Influencer

“Influencer” haben einen schlechten Ruf.
Vergleicht man den Beruf des Influencers mit einem ähnlichen Beruf in den Medien wie z.B. Kulturjournalist oder Kulturjournalistin in einem deutschen Feuilleton, genießt doch die Person, die bei der Zeitung arbeitet, einen viel höheren Ruf als der vermeintlich kapitalistische, oberflächliche, faule Influencer. Du arbeitest bei einer Zeitung? Großartig.
Man denkt nicht, dass der Influencer sich vielleicht mit Nachhaltigkeit beschäftigt und der erfolgreiche Journalist über so etwas wie “Was ich bei Netflix mag” oder “Trends, die ich nicht mag” schreibt oder eben Rezensionen zu Büchern, die man im dritten Strandurlaub in diesem Jahres gelesen hat – und damit man auch ein bisschen tiefgründig wirkt, wird noch der ein oder andere sozialkritische Text schnell auf dem MacBook in der Zwei- bis Dreizimmer-Altbauwohnung, die man im post-gentrifizierten “Szene-Viertel” allein bewohnt, getippt. Da schreibt man dann eben schnell mal wieder etwas über die AfD. Das Thema Flüchtlinge ist ja wieder “out”. Ein Journalist des Feuilletons ist eben kein Kriegsreporter oder Gühnter Wallraff. Schreiben kann so gut wie jeder, Meinungen zu irgendetwas hat auch jeder und oft kommt es eben mehr auf Kontakte als auf Inhalt und Talent an.

Der Beruf des Influencers – “Das ist doch kein Beruf”, spotten manche. Alles, womit man gewissermaßen Geld verdient, ist ein Beruf.
“Das ist keine harte Arbeit”, heißt es weiter. Auch andere, meist angesehene Berufe in den Medien sind nicht immer anstrengend – im Vergleich zu vielen anderen “normalen” Berufen zumindest. Jeder Beruf kann auf seine eigene Art anstrengend sein, auch ein Medienberuf, aber dazu kommt auch noch die meist gute Bezahlung bei vielen Berufen im Medienbereich. Ein Moderator oder eine Moderatorin arbeitet anders, weniger und verdient meist mehr als Krankenpfleger, Kanalarbeiter, Handwerker, Arzt oder Ärztin oder jemand bei der Feuerwehr. Viele Berufe in den Medien – das ist selten “harte Arbeit”, aber am besten vergleichbar mit der Tätigkeit der Influencer.

Muss Arbeit denn “hart” sein? Warum sich und andere über die Arbeit definieren? Im Kapitalismus ist das eben so. Arbeitsverweigerung wie von manchen als “anarchistische Gesellschaftkritik” betrieben, ist dann doch nicht so revolutionär, wenn man dennoch Hartz IV bezieht. Sich in einem harten Beruf zu Grunde arbeiten, weil man etwas leisten “muss”, ist aber genauso falsch. Warum nicht mal den leichten Weg wählen? Warum nicht das Hobby zum Beruf machen? Man kann unabhängig sein und das ist doch schön.

Influencer ist immer etwas, was man selbst daraus macht. Was man selbst als Influencer postet und wofür man sich als Konsument/in entscheidet. Man entscheidet selbst, wem man aktiv folgt und wem eben nicht. Mir ist ein Influencer, der oder die über Zero Waste, Fair Fashion, Umwelt- und Tierschutz, Feminismus, Rassismus, Kinder- und Altersarmut sowie Rezepte, Bücher, Musik und Filme, DIY, Reisen, Kunst, Fotografie und “Aussteigen” aus der Gesellschaft als Selbstversorger und dergleichen postet – und die gibt es ja auch – millionen Mal lieber als jemand, der kein Influencer ist, aber der oder die in den Medien steht und das nur als Selbstvermarktung betrachtet und seine Plattform nie oder so gut wie nie für soziale Zwecke oder Aufklärung nutzt – und das machen ja viele nicht, die entsprechende Follower-Zahlen haben.

Sicherlich gibt es bei vielen Influencern einiges zu kritisieren: Konsum, Zurschaustellung von Reichtum, verletzte Persönlichkeitrechte der eigenen Kinder, Oberflächlichkeiten, das übermäßige Bearbeiten von Bildern, teilweise schlechte Vorbilder für jüngere Follower und so weiter, aber es sind nun mal nicht alle Influencer so. Es ist doch großartig, dass man heutzutage ein Publikum für seine Bilder und Musik online finden kann. Dass man reisen und seine Follower daran teilhaben lassen kann. Dass man sich mitteilen kann und gehört wird. Dass man auf Themen aufmerksam machen kann. Dass man Freunde kennenlernen kann. Dass man andere inspirieren und sich selbst inspirieren lassen kann. Dass man damit Geld verdienen kann, bedeutet nicht, dass es grundsätzlich schlecht ist. Der Influencer entscheidet selbst, wofür er oder sie sich hergibt. Auch ein Nicht-Influencer, der oder die bekannt ist, macht nicht immer ethisch vertretbare Werbung oder hat einen moralisch einwandfreien Arbeitgeber und meist hat er oder sie gar selbst fragwürdige Meinungen.

Soziale Medien liefern uns nicht nur Schlechtes. Wie einfach ist es heute zu wissen, wie es Menschen in anderen Teilen der Welt geht. Wie viele politische Aktivist/innen gibt es, die Plattformen wie Instagram, Youtube und Twitter oder Blogs nutzen, die sich ohne all dies nicht Gehör verschaffen könnten, weil sie von etablierten Zeitungen ignoriert oder vom ihren Regierungen unterdrückt werden. Wie schön ist es, dass es heute auch Body Positivity gibt statt nur “Heroin Chic” und “Size Zero” und das Meinungsmonopol in Modefragen nicht nur bei frauenverachten Menschen aus der Modebranche liegt und dank sozialen Medien auch “normale” Menschen mitreden können.

Ein weitere Kritik, die Influencern entgegen geworfen wird – dies kann kein Beruf mit Zukunft sein. Man muss etwas “Vernünftiges” machen. Man muss leisten. Aber man kann auch in einem “vernünftigem Beruf” redundant gemacht werden oder man kann als Influencer arbeiten und nebenbei oder nach der Influencer-Karriere immer noch eine Ausbildung machen und wenn man gut verdient, hat man ohnehin früh ausgesorgt.
Dieses “Mach etwas Vernünftiges” kennen ja nicht nur Influencer. Man sagt kleinen Kindern schon, dass sie etwas “Vernünftiges” machen sollen. Immer geht es nur um Geld und Anerkennung. Was ist, wenn man nichts Vernünftiges machen will? Was ist, wenn man mit wenig Geld auskommt? Was ist, wenn man etwas Kreatives machen möchte, das nicht viel Geld abwirft? Was ist, wenn man etwas Unterforderndes machen möchte, weil mal Arbeit als Mittel zum Zweck sieht und sich dafür keinesfalls aufopfern möchte oder seinen Wert als Mensch darüber definiert? Arbeit ist Arbeit. Mensch ist Mensch. Sagt euren Kindern, dass sie nette Menschen werden sollen, wenn sie mal groß sind. Das wäre mal ein guter Anfang für eine neue, bessere Welt.

Ich könnte es mir eher weniger vorstellen als Influencer zu arbeiten, weil ich Privatsphäre schätze, aber das bedeutet nicht, dass ich jeden Influencer ablehne, weil es viele gibt, die mir nicht sonderlich zusagen. Statt die Influencer, die man nicht mag, ständig zu kritisieren, auch wenn bei vielen Kritik berechtigt ist, kann man doch mal die guten, die sich Gedanken machen, pushen.

Stürmig

Mein Trash TV-Ersatz als leider Nicht-Fernseher-Besitzerin sind “Shitstorms” in den deutschen Medien. Es geht stürmisch zu. Es ist ständig etwas. Welt, Zeit, Spiegel enttäuschen nicht, ab und zu auch mal die FAZ. Normalerweise müsste bei vielen dieser sogenannten Shitstorms die Karriere des “Journalisten” oder der “Journalistin” vorbei sein, denn wer mag schon dumme, unlustige und arrogante Menschen, aber in Deutschland sind diese Eigenschaften – dumm und arrogant und unlustig – oftmals karriereförderlich und die Karriere fängt gerne dann erst an oder nimmt Aufschwung und der Shitstorm-Lieferant oder die Lieferantin, gibt sogar noch in selbstgetippten Büchern und nicht nur in peinlichen Artikeln die Ignoranz zum “Besten”. Im Ausland ist das ja auch nicht immer viel anders. Auch da gibt es die Shitshorm-Dummsia, aber nach dem ersten Shitstorm gilt man dann eben als “Linker” oder “Rechter” und bleibt bei den entsprechenden Medien und wird nicht wie in Deutschland als Universal-Idiot meist unkritisch bei allen Medien herumgereicht und geht nicht mit seiner grenzenlosen Dummheit wie ein Staubsaugervertreter hausieren (nichts gegen Staubsaugervertreter).
Ich weiß nicht, ob es bei der Süddeutschen schon mal einen Shitstorm gab. Falls nicht, stelle ich mich gerne zur Verfügung und schreibe einen. Bis dahin muss ich mich mit den oben erwähnten Pöbelei-Garanten zufrieden geben.

Dieses Mal kommt der Sturm, mal wieder, beim Spiegel auf. Trash-TV Kolumnistin Anja Rützel schrieb über die Preisverleihung “About you Awards”. So eine Kolumne zu schreiben ist mir schon suspekt. Ich denke, so etwas lesen heimliche Trash-TV-Fanatiker/innen, die sich durch das Heruntermachen von anderen besser fühlen wollen, denn wer sonst sollte so etwas lesen, wenn man ja doch so gut wie keine Namen kennt und nicht weiß, um was es geht. Ich weiß nicht, für was bei den “About you Awards” Preise verliehen werden und da ich für diesen Text hier nicht bezahlt werde, schlage ich auch nicht online bei Ecosia nach. Ich nehme aber mal stark an, dass es trotz des irreführenden Namens, nicht um mich geht, auch wenn ich denke, dass ich viele Preise verdient hätte. Meine Bescheidenheit soll aber in diesem immer noch unbezahlten Text nicht thematisiert werden. Rützel kritisiert in ihrer Kolumne die “Influencer” und Stars der Preisverleihung. Lob gibt es nur für Riccardo Simonetti. Alle anderen fallen Rützel eher negativ auf. Zu oberflächlich, zu heuchlerisch. Das stimmt sicherlich bei einigen, aber dass bei der Veranstaltung verkündet wird, dass Bäume gepflanzt werden, ist gut. Nur weil der oder die mal wieder dies oder das macht oder nicht macht und damit heuchlerisch ist, bedeutet ja nicht, dass man keine Bäume pflanzen sollte, damit man nicht heuchlerisch wirkt. Ich weiß nicht, Anja. Warum ziehst du nicht nackt in den Wald, trinkst Wasser aus einem Bach, isst Rehexkremente und als Toilettenpapier benutzt du abgefallene Blätter, die du recyclest und schreibst deine bereichernden Kolumnen darauf. Be the change you want to see in the world und so.

