Fair Trade Kokain

Erkentnisse

Alles ging irgendwie so ein bisschen den Bach herunter seit ich mit dem Koksen aufgehört habe. Das mit dem Ego und der guten Laune und dem Spaß sowieso. Es gibt nur noch Ich-Zerfall. Wäre Koks Alkohol wäre es Prosecco.

Koksen kann natürlich zum Problem werden, aber für wie reich muss man mich halten, dass ich mir so viel leisten könnte, dass es zu einem wird? Nicht reich außer mit Liebe im Herzen.

Meistens ließ ich mich auch nur einladen, aber da auch nur so viel und so oft, dass man von mir als Gegenleistung oder Entgegenkommen nichts oder nur wenig erwartet wurde. Manche nennen das Schnorren, ich nenne das eine kleine Gefälligkeit, wenn man the life of the party bei seiner Party möchte. Es war also alles im grünen Bereich. Oder eher im weißen. 

Was kann nur diese Leere füllen? Und damit ist nicht die Leere in den Nasenlöchern gemeint.

Manche hören mit dem Koksen ihrer Nasenscheidewand zuliebe auf oder weil sie paranoid werden. Ich habe damit aufgehört, weil ich den Drogenhandel und die damit verbundene Kriminalität nicht unterstützen möchte.

Es ist nicht völlig ausgeschlossen, dass ich nicht irgendwann mal schwach werde und vielleicht eine Line ziehe, aber seit mindestens drei Jahren bin ich stark.

Wann gibt es endlich Fair Trade Kokain?

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Ein Traum von einem Mann

Er war so ein Typ, der Harald-Martenstein-Kolumnen las, und teure Funktionskleidung  in Kotfarben trug, die praktisch war, aber grässlich aussah. Manchmal auch T-Shirts und Dreiviertelhosen oder eine ”einfache Jeans” wie er das nannte. Er machte sich nichts aus Mode, er war Denker. Sein blondes, kurzes Haar glänzte fettig. Man hätte darauf Gammelfleisch braten können. Seinen Kommerz-Film- und Musikgeschmack befand er für gut. Sein Geschmack war erlesen. Deutscher Rap und Trap zum Beispiel, der US-Rapper kopierte. Er dachte, dass der Feminismus zu weit ging. Sein Lieblingsgericht war der billige Döner an der Ecke. Er kochte aber auch gerne mal ein nahrhaftes Gericht. Zu seinen Vorlieben gehörte deutsche Hausmannskost oder ein schmackhaftes Fertiggericht. Hauptsache viel Fleisch. Das durfte aber nicht zu teuer sein. Tiere sind Nahrung. Er betonte gerne, dass er politisch links war, aber dachte, dass die Armen sich schon mal ein bisschen zusammenreißen könnten. Irgendwie waren die auch dumm und selbst schuld. Das hatte er in einem Die Welt-Artikel gelesen und sofort zugestimmt, dabei war er keinesfalls jemand, der einfach so anderen zustimmte. Er war kein Mitläufer. Er hatte sich den schwäbischen Dialekt abtrainiert. Nur manchmal sickerte er noch durch. Wenn er mal zu viel Bier getrunken hatte zum Beispiel. Er schimpfte dann gerne auf andere. Irgendetwas stimmte nie mit ihnen. Zu dumm, zu idealistisch, zu verliebt. Meistens kann niemand etwas für seinen Mundgeruch. Es ist gemein, ihn, den Traum von einem Mann, deshalb nicht zu mögen. Es war nur nicht so schön, als er ungefragt seine nasskalte Zunge in meinen Mund steckte, nachdem er eine Packung Zigaretten geraucht und stundenlang über ”verträumte Linke” gelästert hatte, die die Welt verbessern wollten. Freiwilligen-Arbeit in Afrika oder Südamerika, Spenden, Bettlern Geld geben, Müll trennen, Tierschutz, Fair Trade. Er als einzig wahrer Linker hielt davon nichts. Er war ein Traum von einem Mann. Aus Versehen muss ich seine Nummer blockiert haben.