatte sie nicht. Was hatte die schon Besseres zu tun, dachte er. Sie sollte dankbar dafür sein, dass er sich überhaupt mit ihr abgab. Er könnte vielleicht ein kurzes Treffen mit ihr am Freitag einschieben und danach zu Julias Party gehen. Er hatte gehört, dass Meike wieder Single war und zur Party kommen wollte. Sie hatte bei Facebook zugesagt. Er seufzte. Wieder einmal lenkten ihn die Frauen von der Arbeit ab. Er musste weiterschreiben. An seinem Roman.

Er überlegte, wie er den Roman nennen sollte, aber ihm fiel nicht so recht ein guter Name ein. Er ging zu seinem Bücherregal und nahm eines seiner Bukowski-Bücher und blätterte darin, um sich inspirieren zu lassen, aber sein Verstand war wie ein weißes Blatt Papier. Nichts stand drauf. Nur weiß, weiß. Er seufzte und setzte sich wieder auf das Sofa. Vielleicht sollte er sich ein bisschen entspannen und dann würde ihm schon etwas einfallen? Er nahm sein Macbook, klickte auf eine Seite und sah sich an wie eine schlanke Dunkelhäutige gewürgt und angespuckt wurde und dann von hinten ordentlich durchgenommen wurde. Er öffnete die Hose. Ein bisschen Masturbation konnte nicht schaden, dachte er. Nachdem er so hart gearbeitet hatte. Danach döste er ein wenig und hörte Kollegah, aber ein Titel fiel ihm immer noch nicht ein.

Vielleicht sollte er einfach weiterschreiben und wenn das Buch erst mal fertig war, würde er schon einen Titel wissen oder er könnte sich mit seinem Verlag oder Agenten beratschlagen. Er musste weiterschreiben. “Du musst weiterschreiben,“ sagte er laut zu sich selbst. “Jeden Tag fünf Seiten.“ Er hatte heute erst zwei geschrieben.

Wie sollte es weitergehen, überlegte er. Fritz verabschiedet sich von seiner Geliebten – eine von hunderten – meist kurzweilige Abenteuer – aber was geschieht dann? Er legte die rechte Hand an sein markantes Kinn. Er nahm seine Zigaretten und rauchte gedankenverloren. Verrückte Ex-Freundin, dachte er. Er müsste über eine verrückte Ex-Freundin schreiben. Er füllte eine Seite mit einer verrückter Ex-Freundin, die auf Fritz in seiner Wohnung wartet, bis er sie herausschmeißt. Nicht ohne vorher Sex zu haben, denn die Verrückten sind immer gut im Bett. Er war glücklich. Eine Seite mehr. Wie sollte es weitergehen? Wieder fiel ihm nichts ein. Sollte er sich einen Kaffee kochen?

Warum nicht in ein Café gehen und da weiterschreiben? Er mochte die Atmosphäre in Cafés. Ideal zum Schreiben. Auch wenn er es dort meist nicht lange aushielt. Es reichte immer nur für ein paar Seiten. Dann wurde es ihm zu viel. Er war oft abgelenkt, wenn gutaussehende Frauen ins Café kamen. Er konnte sich dann nicht mehr konzentrieren, weil er beim Schreiben darauf achten musste gut zu schreiben und dabei gut auszusehen. Aber männlich-gut, nicht männlich-schwul. Das war gar nicht so leicht. Sicherlich fragten die Frauen sich, woran er da schrieb, wenn er hochkonzentriert auf sein Macbook oder auf sein Moleskine starrte, die Stirn in Falten legte und mit den Fingern trippelte. Am liebsten würde er seine Vintage-Schreibmaschine ins Café mitnehmen – das würde mächtig Eindruck bei den Mädels schinden – aber die war so schwer und passte nicht in seine Ledertasche.

Er zog seinen Mantel an und betrachtete sich im Spiegel. Drei-Tage-Bart. Sein Haar sah etwas unordentlich aus. Etwas wild. So gefiel er sich. Er übte noch kurz im Spiegel, wie er männlich-gut beim Schreiben aussehen könnte. Als er mit seiner Pose zufrieden war, verließ er die Wohnung. Nicht ohne noch kurz vorher etwas Eau de Toilette aufzutragen. Davidhoff Cool Water.

Er ging zur Tür hinaus. Die Helligkeit des Tages knallte ihm entgegen. Das Tosen der Passanten und der vorbeifahrenden Straßenbahn. Auf dem Bordstein blieb er plötzlich stehen und erschrak ein wenig, weil ihm eingefallen war, dass er ja auch ein Autorenfoto benötigte. In allen guten Büchern gibt es immer ein Autorenfoto. Darüber hatte er sich noch gar keine Gedanken gemacht. “Shit,“ fluchte er leise. Warum war ihm das nicht schon vorher eingefallen? Jetzt musste er sich darüber auch noch Gedanken machen. Die Sache mit der Schreiberei – das war so ein Stress – er würde sich heute Abend etwas Koks kaufen müssen, damit er besser arbeiten konnte.