Was nun bei dieser Kolumne Rützel als vorübergehende Titelträgerin von Germany’s Next Shitstorm Journalist auszeichnete, ist ihre Meinung zu Nicht-Komikerin Enissa Amani. Amani hält bei besagter Preisverleihung (“About you Awards”, nicht Germany’s Next Shitstorm Journalist) eine Rede und sagt, dass sie nicht noch mal Komikerin genannt werden möchte und wenn sie noch mal jemand so nennt, wandert sie aus. Rützel hält das nicht für witzig und fordert die Nicht-Komikerin zur Auswanderung auf. Das erzürnt wiederum Amani, die das als eine Art von Rassismus betrachtet, “dem Ausländer” zu sagen, auszuwandern.

Anja Rützel ist wahrscheinlich nett und nicht mit anderen Shitstorm-Journalist/innen zu vergleichen, aber das alles ist schon ein bisschen zu Deutsch. Jemand mit ausländischem Background ist empfindlich für den oder die Deutsche und statt “Es tut mir leid, dass du das so verstanden hast. Ich habe das nicht so gemeint.” kommt nur Bla bla. Amani übertreibt ein bisschen, aber so ganz unberechtigt ist ihre Kritik an Rützels Kritik ja nicht und wer austeilt, muss eben auch einstecken können.

Es ist ja bei vielen Journalisten und Journalistinnen so: Alle Flüchtlinge sind gut und rein und wer schon ein paar Jahre länger in Deutschland ist und zu gut Deutsch spricht und beinahe schon als Deutsche oder Deutscher mit ungewöhnlichem Namen, anderer Hautfarbe oder Religion durchgeht oder gar einen deutschen Pass hat, der sollte lieber die Klappe halten, denn es gibt keine “Woke points” für die unspektakulären, alten Ausländer. Man ist aber keinesfalls rassistisch, denn man hat mindestens einen nicht-deutschen Bekannten und der Dönermann um die Ecke – man kennt ihn sogar mit Vornamen, weil man sich betrunken mal mit ihm “angefreundet” hat und man unterhält sich auch öfter mal mit seinen ausländischen Taxifahrern in seinem eigenen so schön leicht dekadenten, aber doch so bodenständigen Zugezogen-Großtadt-Laien-Theater.

Süddeutsche schreibt mir wegen des Shitstorm-Artikels.

Alte, weiße Männer

Salomé Balthus ist Edel-Prostituierte, betreibt eine Escort-Agentur und war Kolumnistin bei der “Welt”. Nach einem Aufritt beim Schweizer TV Moderator Roger Schawinski wurde sie bei der “Welt” entlassen. Schawinski zeigt in der Sendung, die Balthus’ Beruf der Prostituierten thematisiert, einen Ausschnitt von Alice Schwarzer, in welchem diese sagt, dass die meisten Prostituierten Opfer sexueller Gewalt wären. Daraufhin fragt Schawinski Balthus, ob das bei ihr auch zuträfe. Balthus hingegen möchte nicht weiter darauf eingehen und versucht mehr oder weniger souverän die Sendung durchzuziehen. Nach ihrem Auftritt wird eine ihrer Kolumne bei der Welt veröffentlicht, in der sie dem Moderator nicht ganz wahrheitsgemäß zitiert. Er habe sie gefragt, ob sie von ihrem Vater missbraucht wurde. Nicht, ob sie missbraucht worden sei. Daraufhin der Rauswurf. Man kann es bei Springer’s kleiner “Welt” nicht durchgehen lassen, wenn es jemand mit der Wahrheit nicht ganz so genau nimmt.

 

 

Man kann über Balthus’ Beruf sagen, was man will. Es ist kein Beruf, zu dem jeder in der Lage wäre. Man benötigt ein gewisses Maß an Geldgier, Geltungsdrang, Skrupellosigkeit, Schamlosigkeit, Selbstdarstellung und entweder mangelt es an Moralverständnis, Intelligenz oder beidem. Es ist heutzutage gesellschaftlich mehr akzeptiert, aber das bedeutet nicht, dass es gut ist. Ich würde mich schämen und sollte ich jemals ein Arbeitsangebot bekommen unter falschem Namen arbeiten und mein Gehalt spenden. Es wäre mir so peinlich bei Springer zu arbeiten. Frau Balthus arbeitet nicht mehr dort, gut, aber sie hat und deshalb kann ich sie überhaupt nicht ernstnehmen und sie wirkt auf mich unsicher und naiv. Nicht dümmlich, was ja ein Einstellungkriterium bei Springer ist. Dümmlich-plakativ, um genau zu sein. Balthus und Schwarzer, die ehemaligen Springer-Arbeitskolleginnen. Süß.

Es ist witzig, dass die gute Salomé in der Sendung sagte, dass sie gerne “anti” sei und momentan hätten sich so viele auf die “alten, weißen Männer” eingeschossen. Sie nicht. Sie mag “alte, weiße Männer”. Es ist doch schön für sie, dass sie jetzt mit Schawinski, Poschardt und seinen Boys bei der “Welt”, die auf “Shitstorms” spezialisiert sind, so ihre Erfahrungen machen konnte. Man muss für niemand Mitleid haben, der bei Springer arbeitet und dank ihrer anderen Tätigkeit wird sie nicht am Hungertuch nagen. Der deutschsprachige Raum braucht bessere Medien. Peinlich.

Ich mach Money

Ich bekomme mal ausnahmsweise mal etwas aus den deutschen Medien mit. Ich meide diese ja meist. Erst heute erschrak ich ein bisschen beim Lesen der Online-Ausgabe einer ausländischen Zeitung. Was ist das für ein dummer Artikel, dachte ich. Wer schreibt so etwas? Dann lass ich den Namen des Journalisten, der mir leider aus deutschen Medien bekannt ist und ich dachte mir, dass ich diese Zeitung wahrscheinlich nicht mehr lesen kann ohne IQ-Punkte in Mitleidenschaft zu ziehen. Es gibt ja auch gute Journalisten und JournalistInnen in Deutschland. Es gibt nur nicht so viele. Zumindest kommt es mir immer so vor, da es ja ständig irgendwo einen “Shitstorm” und dumme Artikel gibt. Beliebtes Thema hierfür von den Idioten und Idiotinnen: “Der” Feminismus.

Was ich aber jetzt gelesen habe, hat mal nichts mit “dem Feminismus” zu tun oder doch und zwar hat die Sängerin und Rapperin Shirin David momentan “Beef” mit dem Rapper Shindy, weil sie ein “Feature” mit ihm gemacht hat und nicht zufrieden war und doch nicht mit Shindy zusammen arbeiten wollte. Shindy hat den “Track” dennoch veröffentlicht und Shirin hat sich dazu öffentlich geäußert und gesagt, dass sie dies für respektlos hält, was widerum Shindys Teenie-Armee dazu veranlasst hat, Shirin zu beleidigen und bedrohen. (Bunte, Gala, Call me. Ich fange gerne bei euch an, aber ihr müsst schon genug Geld herüberwachsen lassen für ein Talent wie mich).

Ich habe mir beide Lieder angehört und die Videos angesehen.
Shirin wird vorgeworfen, dass es bei ihr nur ums Geld und Aussehen geht und sie eine Möchtegern-Nicki Minaj ist und dann selbstverständlich “Slut-Shamimg” und Frauenhass.
Shirins “Ice” zeigt sie leicht bekleidet und sie rappt über ihren Reichtum. Das dominierende Thema im Rap. “Einfallsreich”. Ja, aber der Beat und Text sind gut und Shirins Stimme ist auch gut.

 

Shindys Video. Es geht schnell mit dem Fremdschämen los. Ich merke es. Es ist so unangenehm. Fremdschämen für Shindy und seine Fans. Das kann man doch nicht ernst meinen. Das ist so peinlich. Nummernschild auf dem “Daddy” draufsteht. Dann diese zwei Ischen, die natürlich auf den “heißen” Shindy stehen, der aussieht als würde eine gesamte Floh- Kollonie in seinem verfilzten Bart wohnen und er trägt einen Mantel, der aussieht wie ein Bademantel, den er aus irgendeinem Drei-Sterne-Hotel gestohlen hat, über das er wahrscheinlich bei Instagram behauptet hat, dass es ein 7-Sterne-Hotel ist. Und der Text ist so langweilig und ich muss das Ganze abbrechen, sonst brauche ich einen Platz zur Traumatherapie, weil das Video so peinlich ist. Der Typ ist peinlich. Alles ist peinlich. Ich breche ab und gucke mir seine Wikipedia-Seite an. Michael Schindler heißt er. Wie Michael Wendler. Das ist so witzig. Aus Baden-Württemberg. Was soll dieser peinliche Fake-Street-Soziolekt? Muss Shindy nicht die Kehrwoche einhalten? Was hat er bitte über Bitches und Money zu rappen? Mach mir Spätzle, Shindy-bitch. Michael Schindler ist beinahe so gut als Street-Name wie Felix Blume, aber nur beinahe. Warum hat er sich nicht Schindluder genannt? Oder Schwaben-Schindle.
Und die Kritik an Shirin, dass sie US-Rapperinnen kopiert? Wer kopiert denn nicht in Deutschland? Selbst Schindluder. Es kommt in dem kurzen Ausschnitts, den ich von seinem Video ausgehalten habe, Musik von “DMX” vor und er sagt, dass er wie er sei (nein, bist du nicht, Schindele. Bau mir ein Häusle, bitch).

“Kritik” an Shirin ist nur mal wieder Sexismus. Das kennt man ja. Deutschsprachige, männliche Rapper haben frauenfeindliche, antisemitische Texte und einige sind IS-Sympathisanten? Egal. “Shirin hat aber”. Ihr dummen Idioten solltet alle mal die Klappe halten.

 

 

Ich sollte vielleicht ein Cover zu Shirins Song aufnehmen.

Ich nenne es “718 Euro”

Das ist die Armutsgrenze in Deutschland, falls ihr das nicht wusstet.

