Erfolg

Wenn man dir einredet, dass du etwas Vernünftiges machen sollst, etwas, das alle anderen auch machen, machen wollen; du dort hingehen sollst, wo sich alle tummeln, ein Sandkorn in einer Sanduhr, nach außen glücklich, auf eine unangepasste Art angepasst, aber hinter verschlossenen Türen kommt man dann auch mal ins Grübeln. Wenn man dir sagt, dass du das doch schon erreicht haben solltest oder man dir eine Summe vorgibt, eine Summe, die besagt, wieviel Geld du auf dem Konto haben solltest, eine To-do-Liste ”100 Dinge, die man vor 30 erreicht haben sollte” oder so ähnlich und man dir vorgekaute Meinungen serviert wie früher manche Mütter den Kleinkindern das Essen. Zieh eine Nummer und stell dich an. Such dir Vorbilder mit Ellbogen, großer Klappe, aber mit wenig Moral. Du willst es doch auch ”nach oben” schaffen. Deinen Namen in der Zeitung lesen oder ihn aus den Mündern einflussreicher Leuten hören. Es geht um Geld, Macht und gutes Aussehen. Wie kommt man da nur hin? Mit viel Schein und wenig Sein, mit Sex-Appeal, Provokation, Lügen und großen Sprüchen. Am richtigen Ort zur richtigen Zeit sein. Sich verkaufen können. So läuft das. Fake it ’til you make it. Photoshop-Bildchen von dir für deine tausenden Follower bei den sozialen Medien. Eine kleine, leise Träne läuft deine heißen Wange herunter, weil jemand, den du kennst, vielleicht wart ihr zusammen auf der Schule, noch mehr Follower hat als du. Oder mehr Geld. Und irgendwann stehst auch du vielleicht mit einem Prosecoo-Glas bei einer Stehparty oder hast eine Sekretärin, mit der du verkehrst, sexuell, oder bist im Vorstand oder schreibst Artikel in konservativen und ”linksliberalen” Zeitungen mit deinen ”Gedanken” oder fährst ein ”gutes” Auto und kannst dir zwei Mal im Jahr Urlaub leisten und schimpst auf jeden, der anders ist, anders aussieht, sich verweigert und die Nachbarn grüßen recht freundlich, aber du denkst, dass ist Neid, denn du kennst nur wenige Gefühlsrichtungen und ein Lachen ist oft falsch wie bei dir. Sie sind neidisch, denkst du. Auf dich und deinen Erfolg. ”Wichtig ist, dass sie dir beibringen: Es gibt keine alternative zum Nichtstun” schrieb Ronald M. Schernikau. Du möchtest ja gar nicht nichts tun. Du möchtest kein Hippie sein wie die ganzen Verlierer der Gesellschaft, sagst du verächtlich. Du möchtest nur nicht hart arbeiten. Und das machst du auch nicht. Man kann es auch ohne harte Arbeit zu etwas bringen. Man sieht es ja an dir.

2 thoughts on “Erfolg

  1. Mir kam gleich beim ersten Satz der Gedanke: Wenn MAN dir etwas einredet? Ob wir vermeintliche Wahrheiten annehmen oder nicht, ist zum großen Teil von uns und unseren eigenen Einstellungen abhängig. Die Verantwortung auf andere zu schieben ist da wohl etwas relativ…

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