“Hallo Hendrick,“ sagte die Bedienung und kicherte. Sie stand sicher auf ihn. “Hallo Kleines, das Gleiche wie immer,“ sagte er cool und nahm seine Sonnenbrille ab. Er sah sich um. Es waren heute keine gutaussehenden Frauen da. Die Rothaarige, die am Tisch in der Ecke saß, war nicht schlecht, dachte er, aber er musste kurz überlegten, ob sie natur oder gefärbt war. Er mochte keine roten Schamhaare.

Die Bedienung brachte ihm seinen Kaffee. Schwarz, ohne Milch und Zucker. “Danke, Süße,“ sagte er und trank sogleich davon. “Der Kaffee ist brühend heiß,“ sagte die Bedienung entsetzt. “Ich weiß,“ sagte er. “Stör mich jetzt nicht. Ich muss an meinem Roman schreiben.“ “Ist gut,“ sagte sie.

Er nahm sein Macbook aus seiner Tasche und kaum hatte er es eingeschaltet und war bereit zum Schreiben, da gab sein Iphone wieder einen Ton von sich. Er sah auf das Display. Anke hatte ihm ein Nacktfoto geschickt. Sie könnte auch mal ein bisschen Sport machen, dachte er, aber im Großen und Ganzen war es kein schlechtes Bild. “Was machst du am Dienstag um drei Uhr nachts? Ich hätte da Zeit für dich,“ schrieb er ihr. Warum hatte ihm Ronja eigentlich noch kein Bild geschickt? Zumindest in sexy Unterwäsche? Es muss ja nicht sofort ein Nacktbild sein. Sie hatte bis jetzt nur Selfies geschickt, auf welchen sie voll bekleidet war. Er schrieb ihr: “Wie geht’s?“ Nun, war aber Schluss mit der Ablenkung. Er stellte sein Iphone auf Lautlos und machte sich ans Werk. Er musste weiterschreiben. Noch drei Seiten.

Das Koffein hatte ihn etwas aufgeweckt, aber ihm wollte nicht so recht ein Gedanke zufallen. Was sollte er schreiben? Nervös sah er auf sein Macbook. Drei Seiten hatte er heute schon geschrieben, es fehlten noch zwei. “Scheiße,“ schrie er laut. Ein paar Leute sahen sich nach ihm um. Er beachtete sie nicht. Er musste weiterschreiben, aber wie konnte er weiterschreiben, wenn der doch eine Schreibblockade hatte? Er nahm sein Handy und schrieb Holger, dass er drei Gramm Koks kaufen wollte. Dann starrte er wieder auf sein Macbook.

Die Tür ging auf. Er konnte aus den Augenwinkeln sehen, dass gutaussehende Frauen hereinkamen. Er musterte sie verstohlen. Nicht übel, dachte er. Gar nicht mal so übel. Vor allem die Blonde gefiel ihm. Jetzt war schnell handeln angesagt. Er setzte sein männlich-gutes-Schreibgesicht auf, nicht ohne die Frauen weiter heimlich zu beobachten. Sie setzten sich an einen Tisch am Fenster. Er würde schnell die drei Seiten schreiben. Die Seiten, die noch fehlten, damit er mit seinem Tages-Vorsatz fertig war und dann würde er mal sehen, ob er irgendwie mit den Frauen connecten könnte. Ein bisschen Augenkontakt hier, ein durchdringender Blick da, aber erst musste er noch weiterschreiben. Worüber sollte er nur schreiben? Worüber nur? Er legte den Kopf schief und legte den Zeigefinger auf seine Lippen. Er sah in die Luft. Da kam ihn ein Gedanke. Er würde über Fritz schreiben. Fritz würde sich vorstellen. Erst kommt die Frau vor, mit der er Sex hat. Die Frau mit der Single Malt-Whisky Haut. Dann die Ex-Freundin. Aber der Leser ist doch neugierig auf Fritz. Der Leser möchte doch wissen, wer Fritz ist. Dass ihm das nicht sofort eingefallen war. Natürlich. Es war doch so simpel. Er sollte vielleicht ein paar Tinder-Dates streichen, etwas mehr schlafen und dann würde ihm so etwas nicht mehr passieren oder nein, er würde einfach ein bisschen Koks ziehen. Dann würde das schon gehen. Er lächelte zufrieden. Heute Abend, dachte er. Er sah zu den Frauen. Sie unterhielten sich angeregt miteinander. Egal. Sie würden schon zu ihm herübersehen, aber erst mal musste er weiterschreiben.