 

Ich kaufe samstags ein vor Ladenschluss,
fahre schwarz in Bahn und Bus
Öffne mein Portemonnaie
leer wie die Wohnung von Marie Kondo
leer ist auch mein Konto
Ich bin die Königin der Hood, die jeder kennt
Finde auf der Straße einen Cent
Bitch, ich bin rich
718 Euro. 718 Euro. 718 Euro. Bitch, ich habe kein Money

Vielleicht sollte ich Bilder von meinem Füßen an Fußfetischisten oder getragene Höschen verkaufen,
dann muss ich auch nicht mehr so viel saufen
Der Drogenabhängige schläft an der Ecke, ich setzte mich dazu und ein Dealer fragt, ob ich für ihn Drogen gegen Geld strecke. Ich lehne ab und das dankend, gehe nach Hause und das schwankend, 718 Euro. 718 Euro. 718 Euro. Bitch, ich habe kein Money

Finde auf der Straße eine leere Packung Diazepam
Da war wohl jemand nicht so sparsam
Habe keine Kreditkarte, wozu auch,
Es knurrt mir der Bauch
Es fällt mir leicht Minimalist ohne Möbel zu sein
habe noch einen 5-Euro-Schein
Werfe Fünfis im Club,
ah, ich komme ja ohne Geld gar nicht hinein
So ist das mit dem Armsein
718 Euro. 718 Euro. 718 Euro. Bitch, ich habe kein Money

Paare

Es gibt ja Menschen, die sich nicht gerne allein mit Paaren treffen (außer für eine Ménage à trois vielleicht oder zum Skat spielen).

Ich mag das – aber nur, wenn das Paar nicht frisch zusammen ist. Da fühlt man sich dann nämlich wirklich wie das dritte Rad am Wagen, wenn sie sich die ganze Zeit abschlecken, Saliva austauschen, sich Küsschen geben, streicheln, verliebt ansehen, in Babysprache miteinander reden, über Namen für ihre zukünftigen Kinder reden, die mögliche Hochzeit oder Hochzeitsreise planen, Bilder voneinander machen, sich unter Kleidungsstücke fassen und der Penisträger in der Beziehung (oder beide im Fall eines schwulen Paares) muss womöglich noch eine Erektion verstecken und die Person (oder die Personen) mit Scheide hat vielleicht eine besonders feuchte Scheide und sondert überall Scheidensekret aus bei Erregung wie ein spuckendes Lama und man selbst als Unbeteiligte/r sitzt nur blöd daneben und denkt, dass Menschen sehr komisch sind.

Paare, die schon länger zusammen sind, eignen sich viel besser, um sich mit ihnen zu treffen. Ich – wenn ich vielleicht nicht mehr so ganz nüchtern bin – als Berufsjugendliche – führe mich dann immer ein bisschen so auf wie als wären sie meine Babysitter, was gut ist, denn an mir können sie üben, wie es ist Eltern zu sein, falls sie mal Kinder haben möchten.

Vielleicht sollte man aber auch nur mit asexuellen Menschen befreundet sein oder mit gar keinen und sich ein paar Katzen zulegen. Ungefähr 50 Stück. Aber dafür braucht man Platz, Zeit und vermutlich einen guten Staubsauber. Es sei denn man entscheidet sich als Crazy Cat Lady für Nackkatzen. Das juckt dann auch nicht so, wenn 50 Katzen einem im Schlaf über das Gesicht klettern und man das ein oder andere Katzengesäß aus nächster Nähe begutachten darf.

Das katzenlose Single-Dasein hat aber auch seine Vorteile. Single zu sein kann gut sein. Denn die Angst vorm Alleinsein ist nicht das, was uns zu lieben fähig macht. Jemanden zu “brauchen”, der oder die einen “komplettiert”, ist nicht gut. Es macht verzweifelt und lässt uns den Erstbesten oder die Estbeste wählen, die uns ein wenig Aufmerksamkeit schenkt, uns aber gar nicht zu schätzen weiß. So entstehen Beziehungen, die eigentlich gar keine sind. Ja, glücklich verliebt, ist schön und für viele Menschen schöner als Single zu sein, aber eine Zwecksgemeinschaft, weil gerade nichts “Besseres” da ist, mag für eine Weile funktionieren, aber so richtig wächst man doch meist als Person nicht dabei, wenn man sich nur an jemand klammert, weil man sich einredet nicht Single sein zu können. Es geht auch als Single.

Glücklich als Single bedeutet, dass man nicht bei jedem Mann oder jeder Frau, der oder die süß ist, gleich an die große Liebe denkt und sich zu schnell in etwas hineinsteigert. Man macht das eigene Ego nicht von einer Person abhängig. Man hat Zeit für Hobbys. Freiheit. Vielleicht engagiert man sich auch sozial oder für die Umwelt. Man “findet sich selbst” oder sieht sich mit zu viel Rotwein Filme an. Ist doch egal. Du bist kein Regal, das zusammengebaut werden muss. Es ist vielleicht eine Schraube locker, aber es fehlt keine. Du bist nicht unvollständig. Du bist kein Projekt, das noch fertig gestellt werden muss. Kein leeres Haus, das noch eingerichtet werden muss. Kein Fehler-Modell, das ausgebessert werden muss. Man ist auch allein komplett. Ein Ganzes. Niemand muss sich komplettieren. Du bist einzeln großartig. Ein Partner sollte dich bereichern. Nicht retten.

Freundschaften knüpfen, neue Hobbys finden, kreativ sein, etwas lernen, fremde Länder erkunden, an deiner Karriere arbeiten, beim Tierschutz aktiv sein, nichts tun – dafür brauchst du keinen Partner. Hast du schon mal daran gedacht, dass du vielleicht Single bist, weil du momentan nicht bereit für eine Beziehung bereit bist und dass Hollywood-Filme genau das sind, nämlich Filme, und dich nicht unter Druck setzen sollten? Und was die “Gesellschaft” sagt, kann dir auch egal sein. Wie oft befragt die Gesellschaft denn dich zu deiner Meinung?

Das denke zumindest ich und vielleicht denkst du mal darüber nach.

Tinder

So stelle ich mir Tinder vor

 

Malte-Erik, 26: “Öhm ja, ich hatte schon voll viele Tinder-Dates und so, ja. Das letzte war schrecklich. Das lief erst mal so voll gut, die sah voll gut aus und war auch übelst klug und so, weil beim Date meinte sie so: “Omg ja, wir sind irgendwie voll die verlorene Generation und so. Weil, weißt du so, wir haben so krass viel Verantwortung und so. Welchen Filter nehme ich bei Instagräm, soll ich meinen Ex-Freund bei Facebook als Freund löschen, weil ich jetzt mit seinem Bruder zusammen bin, ist es uncool, wenn ich zu einem Vortrag in meiner Uni von Michael Nast gehe, obwohl sein Buch doch so voll wichtig ist und so, aber mein Ex-Freund meinte, der wäre irgendwie uncool, hm, und Michael Nast ist doch irgendwie so voll süß und ich weiß jetzt gar nicht, was ich machen soll, ich habe doch schon die Karten für Michael Nast, hm ja und soll ich lieber einen Mode- oder Food-Blog haben, zu welcher Fäschn Week soll ich gehen, welchen Detox Tea kaufen und hm, und ähm, ja, und was ich auch noch sagen wollte, ist, ja, also, ich sage das jetzt einfach mal, dass das nämlich ja auch irgendwie voll scheiße ist irgendwie, auf gut Deutsch gesagt, und das muss auch mal gesagt werden, und darum sage ich das jetzt mal, ja, also, ich wollte sagen, dass der zweite Weltkrieg jetzt schon sooooo lang her ist und wir Deutschen sind ja immer noch voll schuld wegen der ganzen Juden und so. Können die Juden nicht mal irgendwie aufhören rumzustressen? Omg, war das jetzt rassistisch oder so? Ich habe nichts gegen Juden. Die sollen halt nur mal irgendwie über was anderes reden und so. Das sind irgendwie voll die Hobbylosen und so. Und warum sind wir Deutschen immer schuld? Was ist denn mit den blöden Ösis? Ich meine ja nur, Malte-Erik.“ und ich sagte: “Endlich mal eine kluge Frau. Ich dachte, es gäbe nur Dumme. Ja, Stalin hat ja auch voll viele umgebracht und Maoam auch und so. Das habe ich mal bei einer Ntv-Dokumentation gesehen. Darüber redet ja auch keiner. Immer nur wir Deutschen. Hm, oder war das auf N24?“ und sie so: “Stalin? Ist das ein DJ? Ich glaub, ich habe den schon mal im Berghain gesehen.“ und da war ich voll beeindruckt irgendwie, mein Herz pochte ganz laut und ich hatte gleichzeitig eine Erektion und das war so Herz-Emoji irgendwie und ich konnte es nicht glauben, dass ich mit so einer klugen Frau bei einem Date bin, die sich irgendwie voll viele Gedanken macht und so und ich wollte halt schon ein Start-up-Unternehmen mit ihr gründen, als sie meinte, dass sie immer ironisch ins St. Oberholz geht, weil sie da um die Ecke wohnt und sie hat zwar auch ein Macbook, aber das nimmt sie da nicht mit, weil ihr das irgendwie peinlich wäre, weil sie ja nur einen Kaffee trinken will und die im St. Oberholz haben ja eh irgendwie nichts zu sagen und sollten aufhören zu schreiben und so, weil sie hat viel mehr zu sagen. So voll einsteinmäßig, ja, aber dann, dann hat sie Foucault falsch ausgesprochen, Foucault, weil sie hat nämlich Fucker gesagt und sie meinte, sie hat ihn gelesen, weil das ja voll zu einem intellektuellen Menschen irgendwie dazugehört, dass man den liest, aber sie hat gar nicht verstanden, was er da schreibt und so und dann hat sie ihn bei unserem Date falsch ausgesprochen und das war so schrecklich irgendwie. Da habe ich das Date gleich abgebrochen und bin schreiend rausgerannt und musste einen frischen, grünen Smoothie für 10 Euro trinken, weil wegen der Vitamine und der freien Radikale und so, weil ich die nach dem Date dringend brauchte für meinen Detox. Hm, ja.“ und er fängt an zu weinen. “Ich studiere Soziologie. Und dann das. Bitte, schnell. Bring mir einen Smoothie. Fucker!“ und er bricht zusammmen, kauert auf dem Boden in der Ecke und schlägt mit dem Kopf gegen die Wand. Die Verzweiflung ist ihm ins Gesicht geschrieben. “Ich leide an posttraumatischer Belastungsstörung! Smoothie! Schnell. Hiiiiiiiiiilfe! Buhuhu. Foucault! Ich werde allein sterben! Niemand liebt mich! Ich will zu meiner Mama! Ich hasse euch alle!“

