Zusammen

Sie hatten sich ein Reihenhaus gekauft. Tillman, Larissa die zwei Kinder und der Hund. Die Kinder sagten, sie hätten noch gerne ein Meerschweinchen, aber Tillmann und Larissa wussten nicht so recht, ob der Hund nicht schon als Haustier ausreichte. Man musste so oft mit ihm Gassi gehen und er war süß, aber groß und nahm viel Platz in Anspruch und jetzt auch noch ein Meerschweinchen? Sie waren sich nicht sicher. Zu zwei Meerschweinchen hatte ihnen Klothilde, die Tierfreundin aus der Nachbarschaft, mit der sie manchmal Smalltalk führten, geraten. Man hält mindestens zwei Meerschweinchen, nicht eines allein, sagte Klothilde. So ein Meerschweinchen, oder zwei besser gesagt, das nimmt nicht viel Zeit und Platz in Anspruch, so dachten sie, aber zusätzlich zum Hund noch zwei Meerschweinchen? Würde das nicht zu viel werden für sie und die Kinder? Die Kinder waren noch klein und die meiste Arbeit den Hund betreffend fiel auf sie ab. Tillmann und Larissa sagten zwar “sie”, aber meinten damit eigentlich nur Larissa.

“Es ist jetzt fünf Jahre her, dass wir uns bei einer Dating-App kennengelernt haben”, sagte Larissa, nachdem die Kinder im Bett waren.

“Ja, das ist doch schön Schatz”, sagte Tillmann.

“Ein Arbeitskollege, Luis, hat schon wieder gefragt”.
“Schöne Grüße”, sagte Tillmann.

“Und der Paketbote.”
“Ist der nicht schon in Rente?”

“Nein.”

“Der sieht so alt aus.”
“Schatz.”
“Was kochst du heute? Ich hätte mal wieder Lust auf Thüringer Klöße”, sagte Tillman.
Larrisa stöhnte.
“Müde, Schatz?”
“Nein”, sagte Larissa. “Ich würde nur gerne mit dir reden.”
“Das trifft sich gut. Ich auch mit dir. Hast du schon über die Meerschweinchen nachgedacht?”

“Schatz, können wir darüber bitte ein anderes Mal reden?”
“Aber Larissa”, sagte Tillmann. “Willst du nicht, dass die Kinder happy sind?”
“Nein,” sagte Larissa laut. “Ich meine doch.”
Eines der Kinder weinte.
“Na toll, Larissa. Jetzt hast du die Kinder geweckt.”
Larissa seufzte. “Ich gucke mal, was er hat.” Aber da verstummte das Kind wieder.
“Er schläft weiter”, sagte Larissa.
“Ja”, sagte Tillmann und blickte wie hypnotisiert auf sein Handy-Display.
“Zwei Meerschweinchen, Schatz?” fragte er.
“Tillmann, ich muss mit dir reden.”
Tillmann stöhnte auf. “Was ist denn, Larissa? Hast du deine Tage?”
“Nein, aber ich will mit dir reden.”
Tillmann blickte nicht vom Handy auf.
“Ich rede mit dir”, sagte Larissa.
“Was?” sagte Tillmann gereizt.
“Sind wir zusammen oder nicht?” sagte Larissa.
“Fängst du schon wieder damit an?” sagte Tillmann. “Ich habe dir gesagt, dass ich keine Labels mag. Du sollst nicht immer so emotional und aufdringlich sein.”
“Wir sind seit über fünf Jahren zusammen, haben Kinder und ein Haus.”
“Hund”, sagte Tillmann.
“Bitte?” sagte Larissa.
“Wir haben auch einen Hund und vielleicht auch noch Meerschweinchen.”