Er schrieb:

“Ich bin Fritz. Gott ist groß, aber nicht so groß wie mein Schwanz.“ Er lachte. Der war gut. Die Frauen sahen sich nach ihm um. Großartig, dachte er. Er schrieb weiter: “Willst du meinen Schwanz? Ja? Du musst dich erst mal hinten anstellen.“ Die Frauen steckten die Köpfe zusammen und sahen in seine Richtung. Redeten sie über ihm? Er machte sein männlich-gut-Gesicht und tippte weiter: “Ich bin tagsüber Arzt und nachts Privat-Detektiv. Mein Schwanz hat nur Zeit für einen Quickie mit dir.“ Das war gut, dachte er, das war richtig gut. Er hatte einen Lauf. “Vergiss alle Männer, die du bisher gekannt hast, denn jetzt kennst du mich. Mein Schwanz fickt dich in tausend Himmel und in die Hölle zurück. Ich brenne wie Feuer. Ich kann jede haben. Ich bin der Erwählte. Der Gesuchte. Merk dir meinen Namen. Du wirst ihn schreien. FRITZ. Mein Schwanz fickt wie der Blitz, aber nur wenn du nicht schon ausgeleiert bist.“ Er schrieb drei ganze Seiten voll.

Als er zu Ende geschrieben hatte, sah er auf, aber die Frauen waren schon weg. Er zuckte mit den Achseln. Er war nicht auf sie angewiesen. 80% der eingespeicherten Nummern in seinem Handy waren weiblich und es kamen jeden Tag neue dazu.

Er wollte sich nicht noch mal durchlesen, was er geschrieben hat. Das kam ihm irgendwie verweichlicht vor. Er würde die Seiten einfach seinem Verleger schicken und die sollten das noch mal überarbeiten, falls das überhaupt nötig war. Wahrscheinlich nicht. Er hatte seinem Verleger schon einige Textproben geschickt und er war jedes Mal begeistert gewesen. Er hatte ihn sogar ein Genie genannt. Er hätte dem Verleger gerne lautstark zugestimmt, aber dachte, dass es besser wäre nur stumm zu nicken und kurz: “Nice.“ zu sagen. Der Coolness wegen.

Er war stolz auf sich selbst. Erfolgreich, intelligent, gutaussehend, witzig, cool, ein großer Hit unter den Frauen. Er nahm sein Handy und machte ein paar Selfies. Er wollte schon mal üben, wie er auf seinem Autorenportrait schauen sollte. Eher den Kopf ein bisschen nach links oder rechts? Schlafzimmerblick oder selbstbewusst? Sollte er sein Haar kürzer schneiden oder lang wachsen lassen? Oder so lassen? Mit oder ohne Gel? Wenig Bart, etwas mehr oder glattrasiert? Was sollte er tragen? Er würde das noch mal mit seinem Verleger besprechen müssen. Oder mit Julia. Julia war Mode-Studentin.

Er packte das Handy in seine Hosentasche. Er hatte sich für heute genug mit seinem Debüt-Roman befasst, dachte er. Er verließ das Café und ging in einen Supermarkt. Er kaufte die TAZ, die GQ und ein Bier. An der Kasse sah er ein paar Prolls. Sie trugen Fußball-Trikots und dazu passende Schals. Er mochte zwar hin und wieder Fußball, aber musste man sich so gehen lassen? Diese deutschen Kartoffen, dachte er und verzog das Gesicht. Sie waren nicht so links wie er. Er wollte nach Hause gehen und weiterschreiben. Aber nicht an seinem Roman. Morgen wieder. Nein, daran wollte er heute nicht mehr schreiben.

Er ging nach Hause, öffnete das Bier und setzte sich an den Schreibtisch. Draußen wurde es schon dunkel. Er knipste die Schreibtischlampe an und zündete sich eine Zigarette an. Morgen müsste er sich einen weiblichen Charakter ausdenken, der vielleicht ein paar Sätze spricht. Das war leicht. Er seufzte laut. Frauen haben es einfacher als Männer, dachte er. Eine Frau müsste man sein. Man hat eine sexuelle Macht über Männer und die einzige Sorge, die man hat, ist, was man anziehen soll. Morgen würde er den Charakter erfinden und ohne Anstrengung eine Seite füllen. Aber erst mal musste er an etwas anderem arbeiten.

Er hatte einen Bachelor und Master und jetzt musste er noch an seiner Doktor-Arbeit schreiben. Er stockte. Sein Blick ging ins Leere. Er schüttelte den Kopf ein wenig, ein Lächeln huschte über sein Gesicht. Es war ein stolzes Lächeln. Er konnte es selbst nicht glauben. Bald würde er Buchautor sein und wenn er die Arbeit abgab – und das würde nicht mehr lange dauern und dann müsste er nur noch ein bisschen warten – ja, dann – er konnte es nicht glauben – er lächelte – ja, dann, würde er – er lächelte verschmitzt, ja, dann würde er Doktor sein. Doktor der Schwanzistik und Linke-Machologie. Und Buchautor. Dabei wollte er früher immer Arzt oder Privat-Detektiv werden. Zumindest war er jetzt Arzt und Privat-Detektiv in seiner Prosa und konnte sich da künstlerisch austoben. Er, Männerautor.