Julia, Nickname Bi-Girl69, 24 schreibt: “Ich habe in meinem Profil geschrieben, dass ich natürlich Feministin bin, damit die geilen Weiber, die Feministinnen sind, nicht denken, dass ich was gegen sie habe. Ich habe geschrieben: “Ein bisschen bi, schadet nie. Schreibt mir, ihr heißen Girls.“ Und da kommt so eine zum Date und die ist irgendwie so voll behaaart, so voll Urwald-mäßg, und ungeschminkt? Und ich so wtf?! Und ich so: ‘ewwwww. Wie siehst du denn aus?‘ und die so: ‘Warum?‘ – ‘Ja, du bist so behaart und hässlich halt?‘ und dann kam dann raus, dass das irgendwie voll das Missverständnis war. Ich: Feminismus= freethenippple, sex positive, Porn is empowering for women, omg, you guys, habt voll viel Sex mit jedem, weil sonst seid ihr voll prüde lolz und Christen halt, Prostitution is empowering for women, Pussy Riot, Femen und die so: Typ Kampflesbe in Flanell, BMI mindestens 28, kauft Sexspielzeug im Baumarkt, second Wave Feministin. Hm ja, dann date ich jetzt vielleicht doch wieder nur süße Boys und keine hässlichen Weiber. Am besten Boys in Bands, aber nur der Sänger oder vielleicht noch der Gitarrist. Weißt du, was ich meine?“

Daniel-Hendrick, 28: “Jan Böhmermann ist so voll witzig haha. Das ist der beste Satiriker vom Deutschland. Omg, Satire darf alles, okay? Das mit dem Ziegenficken hahahahaha. So witzig. Oder waren das Schafe? Ich liebe Böhmi so. Wie viele Satiriker ich sonst noch kenne? Ja, öhm, keine. Nein, warte mal, Klaus Winterschledt? Und Otto Walkes. Ist Otto Walkes ein Satiriker? Ja, oder? Hm, dann noch Mario Barth vielleicht. Und du so?“

Dennis 26: “Es ist echt wichtig informiert zu sein und Nachrichten und so zu lesen. Ich bewundere ja total Leute, die bei Springer arbeiten. Ich würde da auch voll gerne arbeiten, aber ich bin halt nicht so talentiert. Ich meine, Frededick Schniedeln omg, das ist so ein voll krasser Hipster-Typ. Der ist so der König von Mitte, ey. So wie halt der König von Mallorca Jürgen Drews, aber Mitte-Hipster halt und nicht Mallorca oder meinst du der wohnt im Prenzlberg? Omg, ich wohne auch im Prenzlberg. Letztens war ich so in Kreuzberg gewesen. Omg, das war voll dreckig da irgendwie und die chicks waren auch nicht so prall. Ich mein, ich konnte die gar nicht auschecken, weil die halt so ihre Moslemtücher umgebunden haben und so. Frededick ❤ Ich will auch so ein cooler Hipster-Typ sein. Ist das jetzt irgendwie gay? Liest du gerne den Focus und die Welt? Diese Zeitungen regen voll zum Nachdenken an. Denken ist ja eigentlich voll lame so und macht voll müde. Ich lese ja sonst nur die Schlagzeilen der Bild im Spätkauf lolz. So voll gut. Ich habe früher auch voll gerne die FHM gelesen, aber die gibt es ja leider nicht mehr. Ich liebe auch Don Alphonso. Der ist so klug, ey.  Der ist jetzt auch bei der Welt hihi. Was liest du denn so? Hm, kenne ich nicht. Klingt irgendwie langweilig und so. Bücher von französischen Autoren? Ich kenne mich schon mit Französisch aus, aber nicht mit Büchern hahahahahaha. Wolle wu kuschä aveck moah? Hahahahahahahahahahahahahahahahaha. Blasen geht auch. Hahahahahaha. Kannst du mir mal ein Nacktbild von dir schicken? Ich will ja schon mal vorher checken, ob sich ein Treffen mit dir überhaupt lohnt, Baby. Magst du anal?“

Marvin, 23: “Du kennst ja irgendwie nur so alte Musik und Filme und Bücher und so? Voll langweilig.“

Ingo, 30: “Ich liebe dich, warum schreibst du mir nicht? Ich habe dir vor zwei Minuten schon mal geschrieben und du ignorierst mich? Wer denkst du, wer du bist, du dumme Schlampe? Ich bin dir wohl nicht gut genug, was? Ihr Frauen wollt doch eh nur Typen mit Geld und einem dicken Auto. Ich wollte dir gar nicht schreiben. Ich habe mich verklickt. Dir will doch sowieso keiner schreiben. Darum hast du dich auch hier angemeldet, weil du keinen abkriegst. Du hässliche Schabracke. Du bist so dumm.“ Weitere Nachricht: “Hure.“

Patrick, 29: “Dickpic“.

Daniel, 35: “Sorry, du bist mir zu alt. Ich suche nur 18 – 23”.

Luis, 28: “Nein, das hier ist keine kostenlose Werbung für mich, aber geh mal auf diese Seite. Das ist mein Unternehmen. Wenn du Waren im Wert von 1000 Euro bestellst, können wir ein Date haben. Vielleicht kaufst du bei unserem Date noch mehr.”

Finn-Luca, 18: “Wollen wir uns treffen, bae? Ich steh voll auf Milfs und du bist echt #onfleek Mein Opa sagt auf alten Schiffen lernt man segeln. Magst du Bibi’s Beautyplace? Wer ist deine Lieblings-Kardashian? Was trinkst du gerne bei Starbucks? Findest du auch, dass Justin Bieber jetzt cool geworden ist? In meinem Profil steht zwar 18, aber ich bin erst 16. Deshalb vor meinem 18. Geburtstag nur Petting lmao. Ich fasse dich kurz für eine Sekunde am Arm oder Ohr an oder so, du stöhnst ganz laut und dann cumshot wie in den Pornos. Du willst ja nicht in den Knast? Wie bei Orange is the new Black rofl. Age is just a number und 1 Gefängniszelle ist auch nur 1 Raum bahahahaha muahahaha. Auf, schreib, mir, grandma. Komm schon, hoe. Bist du gut in Englisch? Ich bräuchte Hilfe bei den Hausaufgaben. Ich bin versetzungsgefährdet. Hast du 1 Auto? Du kannst mich gerne mal von der Schule abholen und meinen bros und mir Bier kaufen. No homo. Ich und meine bros hätten voll gerne Tattoos. Wir dachten so an Tränen unter den Augen. Kannst du mit ins Tattoo-Studio kommen und sagen, dass du unsere Mom bist? Du hast halt früh angefangen lmfao. Bitch lol.” Augerginen-Emojis.

Pollyanna 27 und Manfred 30: “Hi, wir sind ein Poly-Paar und suchen eine Gespielin. Wärst du interessiert? Wir wollen aber noch mal explizit erwähnen, dass wir POLY sind. Das heißt, wir schnackseln mit jedem und kennen keine Eifersucht. Hi, jetzt schreibt Manfred. Also, ich war schon mal eifersüchtig, als die Pollymaus was mit meinem Chef hatte, die haben es wie die Karnickel auf dem Kopierer getrieben, aber das war ja nur ein Quickie. Das ist einfach dieses soziale Konstrukt der Monogamie, das uns aufgezwungen wurde, das mich noch voll an den Eiern hat, aber ich löse mich immer mehr. Hier wieder, Pollyanna. Ja, also, wir wollen nur mal schreiben, dass die Scheiß-Monogamie so voll obsolet ist. Diese ganze heteronormative Spießerscheiße, ey. Die Leute lügen sich nur was vor und die sind halt mal so gar nicht glücklich. Also, was ist? Kommst zu zum Schnackseln vorbei? Wir können uns auch bei dir treffen. Was sind deine sexuellen Vorlieben und Tabus? Kannst du vorher einen Chlamydien-Test machen? Manfred hat schon mal Chlamydien von seinem Bankberater bekommen und das hat so gejuckt. Bist du rasiert? Manfreds Maße sind 19×6. Heiße Küsse, Pollyanna und Manfred.”

Julia, 25: “Ich bin Journalistin und Autorin. Ich wohne in BERLIN. BERLIN ist das neue New York. Das sogenannte New new York. Ich bin nur hier wegen eines Artikels über Tinder. Soll ich dir von meinem Tag erzählen? Ein Mann in billigen, verschlissenen Klamotten sieht MICH an, wie ICH ins Taxi steige. Sein schmutziges Gesicht ekelt MICH an. Ja, ICH habe Geld, armer, hässlicher Mann. Ja, ICH steige ins Taxi. Ja, ICH fahre in die Redaktion. Ja, ICH treffe mich mit meinem CHEFredakteur Dulf Schnorchlhardt und du bist arbeitslos. Ja, ICH. ICH rauche eine Zigarette und blase ihm den Rauch ins Gesicht. Er will Kleingeld. ICH gebe ihm keines. “Verpiss dich, hässlicher Mann“, sage ICH. “Du bist arm und erbärmlich und ICH bin eine überaus erfolgreiche, talentierte Medien-Lady.“ ICH fahre im Taxi an Jugendlichen vorbei. ICH hasse sie. Da sind auch noch hässliche Frauen. Überall sind die. ICH hasse auch sie, diese unterbelichteten Nutten, aber ich verspüre auch etwas Mitleid. Sie können nichts dafür, dass sie nicht ICH sein können. ICH. Es ist Wetter, es ist ein Tag. Das Wetter tut, was das Wetter tut. Schlapp wettert es sich vor sich hin. Das Wetter, es ist nicht Jörg Kachelmann. ICH bin nicht das Wetter. ICH bin. ICH. ICH. Unsere Generation ist depressiv. Ennui, Ennui. ICH, ICH. Der Tag tagt mal wieder eine Tagung. Bis die Tage will ICH sagen, aber morgen wird schon ein neuer Tag sein. Das ist, was der Tag macht, er kommt immer wieder wie Herpes. Man kann den Tag nicht vertagen. Tag ein, Tag aus, ist da Tag, so viel Tag und das Wetter, das Wetter, ja, das auch. Wir sind reich und darum so arm. ICH bin so tiefgründig. ICH bin ICH. ICH gucke mir Tschörmani’s Näxt Topfmodel an. ICH bin schöner als wie die alle. ICH. ICH bin zu famous geworden. Darum lege ich mir ein Pseudonym zu. ICH bin ja auch irgendwie voll pseudo hihi. ICH nenne MICH Schwére von Bägriffe. Das Von bitte nicht vergessen. ICH bin schön und klug und ihr seid alle dumm und ekelhaft. Kauft euch Rotkäppchen-Sekt von eurem Hartz IV. Ihr widerliches Gesindel. Pöbel. Seid ihr dumme, fette, feministische Kampflesben oder Psycho-Autisten oder beides irgendwie? Gebt MIR Geld, ihr dummen, primitiven Affen. ICH fahre an euren Arme-Leute-Hochhäusern und der Klapse vorbei und lache euch aus. Ihr werdet nie ICH sein.“

