”Selfie-Generation”

Ich poste keine Selfies mehr. Ich mag es nicht. Es hat so etwas Billiges, weil es meist Gepose ist. Halb geöffnete Münder, stark geschminkt, Beine ausstrecken, damit man schlanker wirkt, Brust raus, Bauch rein, Filter und dann möchte man den Ex-Freund vielleicht eifersüchtig machen oder die neue Eroberung an. Es wird geprotzt und versucht gut auszusehen. Nur ”authentisch” sind das Festhalten von schönen Momenten, ein aufrichtiges Lachen.

Wir, die ”Millenials”, sind die ”Selfie-Generation”. Das ist kaum abzustreiten. Das hat aber nicht nur etwas mit ”Generation” zu tun, denn es veröffentlichen Menschen jeden Alters Bilder von sich. Nur die Millenials eben ein bisschen mehr. Das macht die Technik möglich. Dass es mehr junge und noch halbwegs junge Menschen machen, das Posten, ja, das macht die Jugend. Mit mehr Technik hätten die Menschen von früher vermutlich auch ”Selfies” gemacht.

Wie kann man das Posten von Bildern von sich selbst weniger peinlich machen?

Morgenpost-Kolumne

 

Irgendetwas googlen, auf einem Artikel landen. Eine Kolumne einer Frau Ende 20 aus Berlin. Gut geschrieben meiner Meinung nach. Ich lese gleich mehrere ihrer Artikel, aber dann erschaudere ich ein wenig, als ich bemerke, dass ich auf der Online-Seite der ”Mopo” bin. Springer-Presse. Grauenvoll. Zumindest ist mein Adblocker an (den ich ausschalte bei Seiten, die ich mag). 

Ich google die Autorin. Sie war auf der Springer-Akadamie.

Was, frage ich mich, treibt einen Menschen dazu? Kein Rückgrat, kein Stil, keine Moral? Ich würde lieber Klos putzen als bei Springer arbeiten.

Ich habe mal eine Folge ”Wer wird Millionär” gesehen, als ich noch einen Fernseher hatte. Das ist schon ein bisschen länger her. Ich ziehe zu oft um für Fernseher. Eine junge Frau, blond, blass, schlank, langweilig, aber adrett gekleidet, war als Kandidatin in der Sendung. Die Frau studierte (oder wie sich das nennt, was man da macht) an der Springer-Akademie. Jauch frage nach, schien verstehen zu wollen, was jemand dazu bewegt an der Springer-Akademie studieren. Er schien eher ein bisschen kritisch darüber zu denken, was die Frau aber nicht bemerkte. Jauch ist eben auch eine andere Generation. ”Enteignet Springer” sagt ihm vermutlich mehr als ihr. Er ist vielleicht zu intelligent und stilvoll für Springer. Selbst Jauchs Arbeitgeber RTL ist um einiges besser. Sie war aber so stolz, dass sie es da hin geschafft hatte. Sie verbriet alle Joker und bettelte bei Günther Jauch um Hilfe.”Machen Sie denn irgendetwas selbst?” frage Jauch sichtlich irritiert. Diese Frau war eine gute Präsentation für Springer.

Heutzutage ist Springer nicht mehr so verpönt wie früher. Man kann nicht sagen, dass der Mensch in Deutschland dümmer geworden ist, ohne eine Studie zu machen. Man kann nur annehmen, dass er vielleicht dümmer geworden ist und weniger idealistisch. Mehr karriereorientiert. Konsum. Selbstdarstellung. Likes, Followers. Oberflächlichkeit.

Die Frau bei der Morgenpost.

Ich lese dennoch Kolumne dieses Mal. Ich bin auf eine Art fasziniert, dass ein Mensch sich für Springer hergibt und sich nichts dabei denkt. Auch angeekelt. Das ist ja verständlich.

Die Journalistin schreibt in der Kolumne, die ich lese, über ”Influencer”. Das sind Menschen, die bei Instagram und Youtube hundertausende oder Millionen von Followern haben oder haben wollen und Geld mit Sponsoren verdienen. Mode, Detox tea, Werbung für Hotels, Make-up und dergleichen. Man kann mit vielem Geld verdienen. Die Journalistin geht auf eine Party, wo sie auf eben solche, meist weibliche, Influencer trifft. Die Journalistin urteilt über diese. Spottet.

Moment mal, denke ich. Du arbeitest bei Springer und urteilst über andere? Es gibt, wenn man mal darüber nachdenkt, unfassbar dumme Menschen.

”Feministische” Mode

Aufdrücke wie ”Feminist”, ”Girls support girls” und ”This is what a feminist likes” zieren die T-Shirts und Tops in den Bekleidungsgeschäften westlicher Länder und viele Menschen fragen sich: Ist das feministisch? Ist das feministische Mode?

Zu Recht wird gesagt, dass die Kleidung in ärmeren Ländern wie Bangladesch von Mädchen und Frauen genäht wird, die für einen Hungerlohn arbeiten müssen.

Es war 2014 als Karl Lagerfeld bei der Präsentation der Chanel-Frühlingskollektion mit seinen Models eine feministische Demonstration inszenierte. Ist das Feminismus oder Marketing wurde gefragt. Vermutlich ging es Lagerfeld eher um Geld. Das Auffangen eines Trends. Femnistinnen galten nicht mehr als unmodische lila Latzhosen-Trägerinnen, nein – oftmals jung und aufgeschlossen, kaufkräftig, hip und ”empowered”. Daraus musste Kapital geschlagen werden.

Es geht um Geld in der Mode-Industrie. Die großen Modehäuser möchten verkaufen. Moderne Frauen posten auf sozialen Plattformen wie Instagram über Feminismus. Man ist nicht mehr wie früher die ”behaarte Männerhasserin”. Feminismus ist seit ein paar Jahren ”in”. Der Mainstream-Feminismus ist ein liberaler Feminismus. Die bestimmenden Themen sind sexuelle Freizügigkeit und Unterstützung von Porno-Industrie und Prostitution und ”Identity politics”. Der liberale Feminismus lässt sich gut verkaufen. Man kann ”gut aussehen” und Feministin sein.

Ist es daher gut, wenn meist junge Frauen diese ”feministischer” Mode kaufen?

Ja und nein.

Selbstverständlich ist es nicht gut, dass die so frauenfreundlich-scheinende Kleidung irgendwo in Asien von armen Mädchen und Frauen genäht und dann im Westen verkauft wird, aber zumindest beschäftigen sich die Feministinnen in der westlichen Welt mit Feminismus und stehen dazu, schämen sich nicht mehr, denn auch wenn Feminismus nicht mehr so einen schlechten Ruf  hat – denn den hat er immer noch bei unpolitischen oder konservativen und etwas weltfremden Menschen (wie etwa Jens Jessen) -, und die feministische Bewegung unterstützt wird von aufgeklärten, modernen Menschen, sind noch nicht alle Menschen über Missstände aufgeklärt. Diese sogenannte feministische Mode bietet Berührungsfläche mit dem was Feminismus sein könnte. Es ist oberflächlich, aber es ist eine erste Begegnung und ein Statement: ”Seht her, ich bin Feministin.”

Dass die Tops, Pullover und T-Shirts eben nicht Fair Trade sind- das muss kritisiert werden. Warum nicht jemand unterstützen, der eigene Mode, Mode mit feministischen Aufdrücken, verkauft oder warum nicht selbst machen?