Ralph-Thorben, 49: “Willst du nicht mal einen richtigen Mann? Diese ganzen Grünschnabel haben doch nichts drauf, Süße. Die arbeiten doch alle bei Vice or machen ein Praktikum und nehmen schlechtes Koks. Du willst dich doch nicht auf einer dreckigen Matratze in einem WG-Zimmer von so einem schwängern lassen? Versau dir nicht die Zukunft, Mädchen. Mir gehört eine Werbeagentur und ich habe gutes Koks. Ich habe eine Eigentumswohnung mit Dachterrasse. Also, was ist? Schick mir mal deine Nummer? Ich habe das ja hier alles eigentlich gar nicht nötig, aber ich war mal neugierig, Darling.“

Julian, 25: “Nein, Schatz, ich bin hier nicht angemeldet, um Frauen kennenzulernen. Bist du dumm? Wie kommst du darauf, dass ich das hier machen will? Was unterstellst du mir? Ich will nur dich. Du bist ja paranoid. Ja, und? Ist es verboten sein Bild bei Tinder zu ändern? Das bedeutet nicht, dass ich hier aktiv bin. Du bist doch verrückt. Nein, das war keine Benachrichtigung von Tinder. Ja, das weiß ich doch nicht, warum Tinder mir das schickt. Du solltest eine Therapie wegen deiner Eifersucht machen. Das ist ja nicht normal. Ja, deine Freundinnen haben mich bei Tinder gesehen, als wir Streit hatten, weil du wieder so zickig und eifersüchtig warst und ich mich ablenken musste. Ich brauche das für meine Ego. Ich suche nur Freunde. Ich weiß nicht, warum ich mich hier angemeldet habe. Mein Hund hat sich bei Tinder eingeloggt.”

Horst-Joachim, 82: “Na, du kesse Biene. Willst du mal um meinen Stängel herumschwrirren? Ich habe euch eine Ladung Nektar für dich. Ich habe eine Großpackung Viagra. Magst du Rollenspiele?“

 

Alle erwähnten Personen sind natürlich frei erfunden.

Betrunken blamiert

Wie man damit umgeht, sich betrunken blamiert zu haben
Der Alkohol floss in Strömen und Sie wurden gefühlsduselig, haben peinliche SMS verschickt, fremde Menschen mussten als Ihre Therapeuten oder Therapeutinnen herhalten, nackt waren sie vermutlich auch noch und haben so viel geredet, dass niemand anderes zu Wort kam. Leider haben Sie nichts sonderlich Intelligentes gesagt, im Gegenteil, wenn ich so sagen darf und jetzt schämen Sie sich verständlicherweise. Was können Sie trunkener Tunichtgut nun für Ihr Ego tun?

Viele Menschen mögen Listen. Deshalb hier eine Liste für alle beschämten Trunkenbolde.

 

1.

Wer immer schon mal daran gedacht hat auszuwandern – weit weg, nach China zum Beispiel – jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür. Sachen packen und los geht’s. Üben Sie sich aber bitte in der neuen Heimat in Abstinenz oder maßvoller Selbstkontrolle. Sonst müssen Sie innerhalb weniger Tage – oder vielleicht sogar am Ankunftstag – wieder auswandern, weil Sie sich schon wieder betrunken blamiert haben. Da kann man aber eine Karriere als Vertreter/in durchaus in Erwägung ziehen. Lassen Sie sich in Ihrer Arbeitsagentur beraten

 

 
2.

Falls Sie es mit der betrunkenen Blamage nicht sein lassen können, können Sie sich vielleicht in ein islamisches Land versetzen lassen bzw. den Arbeitgeber wechseln. Da ist Alkohol gleich verboten. Wenn Sie sich da nüchtern immer noch daneben benehmen, liegt es nicht am Alkohol, dass Sie so sind wie Sie sind. Das nur mal so. Lassen Sie das dann vielleicht lieber sein, falls Sie sich nicht in eine existenzielle Sinnkrise stürzen möchten.
Wer nicht auswandern möchte, kann sich ja in der Nachbarstadt absetzen, wo einen niemand kennt

 

 
3.

Wer öfter mit dem Gedanken gespielt hat Schönheitsoperationen auszuprobieren und sich bis zur Unkenntlichkeit zu verändern, hat jetzt einen guten Grund dazu. Auch schön wäre eine vorgetäuschte Transsexualität mit Namenswechsel. Wenn Sie zwar dem Alkohol nicht abgeneigt sind, aber Aufwand und Ambition scheuen und deshalb das Obige für Sie nicht in Frage kommt, dann wäre es für Sie empfehlenswert ab sofort nur noch verkleidet vor die Haustür zu gehen. Niemand wird Sie erkennen und Sie können so tun als sei nichts gewesen

 

 
4.

Gibt es Außerirdische? Warum nicht Astronaut/in werden oder gar selbst ein Raumschiff bauen, damit ins All fliegen und es herausfinden. Wenn es keinen Alkohol auf dem neuen Planeten gibt, kann ja nichts schiefgehen

 

 
5.

Falls Sie sich vor einer Gruppe Menschen betrunken blamiert haben, die sich jetzt über Sie lustig macht und das auf überaus gemeine Art, kann man sich doch einfach ein paar Gerüchte über diese unangenehmen Zeitgenossen ausdenken und verbreiten, die um noch um einiges peinlicher sind. Schon redet niemand mehr über Sie

 
6.

Verdrängen Sie

 

7.

Betrinken Sie sich wieder und dieses Mal trinken und blamieren Sie sich noch mehr. Dann ist das eine Mal, als Sie sich betrunken blamiert haben, nicht so peinlich, weil es öfter vorkommt. Irgendwann gewöhnt man sich daran

 

8.

Haben Sie schon mal daran gedacht, dass die Menschen, die Sie in Ihrem betrunkenen Zustand aushalten mussten, Sie schon vorher nicht mochten und nun hat sich die Abneigung gegen Sie nur nochmals vertieft? Es ist doch schön für Sie, dass Sie schon vorher unbeliebt waren

 

9.

Reden Sie sich ein, dass die anderen Menschen langweilig sind und deshalb nicht Ihr peinliches, betrunkenes Verhalten zu schätzen wissen

 
10.

Werden Sie Prank-Youtuber und verdienen Sie Millionen. Da kann man für Geld peinlich sein und seinen Freunden weismachen, dass das betrunkene, peinliche Verhalten nur Übung für die bevorstehende Youtube-Karriere war

 
11.

Wechseln Sie den Freundeskreis. Wenn Sie nur noch mit Ballermann 6 – und Balaton-Saufbrüdern befreundet sind und Ihre Wochenenden ab sofort aus einem Junggesellenabschied nach dem nächsten in den Rotlichtmilieus diverser europäischer Städte bestehen, ist die Erwartungshaltung an Sie eine ganz andere und Sie erhalten sogar noch Lob für besonders peinliches, betrunkenes Benehmen

 

12.

Vielleicht liegen Ihnen aber auch Drogen einfach mehr als Alkohol. Man kann aber auch immer noch die heftigste Droge überhaupt versuchen: Nüchternheit, bei Ihren armen Mitmenschen entschuldigen und aus den Fehlern lernen

 

Zusammen

Sie hatten sich ein Reihenhaus gekauft. Tillman, Larissa die zwei Kinder und der Hund. Die Kinder sagten, sie hätten noch gerne ein Meerschweinchen, aber Tillmann und Larissa wussten nicht so recht, ob der Hund nicht schon als Haustier ausreichte. Man musste so oft mit ihm Gassi gehen und er war süß, aber groß und nahm viel Platz in Anspruch und jetzt auch noch ein Meerschweinchen? Sie waren sich nicht sicher. Zu zwei Meerschweinchen hatte ihnen Klothilde, die Tierfreundin aus der Nachbarschaft, mit der sie manchmal Smalltalk führten, geraten. Man hält mindestens zwei Meerschweinchen, nicht eines allein, sagte Klothilde. So ein Meerschweinchen, oder zwei besser gesagt, das nimmt nicht viel Zeit und Platz in Anspruch, so dachten sie, aber zusätzlich zum Hund noch zwei Meerschweinchen? Würde das nicht zu viel werden für sie und die Kinder? Die Kinder waren noch klein und die meiste Arbeit den Hund betreffend fiel auf sie ab. Tillmann und Larissa sagten zwar “sie”, aber meinten damit eigentlich nur Larissa.

“Es ist jetzt fünf Jahre her, dass wir uns bei einer Dating-App kennengelernt haben”, sagte Larissa, nachdem die Kinder im Bett waren.

“Ja, das ist doch schön Schatz”, sagte Tillmann.

“Ein Arbeitskollege, Luis, hat schon wieder gefragt”.
“Schöne Grüße”, sagte Tillmann.

“Und der Paketbote.”
“Ist der nicht schon in Rente?”

“Nein.”

“Der sieht so alt aus.”
“Schatz.”
“Was kochst du heute? Ich hätte mal wieder Lust auf Thüringer Klöße”, sagte Tillman.
Larrisa stöhnte.
“Müde, Schatz?”
“Nein”, sagte Larissa. “Ich würde nur gerne mit dir reden.”
“Das trifft sich gut. Ich auch mit dir. Hast du schon über die Meerschweinchen nachgedacht?”

“Schatz, können wir darüber bitte ein anderes Mal reden?”
“Aber Larissa”, sagte Tillmann. “Willst du nicht, dass die Kinder happy sind?”
“Nein,” sagte Larissa laut. “Ich meine doch.”
Eines der Kinder weinte.
“Na toll, Larissa. Jetzt hast du die Kinder geweckt.”
Larissa seufzte. “Ich gucke mal, was er hat.” Aber da verstummte das Kind wieder.
“Er schläft weiter”, sagte Larissa.
“Ja”, sagte Tillmann und blickte wie hypnotisiert auf sein Handy-Display.
“Zwei Meerschweinchen, Schatz?” fragte er.
“Tillmann, ich muss mit dir reden.”
Tillmann stöhnte auf. “Was ist denn, Larissa? Hast du deine Tage?”
“Nein, aber ich will mit dir reden.”
Tillmann blickte nicht vom Handy auf.
“Ich rede mit dir”, sagte Larissa.
“Was?” sagte Tillmann gereizt.
“Sind wir zusammen oder nicht?” sagte Larissa.
“Fängst du schon wieder damit an?” sagte Tillmann. “Ich habe dir gesagt, dass ich keine Labels mag. Du sollst nicht immer so emotional und aufdringlich sein.”
“Wir sind seit über fünf Jahren zusammen, haben Kinder und ein Haus.”
“Hund”, sagte Tillmann.
“Bitte?” sagte Larissa.
“Wir haben auch einen Hund und vielleicht auch noch Meerschweinchen.”

Feministische Mode

Aufdrücke wie ”Feminist”, ”Girls support girls” und ”This is what a feminist looks like” zieren die T-Shirts und Tops in den Bekleidungsgeschäften und Online-Verkaufsseiten westlicher Länder und viele Menschen fragen sich: Ist das feministisch? Ist das feministische Mode?

Zu Recht wird von Feminist/innen selbst, aber auch von den verbissenen Anti-Feminist/innen kritisiert, dass die Kleidung in ärmeren Landern in Asien von Mädchen und Frauen genäht wird, die für einen Hungerlohn und unter schlechten Arbeitsbedingungen arbeiten müssen und ausgebeutet werden, damit – so lautet die Kritik – ignorante Frauen im Westen mit erhobener Brust politische Statements, die für Solidarität unter Frauen stehen sollen, auf der so modisch-“woken” Kleidung präsentieren können. Im normalen Alltag, auf sozialen Medien, beim Women’s March.

Es war 2014 als Karl Lagerfeld mit seinen Models bei der Präsentation der Chanel-Frühlingskollektion eine feministische Demonstration inszenierte. Ist das Feminismus oder Marketing wurde gefragt. Vermutlich ging es Lagerfeld eher um Geld. Das Auffangen eines Trends. Femnistinnen galten nicht mehr als unmodische lila Latzhosen-Trägerinnen, nein – oftmals jung und aufgeschlossen, kaufkräftig, hip und ”empowered”. Daraus musste Kapital geschlagen werden.

Es geht um Geld in der Mode-Industrie. Die großen und kleinen Modehäuser möchten verkaufen. Moderne Frauen posten auf sozialen Plattformen wie Instagram über Feminismus. Man ist nicht mehr wie früher die ”behaarte Männerhasserin” und wenn man behaart ist, sieht man dabei gut aus. Feminismus ist seit ein paar Jahren ”in”. Der Mainstream-Feminismus ist ein liberaler Feminismus. Die bestimmenden Themen sind sexuelle Freizügigkeit, die Unterstützung von Porno-Industrie und Sex Work und ”Identity politics”. Der liberale Feminismus lässt sich gut verkaufen. Man kann ”gut aussehen”, Konsumentin und Feministin sein.

Ist es daher gut, wenn meist junge Frauen diese ”feministischer” Mode kaufen?

Ja und nein.

Selbstverständlich ist es von Feministinnen abzulehnen, dass die so frauenfreundlich-scheinende Kleidung von armen Mädchen und Frauen in Asien genäht und dann im Westen verkauft wird, aber zumindest beschäftigen sich die Feministinnen in der westlichen Welt mit Feminismus und stehen dazu, schämen sich nicht mehr, denn auch wenn Feminismus nicht mehr so einen schlechten Ruf hat – immer noch bei unpolitischen, konservativen und weltfremden Menschen, aber auch bei den Möchtegern-“coolen Girls”, die alles daran setzen Mann zu gefallen und ja nicht negativ aufzufallen wie die ganzen ungezähmten, hysterischen Feministinnen – und die feministische Bewegung unterstützt wird von aufgeklärten, modernen Menschen, sind noch nicht alle Menschen über Missstände aufgeklärt. Diese sogenannte feministische Mode bietet Berührungsfläche mit dem was Feminismus sein könnte. Es ist oberflächlich, aber es ist eine erste Begegnung und ein Statement: ”Seht her, ich bin Feministin.” Frau schämt sich nicht, denn es gibt nichts, worüber man sich schämen muss. Frau ist stolz und das ist gut.
Frau zeigt anderen Frauen, dass sie stolz ist. Es ist besser, dass vielleicht die Lieblings-Influencerin Feministin ist und das auch nach außen trägt als Vorbild für ihre Followerinnen als dass eine spießige Anti-Feministin zum millionsten Mal verkündet, warum sie “den” Feminismus ablehnt und keine Feministin ist. Sie ist “kein Opfer”, sie mag Männer, “Frauen geht es hier doch gut”, eine Frau, die Feministin ist und die aber keineswegs als Vertreterin aller Feministinnen gewählt wurde, hat mal etwas gesagt, was der Anti-Feministin nicht zusagt und deshalb sollte sich jeder von “dem” Feminismus lossagen. Es ist immer das Gleiche. Dann lieber eine kluge, moderne Frau mit einem feministischen Slogan auf der Brust, der neuen feministischen Werbefläche. Aber es gibt einiges zu kritisieren.

Nicht nur die Herstellung der feministischen Mode und die Kritik an dieser ist etwas, womit man sich beschäftigen muss.

Es kam in diesem Sommer heraus, dass der Gründer und CEO Alan Martofel des Modelabels “Feminist Apparel”, das sich, wie der Name erahnen lässt, auf feministische Mode spezialisiert hatte, Frauen sexuell belästigt hatte, bevor er seine Berufung als feministischer Geschäftsmann gefunden hatte und das zu Geld gemacht hatte. Als Angestellte des Betriebs daraufhin seine Kündigung forderten, entließ Martofel diese.
Wir wissen nicht immer, wer hinter feministischer Mode steckt und was deren Beweggründe sind. Ein gutes Herz? Selten im Kapitalismus. Das muss auch nicht immer Feminismus im Kapitalismus sein. Beauty- und Mode-Label und andere Großkonzerne, die auf einmal auf “Body positivy” und “inclusivity” setzen, sind nicht immer authentisch und man sollte, wenn es um Geld geht, nicht zu naiv sein.

Ist es egal, ob man feministische Mode trägt, die von armem Frauen genäht wurde, weil das Top ohne feministischen Bezug auch von diesen Frauen genäht wird? Nein, das wäre scheinheilig.

Dass die Tops, Pullover und T-Shirts eben nicht Fair Trade sind – das muss kritisiert werden. Warum nicht jemand unterstützen, der eigene Mode, Mode mit feministischen Aufdrücken, verkauft oder warum nicht selbst machen?

Warum nicht mit Frauen fair zusammenarbeiten?

Wir alle sollten unser Konsumverhalten hinterfragen und uns Gedanken über Fast fashion machen, weniger kaufen. Die Kritik an feministischer Mode sollte eine Kritik an aller Mode sein. Es ist nur ein kleiner Ansatz. Feministische Mode ja, aber nicht ohne sich vorher Gedanken gemacht zu haben, was man mit dem Kauf dieser Mode unterstützt.

Mykonos, bitch

 

 

Vielleicht sollte ich auch mal wieder abends ausgehen statt melancholisch herumzuhängen und zunehmen,  aber ich denke aus dem Alter bin ich heraus. Es ist erst wieder “hip” auszugehen, wenn man alt ist. Ab einem gewissen Alter hat das alles so ein bisschen etwas von: Hat er oder sie nichts Besseres zu tun tun? Und meistens ist es ohnehin langweilig. Und dann macht man eine kleine Pause von drei bis vier oder fünf Jahrzehnten und taucht wie Phoenix aus der Asche als Techno-Rentner auf, der länger wachbleiben kann als die jungen Hüpfer und dank neuem Hüftgelenk auch besser tanzen kann. Aber andererseits ist das nur so eine Art “Alters-Shaming”. “Feiern gehen” war schon mit 18 langweilig und nur dank diverser Muntermacher und dergleichen besser als nicht feiern.

Vielleicht ist das auch irgendwie nur eine Winterdepression, die aber einfach ein bisschen aufdringlich ist und sich in allen Jahreszeiten breitmacht.  Ganz schön großes Ego. Vielleicht soll ich sie als Inspiration nehmen.

Bewerbung als Reporterin

SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG

Ericusspitze 1

20457 Hamburg

Hi, ihr Süßen,

ich habe gehört, dass bei euch eine Stelle frei geworden ist, da Claas Relotius gekündigt wurde hihi.

Ich bin momentan auf Expedition in Südamerika, in Bolivien genauer gesagt, wo ich ein Naturvolk entdeckt habe über das es noch keine Erforschungen gibt. Ich bin hier seit einem Monat und habe inzwischen die Sprache des Stammes, der mich aufgenommen hat, erlernt. Erst waren die Ureinwohner misstrauisch auf Grund meiner schönen, blonden Haare, aber mittlerweile haben sie mich ins Herz geschlossen. Ich bin ja auch ziemlich süß und liebenswürdig. Der Häuptling hat bestimmt, dass ich seine Nachfolge antreten soll, da er inzwischen in die Jahre gekommen ist. Ich denke aber nicht, dass ich das Angebot annehmen kann.

Ich bin noch ein bisschen erschöpft von meiner Reise an den Kilimanjaro, den ich schuhlos in Rekordzeit von einer Stunde allein bestiegen habe – nicht ganz – mit einem Alpaka mit dem ich mich angefreundet habe und mit dem ich über intentionale Schwingungen – ein physikalisches Phänomen, das ich auch entdeckt habe – kommuniziert habe. Ich warte noch auf die Email des Guiness-Buch der Rekorde, die bestätigt, dass ich mit meinem neuen Rekord aufgenommen wurde. Es ist ärgerlich, dass hier im Urwald der Empfang nicht so gut ist. Ich kann auch nur schlecht in Kontakt mit der syrischen Familie bleiben, die ich bei der Besteigung des Kilimanjaros kennengelernt habe. Das ist eine ganz witzige Geschichte.

Hoch oben auf dem Gipfel traf ich eine Familie mit drei kleinen Kindern. Sie sahen müde aus und waren ausgemergelt, aber hatten ein Leuchten auf den zarten Gesichtern. Zu meinem großem Erstaunen hatten sie eine Deutschlandfahne auf dem Gipfel drapiert. “Warum hängt hier eine Deutschlandfahne?” fragte ich auf Syrisch, das ich kürzlich dank einer App, die ich selbst entwickelt habe, erlernt hatte.

“Wir sind hier in Deutschland”, sagte der Vater stolz. Er zeigte auf etwas. Ich trat näher. Ein Bild von Bundeskanzlerin Merkel. Eingerahmt. Es stand auf so etwas wie einer Kommode. Nicht fachmännisch zusammengezimmert und mit Schnee bedeckt.
Der Vater erzählte von der mühsamen Reise, von Geld, das von einer Hand in die andere wechselte, von schlaflosen Nächten und Hungersnot. Die Flucht – angetrieben von Angst aber auch Zuversicht.
Ich versuchte den Syrern zu erklären, dass sie falsch lagen. Dass dies nicht Deutschland war. Ungläubig blickte man mich an. Mein blondes, teutonisches Haare blendete sie und meine Worte sorgten für Verwirrung. Es stellte sich heraus, dass sie einmal links falsch abgebogen waren. Ich versprach wiederzukommen und die Familie nach Deutschland zu führen. Ich rufe deshalb zu einer Spendenaktion in Ihrem Blatt für diese Familie auf. Ich werde das Geld, das zusammenkommt, selbstlos verwalten und es persönlich übermitteln. Vielleicht fliege ich dafür mit einem Raumschiff nach Deutschland. Mein Altruismus ist grenzenlos.

Ich lernte in Brasilien ein weiteres Urvolk kennen, das den Kontakt zu jeglicher Zivilisation scheut. Mein blondes Haar wirkte vertrauenswürdig und nach kurzem Small Talk auf Spanisch, das ich ebenfalls fließend wie Tagalog, Ungarisch, Französisch, Englisch, Latein, Alt-Griechisch und Zulu beherrsche und das ein Jüngling, der Sohn des reichsten Mannes dieses Volkes, der einige Zeit in Andalusien verbracht hatte, sprechen konnte und sich mit mir angeregt unterhielt, führte man mich zu einem Feld und sagte, dass dort regelmäßig ein UFO landete und man in Kontakt zu Außerirdischen stünde. Ich muss aber noch einmal zurück und das Ganze erforschen. Ich lerne derzeit brasilianisches Portugiesisch, was mir meine Erforschungen erleichtern wird. Ich möchte ja keine Fake News verbreiten. Ich mache keine Lügenpresse, hihi.

Das erinnert mich aber ein wenig an meine Reise nach Indonesien, wo ich beinahe ein neues Welt-Wunder entdeckte, aber es dann doch nicht dazu kam, weil ich eine gesamte Großstadt durch meine außerordentlichen Fähigkeiten rettete.

Ich bin ein bescheidener Mensch und es beschämt mich, dass das hier den Anschein erwecken könnte, dass ich mich selbst rühme. Mein Talent als Reporter ist aber unleugbar, wenn ich das so sagen darf. 

Ich kann nicht so viel schreiben, weil ich ein gestohlenes Kunstwerk an seinen rechtmäßigen Platz in einem südeuropäischen Museum mit meinem selbstgebauten Hubschrauber zurückfliegen muss. Ich habe dafür einen Deal mit einem international bekannten Kunstfälscher und einem russischen Oligarchen in Tokio ausgehandelt, sodass das gestohlene Gemälde wieder in Kürze im Museum von der Öffentlichkeit studiert werden darf. Das ist alles top secret und leider kann ich noch nicht so viel darüber schreiben. Ich habe dafür meine Kontakte spielen lassen und gegen Diamanten, die mir ein afrikanischer Prinz hat zukommen lassen, eingetauscht. Ich und meine Deals, hihi. Ich hätte sie natürlich auch selbst behalten können, aber so bin ich nicht.

Ich muss mich eigentlich für meine Rolle als neuer James Bond vorbereiten, aber es gibt so viel zu tun als erfolgreicher Reporter. Mein Handy klingelt. Wer kann das sein? Ah, es ist Trump, dieser US-amerikanische Trottel. Sicherlich möchte er mich mal wieder zum Golfspielen einladen, aber dabei bin ich schon mit Obama verabredet. Trump hat mir erzählt, dass er eine Rakete aus Mexikanern bauen und dann im Mittleren Osten abwerfen lassen wollte. Ich konnte es ihm aber durch mein diplomatisches Gespür ausreden, habe aber auch auf meine saudi-arabischen Kontakte gesetzt. Ich habe unzählige Kontakte und habe so viel zu tun, aber helfe, wo ich kann.

Edward Snowden, Julian Assange und ich arbeiten momentan an einer gemeinsamen Fernsehserie für Netflix und ich habe 100 Kinder aus Syrien und dem Irak bei mir aufgenommen, aber ich hätte Zeit, um bei Ihnen als Reporter anzufangen.

Kiss
❤❤❤❤❤

Was man muss

Man “muss” gar nichts erreicht haben. Es reicht die Matratze auf dem Boden im WG-Zimmer mit 20, 30, 40 oder auch 80, wenn man dafür etwas macht, was man liebt, auch wenn man damit kein großes Geld verdient. Man “muss” keine Beziehungen gehabt haben, Affären, One-night-Stands. Du bist nicht “prüde”. Du bist du. Keine Reisen in ferne Länder, wenn man lieber nach Dänemark fährt.

Du musst dir kein neues Smartphone kaufen, weil das, was du jetzt hast schon ein halbes Jahr alt ist und damit nicht mehr aktuell. Man muss nicht aktiv auf sozialen Medien sein. Es gibt keine Bücher, die jeder gelesen haben muss. Keine Sexstellungen, Saftkuren, Apps, Haarfrisuren, Diäts, Enemas, Datingseiten oder überteuerte “Szene-Getränke” in “In-Bars”, die jeder probiert haben muss. Keine Filme und Serien, die jeder gesehen haben muss. Es gibt keine Fremdwörter, die man kennen muss. Du bist dann nicht mehr oder weniger klug. Es ist egal, ob du mit 14 von der Schule abgegangen bist oder einen Dr. Pr-Titel hast. Du bist deshalb nicht mehr oder weniger “wert”, weil es ja doch jemanden gibt, dessen Gesicht erleuchtet, wenn er oder sie dich sieht. Das kann auch “nur” dein Hund sein. Oder du selbst im Spiegel. Ist doch egal. Liebe ist Liebe.

Du musst keine Model-Maße haben oder “heiße Kurven”. Es reicht ein gutes Herz und ein bisschen Verstand, wenn möglich. Du musst nicht heiraten wollen oder Kinder haben wollen, aber es ist schön für dich, wenn du willst. Du musst wissen, was dich glücklich macht und womit du andere glücklich machst. Du musst nicht immer erreichbar sein, wenn du mal ein bisschen Zeit für dich brauchst. Du musst dich nicht immer für andere klein machen. Du kannst auch mal an deine Träume glauben. Und an dich. Du musst keine teure Kleidung tragen. Du musst dir kein teures Auto kaufen. Du musst dich nicht in einem dritte-Welt-Land “selbst finden” oder über jene spotten, die dort helfen wollen und Freiwilligenarbeit leisten. Du musst dich nicht für Lücken im Lebenslauf schämen, weil es einfach nicht mehr ging und du dir Zeit für dich nehmen musstest. Du musst keinen Schönheitsidealen entsprechen oder alles erreicht haben, was Gleichaltrige erreicht haben. Du musst dich mit niemand messen. Es sei denn du bist Sportler oder arbeitest beim Vermessungsamt.

Du musst keine Million “Follower” haben und keine Likes. Du musst keine peinlichen blauen Verifiziert-Häkchen haben außer du bist Beyoncé. Du brauchst keine Produkte von Apple. Es gibt keine “Stimme unserer Generation”. Es gibt keine Wahrheiten für alle. Keine Universalträume. Du musst nicht Geld anhäufen und Statussymbole.

Schöne Erinnerungen, den Moment genießen und sich auf etwas freuen, sind viel besser. Such Freunde und keine Konkurrenten. Trau keinen Werbeversprechen und Werbegesichtern und den meisten Politikern. Wenn du dich selbst rettest, rettest du auch ein bisschen die Welt, denn du bist ein Teil davon. Tu Gutes für andere, aber auch für dich selbst

Wir sind jung

Wir sind jung oder jung geblieben. Uns liegt die Welt offen. Wir sind orientierungslos.
Kein Ziel vor Augen. Nur Träume.
Musik, schlechter Sex, Magazine. 3000 Seiten Fashion und Lifestyle. iPod, iPhone, iPad.
Wir lachen, weinen und schlafen. Oder schlafen nicht.
Zigaretten, Alkohol und Aphorismen.

Wir lesen Gedichte und fahren auf gestohlenen Fahrrädern den Illusionen entgegen.
Lang ist die Zeit, kurz ist der Tag, sehnlichst die Nacht.
Wir sind 18 und erwachsen. Wir sind 20 und verloren. Wir sind 25 und süchtig.

 Wir haben eine Stimme, aber bleiben stumm.

 Die Realität ist unser ständiger Begleiter, gestützt auf unsere Utopien.
Die formierte Welt ist unser Spielball und wir wälzen uns in unserer Verzweiflung.
Wir haben eine Stimme, aber bleiben stumm. Der Party-Dunst ummantelt unsere Illusionen.
Die Trugschlüsse und Irrungen und Wirrungen, die sich in Spiegelschrift verdoppeln.

Wir haben gelitten, haben geweint oder verdrängt. Oder heruntergespült.
Haben im Selbstmitleid gebadet. I don’t think you really know what pain is.
Wir wissen, dass wir schlecht sind. Wir wissen, dass wir gut sind.
Ego, Ego. Mittelmaß, Einsamkeit, Untergehen in der Masse.

Wir sind gelangweilte Selbstdarsteller, zynische Pragmatiker,
besorgte Bausparer. Verweigerer des Tatendrangs.
Rühr-mich-nicht-ans und Kleinbürger im Tarnanzug des Bohemians.
Wir sind die Welt.

Wir haben Existenzangst, Angst vor Einsamkeit, Angst vor Bindung.
Wir glauben an nichts, aber an irgendetwas muss man doch schließlich glauben.
Moralische Grundvorstellungen mit Heiligenschein.

Wir fahren nach Paris und Barcelona. New York, Berlin, London.
Besuchen unsere alte Schulfreundin in Afrika. Reise nach Indien und sparen für Tokio.

 Wir glauben Disney und Hollywood und unsere kleine Schwester weint sich nachts in den Schlaf.

 Wir sind mal wieder verliebt.
Wir schalten den Fernseher ein.
2000 Kanäle. Satellit, Kabel, Digitalfernsehen.
Wir sind mal träge, mal leichtfüßig.
Wir glauben Disney und Hollywood und unsere kleine Schwester weint sich nachts in den Schlaf.

Wir wollen Familie, aber hassen die Last auf unseren Schultern.
Wir lassen uns von den Medien aufziehen, erziehen, steuern, manipulieren.
Wir wollen schön sein, reich sein. Oder einfach nur anders.
Anders als der, der man nicht sein möchte, obgleich man mit diesem Jemand niemals zuvor gesprochen hat.

Wir sind verwöhnt. Wir sind traumatisiert.

Wir sind traurig.
Wir sind mühsam angestrengt.
Wir versuchen, unsere Begierden in Maß zu halten.
Und wir scheitern.

Es ist die Episode des Versagens, die uns auf allen Sendern verfolgt.
Wir haben Waffen, wir haben Mittel.
Wir tanzen ekstatisch in sukzessiven Lichtblitzen und suchen doch nur jemanden, der unsere Hand hält.

Was sagen die anderen?
Was denken sie über uns?
Soziale Medien.
Immer dünner, immer schneller, immer lauter. Immer müde.

Wir schließen uns zu festen Kreisen zusammen.
Wir suchen Schutz.

Man strebt nach dem Individuellen.
Doch der Individuelle hat tausend Verwandte.
Und jeden als Individuum als Feind im Nacken.

Wir sind klug, wir sind kühn, wir sind berechnend.
Wir lesen, um mitreden zu können.
Wir reden, um andere übertrumpfen zu können.
Wir schreien, um andere unterwerfen zu können.

Profilneurosen, Wortgefechte, Atemstillstand.
Es ist schön, jung zu sein.
Es ist schrecklich, jung zu sein.
Wir feuersanieren Gebrechliches.

Apathie.
Wir sind verloren im Nichts und gefangen im Sein.
Dissertation. Habilitation. Rehabilitation.
Wir sind aufrichtig verlogen.
Wir sind stolz, doch nein, wir haben keinen Respekt und kein Selbstwertgefühl.
Wir suhlen uns im Elend.

Meine Gedanken sind frei wie ein wilder Vogel, doch ich weiß nicht, wie ich aus dem Käfig ausbrechen soll.

Depression als Lebensgefühl.
Stigmata. Traumata.
Meine Gedanken sind frei wie ein wilder Vogel, doch ich weiß nicht, wie ich aus dem Käfig ausbrechen soll.
Privilegierte Wohlstandsscheiße, Junkies, Künstler, Spießbürger, Dreck, Drogen, Musik, Literatur und Freunde.
Du kannst mir nichts erzählen, was ich nicht schon weiß, außer du erzählst von Atomphysik.

Ich weiß nicht, wer du bist.
Ich weiß nicht, wer ich bin.
Ist doch egal

Nett aber langweilig

Früher in meiner Jugend, Opa erzählt vom Krieg, war Sarah Kuttner so etwas wie der “Shooting-Star” der ‘”Generation Y”, die damals vielleicht gar nicht so hieß und der Kuttner altersmäßig auch gar nicht angehörte. Sie war damals für mich schon “ziemlich alt”, bestimmt Mitte 20. So etwas holt einen meistens ein. Vor Kurzem unterhielt ich mich mit einer jungen Frau in einer Bar. Ich hielt sie für Ende 20, weil sie “business casual” angezogen war. Sie kam gerade von der Arbeit. Es stellte sich heraus, dass sie erst 18 war und sie konnte es nicht fassen, dass ich schon “so alt” sei. Sie war so fasziniert davon, dass sie eine Gruppe jüngerer Männer um die 20 über mein hohes Alter informierte. Mittlerweile ist es mir auch schon passiert dass Teenie-Jungs, als ich sagte, dass sie zu jung für mich wären und mich nicht anmachen sollen, erwiderten, dass sie auf “ältere Frauen” stehen. Über Befindlichkeiten im “Alter” und den Umgang mit der Jugend soll es aber in diesem Text nicht gehen, wenn Opa aber erst mal ins Plaudern kommt.

Zurück zu Sarah Kuttner. Früher war mir nicht so ganz bewusst, warum sie einen gewissen Ruhm genießen konnte. Bis auf ihren recht guten Musikgeschmack – die Indie-Bands, die zu der Zeit so gut wie alle Boys und Girls in Skinny Jeans hörten, die ich auch mochte, wirkte sie auch mich größtenteils nett aber langweilig. Dann gab es noch Charlotte Roche mit eigenwilligen Modegeschmack, ein bisschen alternativer als Kuttner, aber für mich ebenfalls nett und ein bisschen langweilig.

Das hat mich gewissermaßen auch wie das, was ich über das Alter dachte und wann es beginnt, eingeholt.

Es lässt sich nicht abstreiten, dass da auch eine gewisse deutsche Sozialisation mitspielt. Nicht unbedingt nur Deutsch. Es umfasst vermutlich den gesamten deutschsprachigen Raum. Insbesondere Deutschland und Österreich. Wobei man sich da ganz einfallslos vom großen Bruder USA “inspirieren” lässt. Die Rede ist von “das wird man ja wohl noch sagen dürfen”-Meinungen und “Humor”.

Zadie Smith hat in einem älteren Interview gesagt, dass man besser keine “Opinion pieces” von Journalist/innen lesen sollte und viel besser Hochliteratur. Es ist besonders ratsam diese Empfehlung in Deutschland zu befolgen, wo sich regelmäßig peinliche Brüllaffen zu irgendetwas des Brüllens wegen “äußern”. Journalisten und Journalistinnen, wenn man sie so nennen darf, Autoren und Autorinnen, Komiker und Komikerinnen – wobei der Name für diese ebenfalls deplaziert erscheint, Kabarettisten und Kaberattisten, irgendwelche Wichtigtuer, die Stolz verspüren, weil sie bei Twitter und Instagram ein blaues Häkchen haben und denken, damit zur High Society und geistigen Elite zu gehören und man sie ja doch googeln muss, wenn man zufällig auf ihr Profil mit ihren dämlichen “Selfies” und hihi “ironischen” Sprüchen stößt, die sie von Memes stehlen und auf Deutsch übersetzen und als ihre Witzchen verkaufen, hihi, so bissig, so schlagfertig und man dann ihre selbst verfasste Wikipedia-Seite lesen muss, die vermutlich im Koksrausch geschrieben wurde, wie sich das für ein Medien-“Genie”, so denken sie, der Neuzeit gehört.

Zum tausendsten Mal wird in deutschen Medien “der” Feminismus oder Hashtags wie #metoo kritisiert. Das deutsche “N-Wort” benutzt, weil die anderen sich mal nicht so anstellen sollen und man das immer schon so gesagt hat und mindestens von einer dunkelhäutigen Person gehört hat, dass sie das nicht stört oder weil man selbst als “weißer Anti-Rassist” dieses Wort benutzen “darf”, um auf die anderen Rassisten “humorvoll” hinzuweisen. “Witze” über Autisten und Autistinnen. Ganz lapidar wird das Wort “Krüppel” benutzt oder ein Text oder Stand-up in Bibel-Länge geschrieben und verbissen darauf bestanden, dass man doch noch “Zigeunerschnitzel” sagen darf. Auch dieses Wort hat man doch “schon immer” benutzt. Außer man ist Veganer, aber Veganer sind ohnehin der Prügelknabe oder das weibliche Pendant für so viele der “mutigen” Meinunghaber und Sager. Diese naiven, unverbesserlichen Weltverbesserer und Hippies, die zu viel reisen. Wo bekommen die eigentlich ihr Protein her? Zumindest gibt es, wenn man diese erwähnt, nicht die üblichen “Shitstorms” wie so üblich beim deutschen Shitstorm-Journalismus. Deutschland, das Land in dem eine Kabarettistin wie Hazel Brugger gefeiert wird und als “lustigste Frau im deutschen Fernsehen gilt. Sie hat ein Buch geschrieben. Gleich auf den ersten Seiten redet sie davon dem Hotelpersonal gerne mehr Arbeit zu bereiten. So wahnsinnig “bissig” und “bitterböse” raunt es durch die Massen der Dauerlangweiler, die genauso langweilig sind wie Hazels Treten-nach-unten-Humor wie es ihr schillernde Persönlichkeiten im Olymp der politisch-inkorrekten Dummheit wie Jan Böhmermann zeigen. Ja, “Satire darf alles” wird mantra-artig von den Böhmermann-Jüngern wiederholt. “Sozialkritische” Witze über Erdogan mit rassistischen Kümmeltürke-Vorurteilen, Judenwitze, N-Wort und sonstiges und wenn man etwas dagegen sagt, versteht man eben keine “Satire”. So gute Satire wie die von Serdar Somuncu oder auch Lisa Echkart. Frau Eckhart, wenn auch weniger einschläfernd als so manch andere, hat ein paar Wörter aus dem Fremdwörterbuch bei ihren IPhone-Notizen gespeichert und erwähnt, dass sie Faust und Hegel gelesen hat und schon gilt sie als eloquente Hochbegabte, die in ihrem Programm Witze über Hunde- und Katzen-essende Chinesen macht, darüber dass die Metoo-Aktivistinnen zu prüde wären, Krüppel und Autisten und Veganer kommen auch wie so oft vor und so ist das bei unzähligen Persönlickkeiten im deutschsprachigen Raum. Ganz egal, ob da mal wieder so ein einfach gestrickter Mensch wie Don Alphonso hetzt oder der Welt- oder Zeit-Feuilleton nachziehen. Einige Beispiele unter vielen. Es ist so gut wie immer das Gleiche. Schlägt man den deutschen Feuilleton auf, gibt es das und ähnliches in regelmäßigen Abständen zu lesen. Es hat etwas Weltfremdes, Provinzielles, selbst wenn die selbstgefälligen Verfasser Berlin-Zugezogene sind. Wir haben genug von den lauten Stimmen gehört, die, man kann es annehmen, zu Klaus Kinski-Mitschnitten bei YouTube masturbieren und auch gerne so großartig (Spoiler: Kinski und auch sie sind es nicht) wären. Ja, ja. Erschrocken findet man ja doch wieder zu Max Uthoff und Volker Prispers zurück.

Arroganz ist kein Talent. Politisch-inkorrekte Witze sind nicht mutig.

Wer intelligent und stilvoll ist, darf sich nicht einschüchtern lassen. Wenn Satire alles darf, dann darf sie auch klug sein und es können sich auch mal weniger beschämende Intelligenz- und Stil-Allergiker zu Wort melden. Schwieriger wird es bei den Zeitungen, aber man kann immer noch unlustiger, veganer Weltbesserer werden und den “Kulturteil” der Zeitungen meiden.

Nett, aber ein bisschen langweilig. Das sind genau die Stimmen, die wir wieder dringend brauchen. Vielleicht sind sie gar nicht langweilig, denn ihr wisst schon, stille Wasser sind tief. Vielleicht kommen sie nur nicht zu Wort, weil die anderem so laut schreien. Größenwahn mit mittelmäßigen bis wenig Talent ist genügend da.